Hufschlag eines Gaules vernommen und sprang dem Gesellen entgegen , der den Falben brachte . » Hast du droben gefragt ? Wo ist er ? « » Keiner weiß was . Beim Geleit der Landshuter ist er nit . Ich hab den Kuen gefragt und den Seipelstorfer - « » Schweig ! Vergelt ' s Gott , Mensch ! Und geh ! « Unbeweglich stand Malimmes in der Nacht , mit dem Zügel des Falben in der Hand . Eine Sorge war ihm kalt durch das Herz geronnen . Aber was er fürchtete , das mußte nicht so sein . Unter Tausenden von Menschen verlauft sich einer leicht . Nur der Runotter nicht . Der weiß , wo er hin muß . Freilich , in solch einer Wirrnis kann es hundert mögliche Dinge geben , an die man nicht denkt . Aber das Ungewisse ist eine Pein , die härter als die Wahrheit ist . Darf dem lieben Mädel solch ein würgender Schatten über das junge Glück dieser Stunde fallen ? » Das tät der Bauer nit wollen . Und ich will ' s auch nit . « Malimmes pflöckte den Gaul neben den beiden Kameraden an . Der Ingolstädter und der Falbe waren gleich wieder mit den zärtlichen Ohren beieinander , und der Pongauer guckte bei diesem Gesellenspiel verwundert zu . Im Gesicht eine steinerne Ruhe , schob Malimmes das Zelttuch beiseite . Unter dem Loderschein der Fackel standen die beiden und hielten sich an den Händen . » So , Maidl ! Jetzt hab ich eine verläßliche Botschaft . Es ist so , wie ich geraten hab . Der Seipelstorfer hat den Bauer mit dem Herrenschub nach Landshut und Burghausen geschickt . Von Burghausen muß er ins Gadnische , weil er mit dem Propst seinen Ramsauer Unfried auf gleich bringen will . Er laßt dich grüßen , sagt der Seipelstorfer . Und laßt dir sagen , du sollst eine Gelegenheit ins Gadnische suchen , wie bälder , wie besser . Mich hat er freigegeben . Der Krieg hat ein End . Ich reit nach Regensburg . Gott behüt dich ! « Seine Stimme blieb wie Eisen . » Ist ein Jahr voll Grausen und doch eine schöne Gesellenzeit gewesen . Aber jeder Faden muß einen Zipfel haben . Ein Landl gibt ' s , das man Heimat heißt . « Malimmes lachte . » Da sehen wir uns schon wieder einmal ! Gott behüt dich , Maidl ! Gottes Gruß , Herr Someiner ! « Er sah das Erblassen in Julas Gesicht und wandte sich ab und ging mit schweren Schritten davon . Draußen in der Nacht begann er zu rennen , wie ein Dieb , der den Profosen fürchtet . Er hörte noch diesen wehen , in Tränen erstickenden Schrei : » Malimmes , Malimmes - « Springend keuchte er : » Schrei , wie du magst ! Morgen lachst du ! « Neben der Moorstraße , die nach München führte und schon vom Nebel umhangen war , stand er zwischen dem Röhricht bis zu den Hüften im Sumpf . Und wartete . Ein paar von den Feuerkröten , die auch in der Nacht nicht schweigen , sangen noch ihr eintöniges und dumpfes Lied . Malimmes wartete . Droben auf dem schwarzen Hügel , wo Dachau stand , schlug eine Glocke die zweite Morgenstunde . Malimmes wartete . Da kamen die beiden , in dunklen Mänteln , auf dem Falben und dem Pongauer . Sie ritten im Nebel vorüber und verschwanden im Grau . Einer , der aussah wie ein gebeugter Greis , stieg aus dem Moor heraus . Noch immer horte man von vier oder fünf Stellen des Lagers her jene tolle Heiterkeit , den Fiedelklang und das Pfeifengetriller . » Die haben ' s gut ! « Malimmes ging hinüber zum Hauptmannszelt und trat in den leeren Raum . Allerlei Zeug war auf dem Deckenlager und auf der Erde . Die Kohlen glommen noch . Und die Fackel brannte . Er nahm sie aus dem Eisenring und ging davon . Da hörte er ein wildes Gewieher und sah , wie der Ingolstädter aufgeregt an der Pflockleine zerrte und wütend ausschlug . » Ui , guck ! Einer , der nit einschichtig bleiben mag ! « Malimmes löste die Leine , gab dem ungebärdigen Gaul einen zärtlichen Schlag auf den Hinterbacken und ließ ihn laufen . » In Gottesnamen ! So renn halt deinem Gesellen nach , den du nit missen kannst ! « Der Gaul , mit gestrecktem Hals und wehendem Mähnenhaar , stob in die neblige Nacht hinaus . Malimmes wanderte mit der Fackel durch das Lager - an einem der Huschelzelte vorüber , in dem es lebhaft zuging - und stieg durch den Wald zu der Höhe hinauf , wo Herzog Heinrich in den glühenden Zangen seines Fiebers lag . Der steile Weg war schon halb überwunden . Da blieb Malimmes plötzlich stehen , hob die Fackel und lauschte in den Wald hinein . Ihm war , als hätte er den Laut einer menschlichen Stimme gehört . » Höia ! Was ist denn da ? « Er hörte das müde Stöhnen wieder und sprang der Richtung zu , aus der es kam . Zwischen den Wurzeln eines dicken Baumes hockte einer und sah aus wie ein plumper Hügel aus rotbraunem Eisen mit einem Menschenkopf , um den die weißen Haarsträhnen hingen . » Jesus ! Bauer ! « Malimmes preßte den Fackelstumpf in die Gabel eines doppelten Baumes . » Wie , was ist denn , Bauer ? Wie geht ' s denn ? « Eine ruhige , wunderlich versunkene Stimme : » Nit schlecht . Überall erträgliche Schmerzen . « Der Söldner wollte den Kauernden aufrichten . Runotter schüttelte den weißen Kopf und sagte wie ein Schlaftrunkener : » Laß mich hocken ! Zum letzten Weg hat ' s nimmer gereicht . Mein Krieg ist aus gewesen . Ich hab hinauf wollen zum Buben . Da hat ' s mich umgeschmissen .