. Die Frau mittleren Alters saß etwas tiefer als die ältere , die jungen noch tiefer . Die Frau hatte ein sanftes Angesicht von feiner weißer , ein wenig rot schimmernder Farbe . Ihre Augen waren blau , und die Haare , die unter der Haube hervor sahen , waren blond , und schienen blasser zu werden . Die älteste der Frauen hatte ebenfalls ein sehr feines Angesicht voll Freundlichkeit ; aber das Rot darauf war schwächer als bei der andern . Die Augen waren dunkelblau , und die Haare waren weiß wie die Haube . Als Witiko in dieses Gemach gekommen war , nahm er seine Haube ab , daß die blonden Haare sein Angesicht umwallten , neigte sich und sprach nicht . Die ältere der Frauen erhob sich von ihrem Sitze , legte die Nadel auf den Tisch , und sagte : » Du bist verwundert , Witiko , daß du in diese Stube der Frauen gekommen bist . Verharre ein Weilchen hier , und nimm zum Zeichen , daß du uns nicht verschmähest , einen Sitz . « Eine der jungen Frauen stand auf , und wollte einen Stuhl gegen Witiko rücken . Er kam ihr aber zuvor , nahm den Stuhl , und da sie wieder zu ihrem Platze gegangen war , setzte er sich auf denselben nieder . Die ältere Frau hatte auch ihre Stelle wieder eingenommen . Dann sprach sie : » Witiko , da du jetzt unter uns bist , grüße ich dich . Ich bin Agnes , die Witwe Leopolds , des vorvorigen Markgrafen von Österreich , die Tochter des Kaisers Heinrich des Vierten . « Witiko stand schnell von seinem Sitze auf . Sie aber sagte : » Bleibe auf deinem Stuhle , und wenn du reden willst , so rede von ihm aus . « Witiko setzte sich nieder , und sprach : » Hocherlauchte Frau , da es sich so gefügt hat , so erlaubt , daß ich Euch meinen Dank für die Aufnahme in diesem Gemache sage , und für die Huld , die Ihr mir erweiset . « Agnes aber sprach : » Witiko , als mein Vogt in dieses Zimmer kam , uns deinen Namen zu sagen , so befahl ich , weil deine Mutter hier war , dich zu uns zu führen . Verzeihe mir ; meine Augen wollten sehen , wie ein guter Sohn zu der guten Mutter komme . Unterlasse den Empfangsdank , und grüße deine Mutter ; denn das ist dein erstes . « Witiko stand nach diesen Worten auf , näherte sich der Frau des mittleren Alters , ließ sich vor ihr auf ein Knie nieder , und sagte : » Ich grüße dich , meine gute vielgeliebte Mutter ! « » Ich grüße dich , mein treuer Sohn « , antwortete die Frau . Sie zog ihn an seiner Hand empor , und legte ihre Hände auf sein Haupt . Da sie dieselben herab genommen hatte , beugte er sich auf ihre rechte Hand nieder , und küßte sie . Als er sich wieder erhoben hatte , und in ihr Angesicht schaute , waren in ihren Augen Tränen , und es waren in seinen Augen Tränen . Die zwei jungen Frauen hörten zu sticken auf , und sahen auf die Mutter und den Sohn . » Gehe wieder auf deinen Platz , Witiko « , sagte die Mutter , » und erweise der hohen Frau , die dich vor ihr Angesicht gerufen hat , deine Verehrung . « Witiko aber blieb auf seiner Stelle stehen , und sprach : » Ja , die Verehrung , welche der erhabenen Frau gebührt , die Verehrung , welche sich gegen die Tochter des denkwürdigen Kaisers Heinrich geziemt , die Verehrung , welche der Mutter des deutschen Königs Konrad zukömmt , die Verehrung , welche ich der Mutter Gertruds , der Gattin Wladislaws , des Herzogs von Böhmen und Mähren , zolle , die bei der Belagerung von Prag eine Heldin geworden ist , die Verehrung , welche ich gegen die Frau hege , die in ihren Söhnen und Töchtern auf geistlichen und weltlichen Stühlen und auf den Kriegsfeldern und im Fürstenrate waltet , und die Verehrung , die der Jüngling der Frau bringt . « » Witiko « , antwortete Agnes , » meine Schwiegertochter Maria hat mir erzählt , daß ihr Vater Sobeslaw , der Herzog von Böhmen und Mähren , gesagt hat , du könnest , wenn du auch noch jung bist , deine Worte gut stellen , und du hast uns ein Zeichen davon gegeben . Ich glaube , daß du mich verehrest , aber es ist für meine weißen Haare und für meinen gebeugten Körper , wie stets ein Alter wirkt , über welches Gott viel verhängt hat . « » Hocherhabne Frau « , sagte Witiko , » der Herzog Sobeslaw ist immer mild gegen mich gewesen , und meine Worte rede ich nach meinen Gedanken , und kann oft die Gedanken nicht in Worte bringen . In dir aber verehre ich , was du bist , und verehre auch dein Alter . « » Gehe zu deinem Sitze , Witiko « , sagte Agnes , » und harre noch eine Frist , ich werde dich deiner Mutter nicht lange entziehen . « Witiko ging zu seinem Stuhle , und setzte sich auf denselben nieder . » Bist du von Pric gekommen ? « fragte Agnes . » Ich bin von Pric gekommen « , antwortete Witiko ; » aber ich habe von Pric den hochehrwürdigen Bischof von Olmütz , Zdik , der auf der Flucht ist , nach Passau geleitet , und bin dann von Passau donauabwärts nach Wien gefahren . « » So ist der Bischof Zdik auf der Flucht ? « fragte Agnes . » Wegen der Mächtigen in seinem Lande , die einen schweren Groll gegen ihn tragen « , sagte Witiko . » Es ist immer so , und immer so « ,