der kleinen Bank des Portiers , sie brausten an mir vorüber . Der alte Portier kam mit dem Bescheide nachgehinkt : das müßte seine vollkommene Richtigkeit gehabt haben , denn die Fürstin habe Hals über Kopf nach dem Wagen geschickt , und da fahre sie hin . - Der alte Mann schenkte mir ein Stück Schwarzbrot und einen Trunk , dann schleppte ich mich weiter , die herbe Wunde im Herzen . Bald darauf begann die Gefangenschaft , kam Kamilla . Aber blaß war das arme Mädchen sehr geworden - ach , wie durchdrungen war ich damals , ihr diese rührende Anhänglichkeit mit aller Liebe zu danken , die nur in meinem Herzen gedeihen könne . In der Einsamkeit meines Gefängnisses malte ich mir es aus , wie sie zufrieden und glücklich sein würde , wenn wir eine kleine häusliche Existenz nebeneinander führten ; die Welt müsse freilich aufgegeben sein , aber Kamilla sei zufrieden mit einem Idyll . Um diese Zeit trat eine Katastrophe ein , und alles wurde anders ; ich wartete täglich auf meine Befreiung ; eines Tages , als der Wärter mein Mittagessen brachte , fiel mir sein stilles , zurückhaltendes Benehmen auf ; ich fragte , er schwieg , ich fragte dringender . - » Erschrecken Sie nur nicht , « sagte er endlich , » Sie kommen von uns weg , und die Untersuchung wird größer und strenger . « - Wer die Fassung im Augenblicke verliert , ist sehr schwach oder wenig gebildet , die Kultur ist ja eine Fassung , ich glaube , damals tröstete ich den Wärter und aß mein Mittagbrot . Als er abgeräumt und zugeschlossen hatte , als ich wieder so recht gefänglich allein war , da stürzte der Jammer wie ein Sturzregen über mich . Mit jener Nachricht war nicht nur alle Aussicht auf Freiheit vernichtet , sondern ich wußte nun auch zuverlässig , daß ich mindestens ein halbes Jahr Gefängnis noch vor mir hatte . O du , zur schönsten Reise Gegürteter , lasse dich ins Bett drücken mit der Gewißheit , viele Monate darin leiden zu müssen , vielleicht nicht mehr aufzustehen . Es war ein schwerer Nachmittag und Abend , bis alle Hoffnungsmöglichkeit in mir erwürgt , zum Schweigen gebracht war . Wer sich ergeben kann , leidet weniger , ich konnt ' es nicht , und kann es in meiner Jämmerlichkeit heute noch nicht ; nun kamen die Gedanken an Flucht , welche die Unruhe auf ihren Schultern tragen und eine erhitzte Hoffnung hinter sich herschleppen . - Mein damaliges Gefängnis lag dergestalt in der Mitte aller fesselnden Anstalten , daß ein Durchbruch unmöglich schien . An die Freistunde auf dem Hofe klammerte sich alles : dieser Hof lag am Flusse und war von diesem nur durch ein großes Tor getrennt ; das wurde zuweilen des Nachmittags geöffnet , und einer oder der andere Beamte setzte sich in den Kahn , welcher an der Treppe lag , um zu angeln , oder er schloß gar den Kahn los , um fortzurudern - der Glückliche , er wußte nicht , wie er beneidet wurde . Je näher die Gefangenschaft mit der freien Welt in Berührung kommt , desto schmerzhaft prickelnder wird sie , die Vergleichung hebt oder schwächt alle Eindrücke . Die Sonne schien warm , ich schwimme mit Leichtigkeit , jenseits des Flusses lockte die offene Straße , ein kühner Entschluß konnte mich retten ; die bestürzte Wache , die neben mir stand , wäre nicht so schnell zum Laden ihrer Muskete gekommen , daß ich nicht die auf größere Entfernung große Unsicherheit des Schusses hätte riskieren können - wer mag die Situation beschreiben ! Die Situation , wo ein Entschluß in schnelle Tat übergehen soll , in eine Tat , die so mißlich war . Was sollte geschehen , wenn ich drüben pudelnaß ans Land kroch , am hellen , lichten Tage , in der fremden Stadt , die mitten im Lande liegt ! Und doch war ' s so lockend . Es hob sich der Fuß , es pochte das Herz ! Wie schwer ist solch ein Aufbruch , wenn man besonnen bleibt , und nicht von einer Leidenschaft gestachelt wird - das Tor ward zugeschlagen , und nun dachte ich : Du hättest es doch wagen sollen ! - Die Zeit war von peinigender Unruhe , da ich auf den neuen Gefängniszustand , auf das neue Verfahren wartete , sie war ganz überflüssig , förderte gar nicht zum Ende , war ein unnützes Interregnum und doch ein Gefängnis . Sie dauerte wohl eine Woche , ich lechzte nach der Veränderung , nach dem neuen Gefängnisse , das Unbekannte schmeichelt mit tausend Möglichkeiten ; auch für die Flucht hoffte ich neuen besseren Anhalt ; so kam der letzte Abend und mit ihm ein schweres Gewitter . Solange ich gefangen war , hatte die Sonne geschienen , und dadurch war meine Unruhe , meine Pein nur befördert worden : je lockender die Welt aussieht , desto schwerer ist das Gefängnis . Jetzt , unter dem gießenden Regen , den krachenden Donnerschlägen , den zuckenden Blitzen mußte jedermann im Zimmer bleiben , ich hatte wieder eine gleiche Gemeinschaft mit der Welt , das war beruhigend . Und welch ein Genuß für meinen Privataberglauben war das Unwetter ! Solche ungewöhnliche Erscheinung mußte einen großen Wechsel in meinem Leben ankündigen ; wer im Unglück nicht abergläubisch wird , der ist sehr stark , oder sehr fühllos , oder sehr arm an Phantasie . Jedes kleine Möbel , jedes Buch hatte mir eine Bedeutung , wenn es so oder so postiert war , jede wiederkehrende Beschäftigung , das Aufziehen der Uhr , ob der rechte oder der linke Strumpf zuerst ausgezogen wurde , ob ich das Licht so oder so anzündete oder auslöschte , das hatte alles seine Bedeutung , seinen Einfluß auf Europa und rückwirkend auf mich . Wenn man nichts zu tun hat , als zu hoffen , da wird jeder Gegenstand tätig . Und