sondern versuchte für sich die Klinge ; der Anhang des Junkers wurde selbst ungeduldig , was daraus werden sollte , und ermahnten ihn dringend , so viele Umstände und Kosten nicht umsonst angewendet zu haben . Seger besonders erhitzte das junge Gemüt dieses Helden , indem er sanft von einem Hundejungen etwas fallen ließ , der Männer herauszufordern wage . Der Junker warf endlich mit einem Fluche seine Rüstung weg und um sich aus dem Froste in die Hitze zu bringen , ließ er einen Strom von Schimpfreden gegen den Stocknarren los , so nannte er den Grafen von Stock , der es wage , sich mit ihm zu messen ; er schwor , die Leute sollten etwas sehen , daß sie die Augen wegdrehen möchten und doch nicht könnten , und schwor , so gewiß ein Teufel in der Hölle , so gewiß wolle er auf dem Flecke in Antons Jacke , sie war am Herzen , ein Loch stoßen , das kein Mensch zustopfen solle . Die Trompeter stopften ihm den Mund , er ging auf Anton mit großer Heftigkeit , die aber nach den ersten Wendungen und Stößen immer mehr abnahm . Anton begriff sich selbst nicht , er war kaltblütig und führte seinen Degen fast bloß verteidigend aber der Degen zog seine Hand zu den ungeheuersten Stößen fort Stöße von so seltener Geschicklichkeit , wie er sie in der Zeit bester Übung nicht ausführen konnte , auch ließ er sich nicht hemmen und halten . » Gott sei mir und dir gnädig « , rief er einmal über das andere , wie Unglückliche , die von scheuen Pferden dicht an einem Abgrunde fortgerissen werden , und zwar bisher ihren Weg schneller gemacht haben als sie es erwartet , aber darum doch diese Art der Beschleunigung in keinem Fall loben mögen . » Gott sei mir und dir gnädig « , sagte Anton wieder , da steckte seine Klinge , die den Koller des Junkers schon mehrmals gefärbt hatte , in dessen Herzen , daß er niederstürzte und mit dem letzten Worte jammernd bekannte , er sei schuld an diesem unseligen Streite gewesen . Die Seinen sprangen zu seiner Hülfe herbei . » Ade Gertraud , süße Braut , ade mein geliebtes Rotroß , ade mein Leibhund Waidewund , das ist meine letzte Stund . « Mit diesen Worten verschied er und Anton stand neben seiner Tat wie ein Kind , das mit ängstlicher Neugierde ein schauerliches Märchen hört , es wünscht es bald zu Ende und darum horcht es desto aufmerksamer . Aber nicht lange dauerte seine Unempfindlichkeit . Ein schönes adliges Fräulein , prachtvoll rot gekleidet , ihr Hals mit goldnen Ketten behangen , in ihren Haaren eine hohe mit Karniolen besetzte Heftnadel , stürzte sich durch die Menge der Staunenden auf den Entseelten ; ihr Jammergeschrei mischte sich mit dem Gurren der Tauben , die sich eben auf einem hohen Rathausturme niedergelassen hatten . » Rächen will ich dich « , seufzte sie , » rächen soll ich dich « - zog die Nadel aus ihren Haaren , daß die Locken wie die Tränen bis zur Erde herunter fielen , und warf sich mit Wut gegen Anton , der sich von dem Jammer weggewendet hatte , aber Güldenkamm hatte mit seiner Zither so schnell zwischen beide gehauen , daß die Nadel in einem klirrenden Zusammenklang durch die Saiten fuhr und im Holze stecken blieb . » Auch deine Adern sind verzaubert und klingen wie Erz « , rief sie in Verzweiflung , » aber leben will ich nicht , wenn ich den Geliebten nicht räche , will mich allen Fürsten zu Füßen werfen , daß sie mich rächen , dem will ich mich verloben , der mich rächt , den will ich lieben , der mich rächt , dem bin ich ewig eigen , der mich zu rächen sein Schwert in diesen verruchten Zauberer stößt . « Aber keinen der vielen Ritter schien die Liebe , die er nach dem Tode genießen sollte , zu einem Kampfe mit Anton zu reizen ; ein jeder flüsterte seinem Nachbar einen andern Grund zu , warum er in diesem Augenblicke mit dem Riesen nicht kämpfen möchte , die meisten aus Mißtrauen , daß so ein Versprechen aus Not nicht gehalten werden dürfte . Als keiner für sie streiten wollte , warf sie sich wieder bei dem Toten nieder . » Hier will ich sterben , an deiner Seite ruhen bis ich am jüngsten Tage Rache schreien kann . « Güldenkamm hatte jetzt die Nadel aus seiner Zither gezogen und sang zur Trauernden hingeneigt : Mit dem Dolch reg ich die Saiten , Daß sie in den Sonnenstrahlen Flammen von der Liebe Qualen , Tönen von dem harten Streiten , Rächend seiner Jugend Glanz , Decken mit dem Lorbeerkranz . Leben nehmet an für Leben , Der gefallen unterm Schwerte , Soll sich in dem Lied erheben Und bestehn auf weiter Erde . Wie auf einem Demantschild Trag ich hoch sein herrlich Bild . Ehre diesem tapfern Knaben , Der dem Mächtigsten entgegen Schwang den hellen Ritterdegen , Denn sein Ruhm wird nicht begraben , Der Geliebten Klagelied Rächt durch Ruhm , der nicht verblüht . Held , du lebst in ihrem Herzen , Strahlst aus ihren Augen mächtig , Und es zieht die Nacht so prächtig Nun herauf zu ihren Schmerzen , Deines Ruhmes ew ' ge Glut Brennt in ihrer Adern Blut . Der junge Ritter war jetzt auf die Bahre gehoben und wurde von den Grießwärteln fortgetragen , ihm nach ging Gertraud , von andern Frauen gehalten , dann folgte der trauernde Ratsherr , ihr Vater , dessen stolze Eitelkeit dieses Unglück zugelassen hatte ; hart sah er in die Welt und die andern Ratsherren in Besorgnis bedenklicher Folgen , die dieser Vorfall für sie und für die Stadt haben könne , hatten sich von ihm abgewendet , die Bürger folgten paarweis . So gingen sie bei Anton vorüber , der sich nicht verdammen konnte