Gottes Willen , Ich kann ' s nicht sagen , was ich innen fühle , Und weiß doch auch gewiß , ich habe recht ; Nicht Menschenklugheit gibt der Welt den Frieden , Ihr müßt begeistert sein , es kommt von oben , Von außen kommt doch nur Vergänglichkeit . VATER . Ha du gehörest auch zu jener myst ' schen Welt , Die ich in Musenalmanachen merkte . Mein Kind , was Völker bildet und beherrscht , Ist nicht , was unbestimmt der Mund kaum lallet , Und wär ' s das Herrlichste , es ist nicht unser , Es spricht zur Zukunft erst und bildet sie ; Die gegenwärt ' ge Not will gegenwärt ' ge Kraft , Die ganz gemeine , die in jedem wohnet , Sie zu ergreifen , ist des Herrschers Geist , Und sie zu lenken , dient des Staatsmanns Klugheit . Ist Menschenklugheit denn nicht Gottes Gabe ? Wie sind Sie doch so altklug hier geworden ? Weil Sie allein , drum widersprach auch niemand ; Wo blieb das Schweigen , hört ich doch so gern Die lieben Worte : Ich versteh es nicht . MUTTER . Und wie so kalt , wie steinern werden Sie ! Wie hatt ich sonst von Ihrem Geiste Meinung , Und sprach schon nach , was ich noch kaum vernommen , Und jetzt verstehen Sie mich gar kein Wort . VATER . Ach die sich lieben , müssen sich verstehen , Ist dieses nicht mein Arm , die Stimme mein , Ich bin derselbe , aber Sie sind anders . Bei Gott , ich übte doch die höchste Sanftmut , Was half es mir , ich fand nur Widerspruch , Kann Mund zum Mund sich finden , wo die Worte , Wie Pfeile sich in dunkler Nacht durchkreuzen : Nicht lieben , streiten läßt sich nur darin . MUTTER . So wollen wir mit Vorsicht weiter reden Und klug vermeiden , wo uns Meinung scheidet . VATER . Soll Mann und Frau nicht eine Seele sein , Die schlimmste Scheidung ist die Scheidung der Gedanken ; Im Staatsamt bin ich klug , da brauch ich Vorsicht , Hier such ich offne Arme , offnen Sinn . MUTTER . Jetzt suchen Sie , was Sie verschmähet haben . VATER . Laß dir erklären , wie es damals kam , Daß ich so leicht von dir mich trennen konnte : Ha deine Liebe trieb mich aus zur Tat , Wie köstliche Musik zu einem Tanze , Worin Musik und Takt dem Ohr verschwindet ; Ich hab gewirkt mit allen meinen Kräften , Doch Sie , Sie haben sich in der Musik Vertieft , die stets aus Ihnen strömt mit Lust , Sie waren , ach zu lang , mit sich allein , Vernehmen auch kein Wort , was ich hier sage , Sie sind in eines schweren Zaubers Bann , Der Eigensinn hat Sie so fest umschlungen , Sie sind die Meine nicht , Sie sind nun seine Frau . MUTTER . Es ist vorbei , ja ganz vorbei auf immer , Es war doch alles nichts , ich merkt es gleich . Ich bin aus Ihrer Sklaverei , ich lieb Sie nicht , Aus meinen Augen fort , Sie tun mir weh : Es ist der letzte Kummer , den ich leide . VATER . Ja wohl vorbei , ja ganz vorbei auf immer , Ich war getäuscht von dieser lieben Hülle , Bewahrte lang die falsche Münze auf . Nun ich sie brauchen will , da seh ich erst Der goldne Überzug zerrieb sich schon , Ich sehe klar , daß ich damit betrogen , Und den geliebten Schatz muß ich verwerfen . Soll ich vernichten , was mich so getäuschet ? Und werf ich ihn mit rascher Hand ins Meer , Ich könnte später an der Falschheit zweifeln ; Nein ich bewahr Sie , mich zu überzeugen , Wie hoch mein Glauben überm Leben stand . MUTTER . Wie stimmen Ihre Reden schlecht zusammen , Ei wie geziemt sich das bei ihrer Klugheit , Die mir vorher so ganz ergeben sprach . VATER . Das war mein Spott , ich wollte Sie versuchen , In unserm Alter ist die Liebe Spott . MUTTER . Das wollte ich ; so überwiesen ganz , So ganz beschämt sollt einst ein Staatsmann , Vor mir , vor einem Weib in Torheit stehen ; Sie glaubten einen Augenblick mich zärtlich , Ihr Angedenken ist in mir verflucht . Getäuscht zu sein , ist Ihre höchste Strafe , So hören Sie mich jetzt , Sie sind getäuscht . - Ihr holden Blumen , ach verzeiht den Zorn , Ich fühl mich schlecht in diesem Augenblicke , Doch ist ' s der letzte , den ich so verbringe , Und wie der Schall der Worte schnell verrauscht . Verzeih es Luft , du bist schon allzu schwül , Gewittervoll , daß ich kaum atmen kann , Und bin ich schuldig , treffe mich der Blitz . Jetzt hören Sie die letzten Worte an . Was Ihre Absicht war an diesem Tage , Die Sie so weit zu mir hieher geführt , Ich weiß es nicht , ich kann es nicht erraten . Es ist vergebens jegliches Bemühen , Und mit dem Ring , den ich vom Finger nehme Und werf ihn in die freie weite Welt , Ist jedes Band gelöst , was noch Erinnerung hielt : Wir sind geschieden und es sei für immer . VATER . Wir sind geschieden und es sei für immer . Vertrauend baut sich an der Mensch in Jahren Ein kleines Haus zu seines Alters Schutze , Die Erde bebt , zerstört ' s im Augenblick , Auf seinen kahlen Scheitel fällt der Regen , Doch auch die Sonnenstrahlen , die ihn wärmen . Ich fühl mich ruhig , ich verliere nichts , Nur der ist frei , den nichts auf Erden hält . 4. KIND kommt mit einem Schwerte und einem Myrtenzweige und findet den