. Er hatte klugerweise zu Allem Ja gesagt , sich aber in seinem Grimm hierüber augenblicklich vorgenommen , die Lanze umzudrehen und zu uns überzugehen . Um sich aber das Für und Wider vorher reiflich und ungestört überlegen zu können , hatte er sich später auf das Pferd gesetzt und den einsamen Ritt gemacht , auf dem er hier mit uns zusammengetroffen war . Da gab es denn für uns kein Bedenken mehr . Der Ustad legte seine Zurückhaltung ab und erzählte ihm Alles , Alles . Wie staunte dieser Mann ! Er hatte ja nicht geahnt , für was für Menschen er das Blut seiner Dinarun vergießen sollte , um nicht die geringste Entschädigung dafür zu erhalten , nicht einmal ein höfliches Wort ! Für jetzt war er nur mit den Rennpferden und der dazu gehörigen Mannschaft gekommen ; seine eigentliche Kriegerschar aber hatte nachzufolgen . Er bot sie uns an und hielt uns beide Hände hin , in welche wir sehr gern die unseren schlugen . Da er nun wußte , welchen Zweck unser Ritt hatte , bat er , uns begleiten zu dürfen ; der Ustad willigte ein . Es ging also nun zu Dreien weiter , westwärts , zu den südlichen Dschamikun , die sich ebenso wohlverbreitet zeigten wie alle Andern . Hierbei wurde das Gesicht des Scheikes immer ernster . Was er bisher von uns nur gehört hatte , das sah er nun , nämlich die große , tödliche Schlinge , welche sich hinter ihm und seinen Leuten zusammengezogen hätte , wenn er auf der Seite unserer Feinde geblieben wäre . Auch in Beziehung auf das Rennen wurde er bedenklich . Die Sahm ging unvergleichlich . Welch ein Unterschied zwischen heut und damals , als der Pedehr sie ritt ! Der Araber sagt : Das Pferd ist ein Prozeß ; wird er gut oder schlecht geführt , so wird er gewonnen oder verloren ! Und nun gar der Syrr ! Nur am Halfter ! Der Scheik war ganz Bewunderung für ihn , fragte aber nur einmal und dann nicht wieder , als er hörte , daß hier ein Geheimnis obwalte , von welchem nicht gesprochen werden dürfe . Unsere Runde war grad beendet , als es dunkel zu werden begann . Wir kamen durch das Tal des Sackes und hielten hüben an , weil drüben die Brücke aufgezogen war , der jetzigen Unsicherheit wegen . Es hatte ein Posten drüben zu stehen ; wir riefen hinüber ; er war aber nicht da . » So müssen wir hier warten , bis er kommt , « sagte ich , über diese Nachlässigkeit erzürnt . » Ja , warten wir , « lächelte der Ustad . » Ich erzähle dem Scheik inzwischen von dem verwegenen Sprunge , den nur dein Assil glatt zuwege brachte . « Er gab den Bericht , ohne von seinem Pferde zu steigen . Als er bei dem betreffenden Augenblicke angekommen war , lenkte er die Sahm nach der Stelle , an welcher wir zum Sprunge ausgeholt hatten . Sich immer noch stellend , als ob er nur erzählen wolle , sprach er weiter . Dann warf er plötzlich den Arm hoch empor und rief ganz dasselbe Wort wie wir : » Jatib , jatib , ia Sahm - spring , spring , o Sahm ! « Da schoß die Stute vorwärts , packte die Kante des Abgrundes mit sicherem Hufe und flog über ihn hinüber , so glatt , so frei , so leicht , daß der Schrei des Schreckes , den ich ausstoßen wollte , sich in einen jubelnden Ruf der aufrichtigsten Bewunderung verwandelte . Dann stieg er drüben ab , ließ die Brücke nieder und forderte uns auf , gemächlich nachzukommen . » Nun , was sagst du jetzt zu meiner Sahm ? « fragte er mich , indem seine Augen froh in die meinen glänzten . Ich umarmte ihn ; das war genug ; eine andere Antwort hatte ich nicht . Der Scheik der Dinarun aber schüttelte sich noch nachträglich vor Entsetzen und versicherte : » So Etwas sah ich noch nie ! Da mag man immerhin das beste Pferd von Luristan und auch den vielgerühmten Iblis bringen , Ihr reitet sie doch nieder . Meine Dinarun aber können froh sein , daß Ihr mir auch noch dieses zeigtet . Wir werden uns hüten , gegen Euch zu wetten ! « Hierauf baten wir ihn , allein nach dem Duar zu reiten und aber ja den Syrr gegen Niemand zu erwähnen . Das Uebrige war schon vorher besprochen worden . Wir beide dagegen blieben auf dem Bergwege durch den Wald und kamen unbemerkt bei unserm Wartturme an . Im Hofe war kein Mensch . Wir ritten schnell über ihn hinweg , brachten unsere Pferde an Ort und Stelle und schlichen uns dann wohin ? Hinauf zu unserm Hadschi Halef Omar , wo wir erwartet wurden , denn Schakara war da , welche von dem Ustad in das Vertrauen gezogen worden war . Sie hatte gesagt , daß wir diesen Abend hier im Verborgenen zubringen wollten , und dann den Hof für uns so frei gehalten , daß Niemand von unserer Heimkehr Etwas merkte . Wir aßen da . Wovon und wie wir uns dabei unterhielten , kann man sich denken . Halef wußte , daß er morgen zum ersten Male hinunter in den Duar dürfe . Es war für ihn auf der Tribüne ein besonderer , höchst bequemer Platz errichtet worden , wo er mit seiner Hanneh das ganze Tal überschauen konnte , ohne sich anstrengen zu müssen . Er freute sich wie ein Kind darauf . Als die Zeit dazu gekommen war , ging der Ustad mit hinauf zu mir . Wir setzten uns auf das Vordach , um die nun beginnende Höhenbeleuchtung von diesem allerbesten Punkte aus zu genießen . Sie geschah unter einem allgemeinen Feuerwerke , an dem sich Jedermann nach Kräften beteiligte . Der Kurde liebt es ebenso wie der Perser , bei derartigen Veranlassungen