verdunkelt - auch er stand unter den Vorurtheilen seiner Geburt und seines Standes - aber sowol die Thatsache , daß wahrscheinlich den Abend Bonaventura von Asselyn angekommen war , wie die Erwähnung Drusenheims , das dem Aufenthalte Armgart ' s auf einen Büchsenschuß gegenüberlag , ließen ihm kaum zur Besinnung kommen . Er sprang auf , lief im Zimmer hin und her und überhörte dabei gänzlich , daß Weigenand Maus unter allgemeinster Zustimmung beantragte , eine Caricatur anfertigen zu lassen , um » auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege « das zeitgemäß-modernste Thema : Juden bauen den Christen ihre Gotteshäuser ! zu verspotten . Ein stillerer und sanfterer unter den Freunden , Alois Effingh ( Effingh & amp ; Cie . , Bankgeschäft ) , übernahm die Ausführung durch einen vertrauten Freund , der das Talent besaß mit der Feder gleich auf Stein zu zeichnen . Hieß der Geistliche nicht Herr von Asselyn ? fragte Thiebold de Jonge . Ich glaube , ja ... antwortete Gebhard Schmitz , ganz verloren in die Caricatur und noch weitere Details gebend . Ein Vetter Benno ' s von Asselyn ... sagte Thiebold und erwähnte einen Namen , den alle kannten , der aber nicht zu diesem Kreise gehörte ... Nächsten Sonntag nach Drusenheim ! rief Clemens Timpe ... Bewunderung der Villa ... Der Kirche ... Der Tauftügelchen ... Wir laden Eva und Apollonia ein ... Nein ! unterbrach Joseph Moppes . Achtung vor Thiebold de Jonge ! Auf Lindenwerth » Da blüht eine Blume so hold , so hold « ... Auf Lindenwerth ? rief der Chorus . Ja , de Jonge ! unterbrach den Singenden Gebhard Schmitz . Ich war im Stifte bei meiner Schwester ! Wahrhaftig ! ... Ich bin sonst in Geschmackssachen - auf Ehre - aber die Tochter Ihres Lebensretters - Die Lebensretterstochter ... rief der Chorus . Kapitaler Geschmack ! Auf Taille ! näselte Schmitz im ghibellinischen Leutenantston ... Moppes sang : » Und schöner als in dieser Rose « ... A la bonne heure ! Eigentlich noch ein Backfisch , aber künftige » Jöttin « ! fuhr Schmitz fort und - » Hebe stieg in sanfter Feier « ... sang Moppes . Schwarz und braun sind ihre Augen ... » Maikäferlein , was fliegst du auf ? « Zähne , - reizend ! Zwei Zähne - , man sieht sie immer - Man sieht sie immer ? rief der Chorus ... » Um das Rhinoceros zu sehen « - declamirte jetzt sogar Weigenand Maus . Thiebold erwachte aber aus seinem Brüten wie ein Löwe und schüttelte seine goldene Mähne . Genug ! Rief er mit donnernder Stimme ... Aber Singvögelein singet , Singvögelein schwinget Stolz sich in den Himmel hinein ! antwortete Moppes . Der Streit wurde durch Gebhard Schmitz beigelegt . Letzterer blieb bei seiner Bewunerung Armgart ' s , nannte sie das Entzücken des ganzen Pensionats und ließ jetzt wirklich etwas Höheres gelten als seine Dialektkunst und seinen pariser » Gibus « zum Einklappen , den er suchte . Es blieb bei der Caricatur und bei der sonntäglichen Partie ... Gruppen bildeten sich ... der eine lag von der Caricatur sprechend da , der andere von der Liebe überhaupt dort ... man flüsterte ... man hatte jetzt Geheimnisse ... ja es senkte sich über die wüste Atmosphäre mancher reinere Sonnenstrahl ... Selbst Piter ließ endlich von der Arakflasche und erzählte mit gedämpfter Stimme von einigen wunderbaren neuen weiblichen Bekannschaften , besonders einer ... er sprach ganz leise nur ins Ohr zu Gebhard Schmitz ... Joseph Moppes , der hören wollte und nichts verstand , parodirte : Mir auch war eine Leben aufgegangen ! Folgen können wir diesen Gesprächen nicht . Sie enthielten zu viel von dem , was , wenn die Männer zwischen zwei und drei Uhr Morgens von Frauen sprechen - die Nacht » bedeckt mit Grauen « . Endlich aber wurde alles still ... die am lautesten gesprochen haben , schnarchten schon ... auch Piter im schottischen Reisecostüm schlummerte und lächelte und sein etwas stumpfes Näschen schien im Traume eine ganze Jakobsleiter voll Seligkeiten zu balanciren ... nur Thiebold de Jonge lag auf einem Sopha ausgestreckt , das Haupt aufgestützt , sah nach der Uhr und war in wenig Minuten der einzige , der wach geblieben . Er gedachte seines Freundes Benno ... Benno ' s , der , wie dieser sich einmal ausgedrückt hatte , den » lateinischen Stolz « besaß , sich in einer Soll und Haben-Sphäre von dieser Art nicht heimisch zu fühlen , ja die geschilderte geradezu verachtete . Thiebold , in seiner Art ein Schwärmer , betete bei alledem Benno an . Nur hatte er sich wieder einmal mit ihm gezankt und zwar empfindlich ... er hatte sogar den ersten bedeutenden Zwiespalt mit ihm ... Nicht um Armgart ' s willen ... Von Benno ' s Empfindungen für Armgart hatte Thiebold bei dessen in allen Dingen bewahrter kalter Außenseite keine entfernteste Ahnung ... Wohl aber war der Vorfall an dem Tage , wo Hedemann die Begegnung mit Herrn von Enckefuß im Wirtshause an der Landstraße gehabt hatte , für beide zum Gegenstand des ersten längern Misverständnisses geworden . Benno und Thiebold waren Schulfreunde , die sich in spätern Jahren aus dem Auge verloren hatten . Sie fanden sich wieder , als Benno sich bei einer zufälligen Begegnung über das gerade besprochene Abenteuer in Canada dahin äußern konnte , daß ihm wenn auch nicht Ulrich von Hülleshoven , doch Hedemann seit frühester Kindheit wohlbekannt , ja sozusagen sein Nährvater und Erzieher gewesen wäre , solange bis der Dechant ihn ganz in seine Nähe nahm und ihn in der Residenz des Kirchenfürsten nahe gelegenen Universität auf Schulen schickte ... Das Band der Freundschaft mußte sich enger und enger um beide schlingen , da Thiebold ' s Charakter die Hingebung selbst war . Nach wenig Monaten schon konnte er nicht mehr ohne Benno sein , nichts mehr ohne ihn unternehmen . Alles , was dieser sagte oder that , war für