ließ aber den Arm nicht los . » Geh du , mit wem du willst . Mögen die dich schätzen , die dir wert sind . Und was das Geld betrifft , da hast du alles , da ist all mein Geld . « Er zog einen gestrickten Beutel aus der Tasche , der voll Münzen war , und schleuderte ihn auf den Tisch . » Ich will , damit du schöne Kleider hast , am Sonntag die Orgel spielen . Ich will , damit du Maskenbälle und Christbaumverlosungen besuchen kannst , noch zwanzig unmusikalische Idioten mehr unter die Fuchtel nehmen . Ich will ein übriges tun und mich verpflichten , nie eine Frage über dein Treiben zu stellen , nicht , wo du herkommst , noch , wo du hingehst ; aber hör mich an , Dorothea , « hier schwoll seine Stimme , und sein Gesicht sah furchteinflößend aus , » vergreif dich an meinem Namen nicht ! Er ist mein einziges Gut . Mit ihm bin ich bei der Menschheit in höchster Schuld . Er gibt mir nicht bloß das , was man bürgerliche Ehre heißt , er gibt mir die Ehre , mit der ich vor meinem Geschaffenen bestehe . Womit du dich an ihm vergreifst , das ist die Lüge . Durch die Lüge besudelst und erniedrigst du ihn . Nicht so sehr , wie du dir vielleicht einbildest , zittere ich davor , als Hahnrei verschrien zu werden . Zwar , die Vorstellung macht mein Blut heiß ; ich bin Mann genug , um Mordgelüste zu spüren , wenn ich mein Weib in den Armen eines andern denke . Aber der unterste Schlund der Verdammnis wär es für mich , wenn du mir die Wahrheit , die ich dir gegeben habe , mit Lüge heimzahlst . Du kannst mich nicht für so gemein und selbstsüchtig halten , daß ich ' s nicht begreifen sollte , wenn sich dein Herz verändert . Doch nur in der Wahrheit kann ich mit einem andern Menschen Seite an Seite leben ; die Lüge zerstört mein göttliches Teil , sie ist mir wie Aas und Verwesung . So sage mir also , ob du wahr gegen mich bist . Fürchte dich nicht , Dorothea , schäm dich nicht ; noch kann alles gut werden , sage mir , ob du mich hintergehst . « » Ich dich hintergehen ? « hauchte Dorothea und schaute ihm , ohne daß ihre Wimpern sich regten , wie hypnotisiert in die Augen , » wieso denn hintergehen ? Traust du mir eine solche Niedertracht wirklich zu ? « » Du hast keinen Geliebten ? Kein anderer Mann hat dich berührt , seit du meine Frau bist ? « » Einen Geliebten ? ein anderer Mann mich berührt ? « wiederholte sie mit demselben hypnotisierten Blick . In ihrem Kindergesicht war der Glanz lauterster Redlichkeit und Unschuld . » Auch hast du keine heimlichen Zusammenkünfte gehabt , keine verräterischen Briefe empfangen oder geschrieben , nichts versprochen , auch nicht im halben Spaß ? « » Och , im Spaß , Daniel , das weiß ich nicht , man redet so manches , du kennst mich doch . « » Und du versicherst , daß all der dunkle Schimpf , der um mich raunt , und zu dem du ja manche Veranlassung gegeben hast , nur Bosheit und Verleumdung ist ? « » Ja Daniel ; Bosheit und Verleumdung . « » So soll dir also Gott keine ruhige Stunde mehr schenken , wenn du mich belogen hast ? willst du das , Dorothea ? « Dorothea stockte ; sie blinzelte ein wenig . Dann antwortete sie leise : » Das sind gräßliche Worte , Daniel . Aber wenn du darauf bestehst , mag ' s so sein . « Daniel atmete auf , als fiele ihm eine Zentnerlast von der Brust . In dankbarer Bewegung drückte er die Frau an sich . Doch da widerte ihn etwas . Ihm war , wie wenn er gar keinen Rhythmus in dem Geschöpf verspüre , wie wenn er ein Wesen ohne Schwingung , ohne Gefüge , ohne Gesetz umarme . Ganz von neuem und von einer neuen Richtung her begann die Qual an ihm zu nagen . Als er die Tür zum Flur öffnete , raschelte es draußen , und eine dunkle Gestalt floh gegen die hofwärts gelegene Kammer . 5 Allein geblieben , schaute Dorothea eine Weile regungslos vor sich nieder , dann nahm sie Geige und Bogen aus dem Kasten , - sie hatte einen neuen Bogen an Stelle des zerbrochenen längst gekauft - , und fing an zu spielen . Eine Kadenz , einen Triller , Takte einer Tanzmelodie . Ihre Züge bekamen einen harten und entschlossenen Ausdruck . Bald ließ sie das Instrument sinken und dachte angestrengt nach . Sie legte die Geige weg , schlüpfte aus ihren Pantoffeln , schlich in Strümpfen aus der Stube , über den Flur und lauschte an Philippines Kammer . Als sie vorsichtig öffnete , vernahm sie von Philippines Bett her , das der Tür am nächsten stand , ein breites Schnarchen . Das Ölflämmchen , das in einem Glas ersterbend flackerte , gab so wenig Licht , daß die Linnen des Bettes nur undeutlich schimmerten . Lautlos , Schritt vor Schritt , ging sie zu Philippines Lagerstatt . Sie duckte sich , streckte den Arm aus , tastete mit der Hand über den Leib der Schläferin , wollte die Decke heben und nach der Brust greifen ; da hörte Philippine plötzlich auf , zu schnarchen , erwachte so jäh , als hätte sie der Strahl einer Blendlaterne getroffen , schlug die Augen empor und schaute Dorothea stumm drohend an . Keine Muskel veränderte sich in ihrem Gesicht . Dorothea faßte sich schnell . Wie eine , der ein ausgelassener Scherz gelungen ist , warf sie sich mit ihrem ganzen Körper über Philippine und legte die Wange auf deren Gesicht , obgleich ihr vor dem Bett-und Atemgeruch