, zwischen Freunden muß ein offenes Wort erlaubt sein . Macht nur jetzt , daß Ihr hineinkommt , so kann noch Alles nach Wunsch ablaufen . Ihr seid doch heute Morgen beim Grafen gewesen ? Nein , brummte Herr Schmenckel . Aber zum Teufel , weshalb denn nicht ! rief Timm , dessen Aerger sich von neuem regte . Weil ich nicht wollte , sagte Schmenckel trotzig ; weil ich mit Euch überhaupt nichts mehr zu thun haben will . Aha ! sagte Timm , Ihr möchtet die Fettfedern allein ziehen ? ich habe mir die Finger verbrannt , um Euch die Kastanien aus dem Feuer zu holen ? Nein , theuerster Freund , so dumm sind wir nicht ; für Nichts ist Nichts . Ich will nicht einen Kreuzer von dem Sündengeld , rief Schmenckel ; ich will der Fürstin sagen , daß ich ein ehrlicher Kerl bin und daß sie sich nicht weiter ängstigen soll . Schaust Du aus dem Loch ? sagte Timm ; also blos ein klein wenig verrathen wollt Ihr mich ? Nehmt Euch in Acht , der Spaß könnte Euch theuer zu stehen kommen ! Ich werde thun , was mir gefällt ; sagte Schmenckel , eine sehr entschlossene Miene annehmend und mit langen Schritten weiter gehend . Ihr kommt nicht in das Haus ; rief Albert und packte Schmenckel fest am Arm . Schmenckels Antwort auf diese Herausforderung war ein Stoß , der seinen Gegner sehr unsanft über das Trottoir weg gegen die Wand schleuderte . Im nächsten Augenblick hatte sich die Thür des Palais hinter Schmenckel geschlossen . Durch den Wortwechsel mit Albert war er in eine Art von heroischer Stimmung gerathen , die sich ausnehmend zu der Unterredung , welcher er entgegenging , eignete . So geschah es denn , daß er sich weder durch die glänzende Livrée des Portiers , noch durch die Pracht der Zimmer , welche er durchschreiten mußte , imponiren ließ . Aber der Muth sank ihm plötzlich wieder , und das Herz schlug ihm hoch , als der Bediente jetzt vor einer Thür stehen blieb und leise sagte : Hier befinden sich Ihre Durchlaucht , treten Sie nur ohne anzuklopfen ein ; Sie werden erwartet . Herr Schmenckel fuhr sich mit der Hand durch sein dichtes Haar , räusperte sich , klemmte den abgeschabten Hut fest unter den linken Arm , öffnete mit der Rechten entschlossen , wenn auch vorsichtig , die Thür und trat ein . Eine rosige Dämmerung umgab ihn , und in der rosigen Dämmerung bemerkte er zwei Frauen , von denen die eine in einem Lehnstuhl am Kamin saß , in welchem trotz des warmen Wetters ein helles Feuer brannte , die andere etwas seitwärts hinter dem Lehnstuhle stand . Beide Frauen richteten , als er sich ihnen näherte , die Augen mit durchdringenden Blicken auf ihn . Dieser Empfang veranlaßte ihn , kleinere und immer kleinere Schritte zu machen , und dann , nachdem er den Raum zwischen Thür und Kamin kaum halb zurückgelegt hatte , plötzlich stehen zu bleiben . Treten Sie näher , lieber Freund , sagte die Dame , die hinter dem Stuhle stand . Herr Schmenckel trat noch zwei sehr kleine Schritte heran und blieb abermals stehen , fest entschlossen , den auf ihn gerichteten funkelnden Augen , komme , was da wollte , nicht eine Linie näher zu treten . Sie sind der Mann , der an den Grafen Malikowsky vorgestern geschrieben hat ? sagte die Dame hinter dem Stuhl . Ja , Ihr ' Gnaden . Herr Schmenckel war es , als ob diese Worte , die er doch ohne Zweifel selbst hervorgebracht hatte , am anderen Ende des Saals von einem Andern gesprochen wären . Er wurde sehr roth und räusperte sich , um sich zu überzeugen , daß wirklich er es sei , der mit den Damen sich unterhalte . Sie heißen Schmenckel ? fragte die Dame hinter dem Stuhl . Ja , Ihr ' Gnaden . Und waren vor vierundzwanzig Jahren in Petersburg ? Ja , Ihr ' Gnaden . Und kamen zu der Zeit manchmal in ' s Hotel Letbus ? Ja , Ihr ' Gnaden . Kennen Sie mich noch ? Herr Schmenckel richtete seine Augen , die überall im Zimmer , nur nicht auf den beiden Frauen geweilt hatten , auf die Sprecherin und sagte nach einigem Bedenken : Ich sollt ' s halt meinen , obgleich ich ' s just nicht beschwören möcht ' ! Wenn ' s nicht gar so lang her wär ' , wollt ' ich sagen , Sie sind die Nadeska , das Kammermädel von der gnäd ' gen Frau , die mir im Anfang immer die schönen Briefchen und die Rosenbouquets von der gnäd ' gen Frau in den Schwarzen Bären brachte . Nadeska beugte sich über die Gebieterin und flüsterte ihr einige Worte in ' s Ohr , worauf diese in demselben Ton etwas erwiederte . Darauf entfernte sich Nadeska . Wollen Sie sich nicht setzen , Herr Schmenckel ? sagte die Fürstin , sobald sie allein waren . Herr Schmenckel nahm ihr gegenüber auf dem Rande eines Lehnstuhls Platz . Kennen Sie denn auch mich ? fragte die Dame . Herr Schmenckel verbeugte sich , indem er dabei die Hand auf ' s Herz legte . Warum haben Sie sich nicht direct an mich gewandt ? fuhr die Fürstin im Tone sanften Vorwurfs fort ; weshalb mußten Sie den Grafen in ' s Vertrauen ziehen ? Bin ich jemals ungroßmüthig gegen Sie gewesen ? war es meine Schuld , wenn unsre letzte Zusammenkunft so endete ? Herr Schmenckel wollte etwas erwiedern , aber die Fürstin ließ ihn nicht zu Worte kommen . Wenn ich gewußt hätte , daß Sie noch lebten und wo Sie lebten , ich würde reichlich für Sie gesorgt haben ; ja , ich bin noch diesen Augenblick gern dazu bereit . Aber unter einer Bedingung : brechen Sie jede Verbindung mit dem Grafen ab , lassen Sie