Julienne ; dahin liefen wenigstens alle Wege des Wahrscheinlichen zusammen ; nur lagen dann rund um ihn Wunder . Bedeutend war die französische Unterschrift , die gerade unter dem Bilde seiner Schwester , das ihm der Vater auf Isola bella149 gegeben , ebenfalls stand ; aber Zufall war möglich . Er untersuchte jetzt diese neue Silberader seines Dianen- und Stammbaums auf dem Probierstein seiner ganzen Geschichte . Seine Mutter und Juliennens ihre waren mit seinem Vater in einem Jahre nach Italien gegangen ; beide waren ungewöhnliche Weiber und Freundinnen gewesen und von beiden sein Vater der Freund . Die Möglichkeit eines verhüllten Fehltritts seines Vaters war da . Ebenso leicht konnten Juliennen die Spuren dieses Irrwegs gewiesen sein . Dann würde ferner aus ihrer Schwesterliebe Licht auf ihren ganzen bisherigen Wendelgang fallen : ihr liebender Anteil an Albano , ihr warmer Blick , ihr Liebes-Wettrennen mit der Fürstin - ihr Briefwechsel mit seinem Vater - ihr Anwerben des Grafen für die Romeiro , das sie ebenso , wie es schien , erhitzte gegen die Fürstin als erkältete gegen Lianen - am meisten die Sonderbarkeit ihrer Liebe gegen ihn , die sich nie weiter und offner entwickelte , alles dieses gab Anschein , daß es nur ein verwandtes Schwesterblut sei , was so oft auf ihren runden Wangen loderte , wenn sie ihn zu lange unbewußt angeschauet . Er machte nach diesem Schritt sogleich den Sprung : er vermutete nun auch , daß sie allein ihrer Linda zuliebe ihn mit dem Zauberspiegel des Geister-Wesens zu blenden gesucht . Was das Verhältnis der Fürstin gegen den Minister anlangt , so war ihm jedes Wort darüber eine Lüge . Er ließ sich ebenso schwer eine gute Meinung von andern nehmen als eine schlimme . Gewöhnliche Menschen geben leicht die gute dahin und halten die schlimme fest ; weichere werden leicht versöhnt und schwer entzweiet . Er war beiden ungleich . Bisher hatt ' er sich der Fürstin Freundschaft mit dem Minister , ihre Landes-Visitationsreisen mit ihm und dergleichen so leicht aus ihrer männlichen Klugheit und Vorsicht abgeleitet , welche über das künftige Erbland ihres Bruders zugleich Wache halten und Aufschluß haben wollte ; und bei dieser Wahrscheinlichkeit , da der Minister sich in die verwandten Rollen eines Cicerone und Aufsehers gleich sehr schickte , beharrte er noch . Die Woche darauf führte eine Begebenheit herbei , welche ein größeres Licht in das dunkle Billet zu werfen schien . 91. Zykel Die versprochene Begebenheit hat wieder in ältern Begebenheiten ihre Wurzel , die sich zwischen der Fürstin und dem Minister zugetragen ; diese schick ' ich hier voraus . Der Minister war sehr bald von seinem Freund Bouverot , der mit seiner klebrigen Spechts-Zunge das Gewürm aller Geheimnisse ungesehen aus allen mürben Thron-Ritzen leckte , mit einem Verzeichnis alles dessen , was die Fürstin von Phönixasche und Schutt in sich verbarg , versehen worden ; er hatte ihn belehrt , daß sie kalt wie ein erhaben-geschliffnes Eisstück nie selber , sondern nur andere schmelzen wolle ; daß sie zu den seltnern Koketten gehöre , welche wie die süßen Weine durch Wärme sauer werden , und nur durch Kälte süßer ; und daß sie daher eine der schlimmsten Angewohnheiten - die jedem die ärgsten Händel mache - an sich habe . Es war nämlich folgende : sie hatte ein Herz und wollte es nie wie ein totes Kapital in der Brust leiden , sondern es sollte sich verzinsen und umlaufen - Der Liebhaber wurde deshalb anfangs von Tag zu Tag aufgeweckter und heitrer , dann von Stund zu Stund - Er wußte alle Holzwege , Hohlwege , Diebsgänge und kürzere Fußsteige in diesem Liebesgarten ordentlich auswendig und wollte die Schäfer-Viertelstunde auf seiner Repetieruhr voraussagen , wo er anlangen würde in der Laube - Es war ihm gar nicht unbekannt ( sondern komisch ) , was es bedeute , daß er bei ihr von Sentenzen zu Blicken , von diesen zum Händekuß , dann zum Mundkuß gelangte , worauf er sich im Whistonschen Kometenschweif ihres Ellen- und Meilenlangen Haars wie in einer Vogel-Schneuß , wo aber die Schlinge auch die Beere war , dermaßen verstrickte , verhaftete und krummschloß , daß er wußte , wieviel Uhr es geschlagen hatte auf seiner Repetieruhr - Aber dann gerade , wenn alle Wolken vom Himmel gefallen schienen , fiel er selber wie aus beiden in einen Korb von ihr - Das war der schlimme Punkt . - In der Tat , deutsche Prinzen aus den ältesten Häusern , die sonst alles versucht hatten , sahen sich unmoralisch , ja lächerlich gemacht und wußten gar nicht , was sie dabei denken sollten - Denn die Fürstin wunderte sich öffentlich über solche Scheusale , gab aller Welt eine Kopie von ihrem Fehdebrief , zeigte aller Welt die Röte und Höhe ihres Truthennen-Halses - und ließ einen solchen altfürstlichen Versucher , oder wers war , nie mehr vor ihr stolzes Angesicht . Da Prinzen ( in solchen Fällen ) wissen , was sie wollen : so breiteten sie freilich aus , sie wisse nicht , was sie wolle ; und oft erst lange nach einem Erb-Prinz kam der apanagierte Bruder desselben Hofes , und später der legitimierte . Gleichwohl blieb dasselbe ; nämlich sie blieb dem sphärischen Hohlspiegel gleich , der zwar das , was nahe an ihm steht , groß und aufgerichtet hinter sich malt , es aber , sobald es gar in seinen Brennpunkt tritt , unsichtbar macht und dann darüber hinaus ganz verkleinert und umgestürzt in die Lüfte hängt . Ihre Liebe war ein Fieber der Schwäche , bei welchem Darwin , Weikard und andere Brownianer durch Reizmittel , z.B. Wein , einen langsamern Puls erschaffen und eben daraus die Kur verheißen . Soweit Bouverot an den Minister ! Aber dem Minister geschah dadurch ein unsäglicher Gefallen . Denn Prinzen-Sünden schlugen gar nicht in sein Brotstudium ein . Als sie sich daher für die Nähe seines Verstandes und seiner kräftigen Physiognomie entschieden und ihn zum Minister ihrer innersten Angelegenheiten