Zinsen auf , das ich nie zurückbezahlen kann , und entrichte meine ordentlichen und unordentlichen Steuern . « » Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen , Alter , « sagte Sloboda . » Das sind die Leiden des freien Bauers ohne Vermögen ! Sie schmerzen oft mehr als die Ruthe des Herrn ! Es ist traurig , sehr traurig ! « » Ich will nicht weiter von mir sprechen , « fuhr Leberecht fort , » ich will nur an einem Beispiele nachweisen , daß ich meine Klagen nicht aus der blauen Luft greife . Mein Nachbar schief über hat ein Häuschen mit Gartenland . Er ist Weber , verheirathet , Vater von drei Kindern , - und in ganz gleichen Verhältnissen sind an unserm Ort allein über hundert Familien , in zwanzig , dreißig Ortschaften zusammen einige Tausende , - und verdient bei größtem Fleiße , angenommen , daß keine Krankheit vorkommt und die Arbeit nie fehlt , im ganzen Jahre fünf und funfzig bis höchstens sechzig Thaler ! Was ist davon sein Eigenthum ? - Ich will es Euch sagen . Auf Haus und Gartenland , das ihm seinen Kartoffelbedarf bringt , lastet ein Kapital von vierhundert Thalern , das zu fünf Prozent Zinsen die Jahreseinnahme um zwanzig Thaler vermindert . Er muß außerdem an Grundsteuer dem Staate jährlich einen Thaler funfzehn Silbergroschen zahlen , Classensteuer , zwei Thaler , Grundzins an die Herrschaft , drei Thaler und drüber , Jagd- und Spinngeld funfzehn Groschen , Gemeindeabgaben gegen anderthalb Thaler ; das Schulgeld für seine Kinder beläuft sich auf vier Thaler und endlich kommen an Feuerassecuranz , an Abkauf der Handdienste auch noch gegen zwei Thaler zusammen , so daß ihm zur Ernährung seiner Familie , zur Instandhaltung seines Hauses und zur Bestreitung etwaiger nicht zu berechnender Ausgaben nicht mehr als zwanzig Thaler übrig bleiben.1 Ist solch ein Loos beneidenswerth , und ist derjenige , dem es gefallen , ein freier Mensch zu nennen , zu beneiden von dem Neger , der in heißen Ländern die Pflanzung seines Herrn bebaut und dafür sorglos seinen Reis essen kann ? « » Wenn das keine Ausnahmen sind , dann wehe uns ! Wehe unsern geordneten Saaten ! Wehe der Zukunft unseres Volkes ! « sagte der Maulwurffänger . » Du sprichst es aus . Wehe der Zukunft unseres Volkes , wenn gleichsam auf gesetzmäßigem Wege die Verarmung mit Riesenschritten um sich greifen darf ! Weil es so ist - und es ist leider fast überall so - darum vermaledeie ich die uns gewordene Freiheit , die uns zur verabscheuungswürdigsten Sclaverei verurtheilt , zur Sclaverei des freien Willens ! Tausende möchten vor Ekel sich von sich selbst abwenden , aber sie dürfen nicht ihrer Weiber und Kinder wegen . Sie müssen das Joch der Sclaverei der Freiheit von einem Jahre zum andern fortschleppen , bis es sie erdrückt ! Frei macht sie nur der Tod ! Das aber ist ein namenloses Elend , ein Jammer , vor dessen Größe und Unendlichkeit man vor Entsetzen versteinert ! « » Um so entsetzlicher , als Niemand ihm steuern kann ! « bemerkte Sloboda . » Dann stehen wir am Vorabende des Weltunterganges , « fiel der Maulwurffänger ein . » Doch noch haben wir keinen Anlaß zu solcher Verzweiflung , die sich selbst und die Zukunft aufgibt . Noch sind Auswege vorhanden , auf denen das fortwuchernde Elend des Volkes verjagt werden kann . Der Staat muß sich des Volkes annehmen , muß ihm , dem darbenden , die Lasten abnehmen und sie auf die Schultern der Verzehrenden , der Reichen legen . « » Träume , schöne , bunte ergetzliche Träume ! « sagte Leberecht wehmüthig lächelnd . » Ich glaube an keine Träume ! « » Du hast Recht , Freund , noch sind es Träume ! Diese Träume aber werden Wahrheit werden , ist sich alles Volk erst der Mittel bewußt , die es der überhand nehmenden Verarmung entreißen können . Nur Massen bewirken etwas Großes in unsern Tagen , nur gemeinsamer Hilfeschrei wird beachtet . Darum trachte der Einzelne dahin , daß die Armen sich einigen und durch ihre Masse und Anhänglichkeit eine unzerreißbare Kette bilden ! Mit geschlossenen Gliedern können sie den Reichen trotzen und durchsetzen , daß man ihre volle Freiheit anerkenne und sie menschlich behandle . « Zweifelnd schüttelte Leberecht den Kopf , ohne das Gespräch weiter zu führen . Die nahen Gebäude des Zeiselhofes , die über die kahlen Felder emporstiegen , gaben seinen Gedanken eine andere Richtung . Sie bogen in einen flachen Hohlweg ein und sahen sich nach wenig Minuten dem offenstehenden Thorwege des Edelhofes gegenüber . » Dort drüben , « sagte der Maulwurffänger , indem er mit der Hand nach dem Herrenhause deutete , » dort drüben begann vor mehr als vierzig Jahren das große Unglück , dessen Folgen uns drei greise Männer an diesem verhängnißvollen Orte wieder zusammenführt . Möge Gott unsern Eingang segnen , wie er ihn damals segnete , als ich Dein liebliches Töchterlein den Händen Blauhuts entriß ! « » Amen ! Amen ! « versetzten Leberecht und Sloboda , indem sie ihre Hüte abnahmen und die Hände bittend falteten . - Eine genaue Besichtigung des Zeifelhofes war leicht zu erlangen , da , wie bemerkt , ein neuer Pachter gesucht ward . Um nicht aufzufallen und Verdacht zu erwecken , gingen die drei Freunde alle Gebäude der Reihe nach durch , indem sie bei dem herumführenden Verwalter sich genau nach dem Ertrage des Rittergutes mit Sachkenntniß erkundigten . Das Herrenhaus betraten sie zuletzt . Es war nicht mehr in gutem Stand erhalten , denn seit der Catastrophe , welche Magnus auf längere Zeit ins Ausland trieb , hatte es keinen bleibenden Bewohner gehabt . Die späteren Pachter nahmen blos zeitweise davon Besitz , gefielen sich aber in der Verwalterwohnung besser , da sie ihren Neigungen und Bedürfnissen mehr entsprach . Als sie die breite , ehemals mit kostbaren erotischen Pflanzen reich geschmückte Treppe hinaufstiegen