Garten-Ausschmückung , um auf die Besucher eine bestimmte sentimentale Wirkung auszuüben , denn unter den Kreuzen lag nichts oder – Schlimmeres als nichts . Ein › falscher Kirchhof ‹ also , was übrigens niemanden verdroß oder in seinem religiösen Gefühl verletzte . Man nahm das alles nicht ernst und der Philister , der bewundernd oder schmunzelnd an diese Gräber herantrat , war gerade so spottsüchtig und ungläubig , wie der Landrath v. Zieten selbst . Dieser wußte das auch und kannte nichts Lieberes und Schöneres – und dies war eine wirklich erquickliche Seite an ihm , die mit vielem aussöhnen konnte – als seinen Wustrauer Park mit seinen prächtigen alten Bäumen , seinen Lagerplätzen und seinen zur Fahrt auf den See bereitliegenden Booten und Gondeln von seinen lieben Ruppinern besucht zu sehen . Ich mache mich keiner Übertreibung schuldig , wenn ich sage , daß zu Zeiten bis zu fünfzig Familien in dem Park anzutreffen waren . Denn es gab nichts in der Nähe , was mit Wustrau wetteifern konnte . Sogar Fremde kamen . Und je mehr ihrer kamen , desto glänzender war des Alten Laune . Er erschien dann plötzlich , vom Schloß her , in blauem Rock und hellblauen Pantalons , einen Stern auf der Brust , und verlangte nichts als einen Gruß , den er mit großer Freundlichkeit erwiderte . Niemand fuhr besser dabei , als sein Gärtner , der den Namen Geduldig führte , und dem er eine Art Schankgerechtigkeit , nämlich das Recht einer Milch- und Kaffeewirtschaft verliehen hatte . Besonders Liebespaare liebten Wustrau sehr und viele Verlobungen sind in den verschwiegenen Gängen am See hin geschlossen worden . Er galt für geizig und fast darf man sagen , seine Thaten auf diesem Gebiet übertrafen noch seinen Ruf . Es wäre lohnend , hier Details zu geben , aber das Beste davon entzieht sich der Möglichkeit der Mittheilung und nur das eine , vergleichsweise Harmlose , mag hier eine Stelle finden , daß er , bei kleinen Diners , die gelegentlich stattfanden , persönlich mithalf und mit einer im Laufe der Zeit gewonnenen Übung aus ein paar Heringen ein paar Dutzend Sardellen herauszuschneiden wußte . Wahrscheinlich erfunden , aber erfundene Geschichten derart sind gerade so gut wie die wirklichen ; zwischen den echten und unechten Friedericianischen Anekdoten ist kein Unterschied . Bis in sein hohes Alter hinauf war er Landrath . Er hatte den Kreis gut verwaltet und viele Chausseen angelegt . Unter andrem half er auch dadurch , daß er bei Hofe , wo er namentlich bei Friedrich Wilhelm IV. als » Original « sehr angesehen war , allerlei durchzusetzen wußte , was einem Manne von gleichgültigerem Namen muthmaßlich nicht geglückt wäre . Mit eben diesem Ansehen bei Hofe hing es auch zusammen , daß er , schon 1840 gegraft , 1851 , unter ganz besonders auszeichnenden Förmlichkeiten , zur Enthüllungsfeier des Friedrichdenkmals nach Berlin geladen wurde . Hochbeglückt durch diese Gunstbezeugung kam er nach Wustrau zurück . Aber dieselben letzten Lebensjahre , die so viel Auszeichnendes für ihn brachten , brachten ihm auch Kränkungen aller Art , Ärgernisse , die um so ärgerlicher waren , als sie von Personen seiner nächsten Umgebung ausgingen . An der Spitze dieser plötzlich auf dem Plan erschienenen Feinde stand sein ehemaliger Sekretär C. A. Frost , der , so lang er noch in gräflichen Diensten war , nie mehr als 120 Thaler Gehalt bezogen und jedes beim Grafen eingereichte Gesuch um Gehaltsverbesserung abschlägig beantwortet gesehen hatte . Hinsichtlich der Charaktere war eine gewisse Verwandtschaft zwischen Herr und Diener und was dem Letzteren bei Beginn seiner Laufbahn an Verschlagenheit gefehlt haben mochte , das wußt ' er bald einzubringen . Von Natur klüger als sein Herr und mit einem entschiedenen Talent für bureaukratische Schreibereien ausgerüstet , wußt ' er sich bald derartig zur Seele der landräthlichen Verwaltung zu machen , daß er nicht ganz unrecht hatte , die seinem Herrn reichlich zufallenden Anerkennungen sich gut zu schreiben . Aber noch war die Zeit nicht da , dies Conto zu begleichen . Diese Zeit kam erst , als die Verhältnisse ihn zwangen , sich nach aufbessernden Mitteln zur Durchbringung seiner immer zahlreicher werdenden Familie umzusehen . Die Gelegenheit zu dieser Aufbesserung war bald gefunden , und zwar sonderbarerweise ( wenn auch nur mittelbar ) durch den alten Landrath selbst . Dieser , dem finanziellen Zuge der damaligen , in die 40er Jahre fallenden ersten Gründerperiode folgend , fing an , große Strecken seines › Wustrauer Luchs ‹ an Torf-Ausbeutungsgesellschaften zu verkaufen und in eine dieser Gesellschaften trat Frost selbst ein , mit Genehmigung seines Herrn , der auf die Weise hoffen mochte , den ewigen Gesuchen um Gehaltsverbesserung ein für allemal enthoben zu werden . Ja , der sonst so Geizige ging weiter , und schoß seinem Sekretär aus freien Stücken 1000 Thaler vor , um demselben Gelegenheit zu geben , mit Hülfe dieser Einzahlung , als › Aktionär ‹ in die Torf-Exploitirungs-Gesellschaft eintreten zu können . Zieten gratulirte sich zu einem Meistercoup . Aber es kam anders , als er erwartet hatte , total anders . Sekretär Frost , der sich , bei seiner genauen Kenntniß aller einschlägigen Verhältnisse , sehr bald den Torf-Aktionären unentbehrlich zu machen wußte , stieg ebenso rasch an Ansehen , Macht und Vermögen und benutzte nunmehr seine finanziell glänzend gewordene Stellung , um im Interesse der › Gesellschaft ‹ , der er jetzt zugehörte , Forderungen zu stellen . Als der alte Landrath auf diese Forderungen nicht eingehen wollte , dagegen von den ihm vorgestreckten › 1000 Thalern ‹ sprach , warf ihm der über Nacht mächtig Gewordene die ganze Summe vor die Füße und suchte den Widerstand , den der Alte nach wie vor seinen Plänen entgegensetzte , dadurch zu brechen , daß er mit einem Briefe drohte , den er an den König Friedrich Wilhelm IV. schreiben wolle . Schließlich schrieb er diesen Brief auch wirklich und entwarf darin ein Charakterbild des Alten , der Zeit seines Lebens nichts als