Befehl der Majestäten geschehen und blieb ein Gnadenzeichen , das , wie schon erwähnt , eine Loosung für den übrigen Adel ward ; und so konnte es unter den an sich beschränkenden Umständen scheinen , alle Verhältnisse wären ausgeglichen . Hiervon ließ sich die Marschallin jedoch nicht täuschen , die sehr wohl alle Abstufungen der Gunst kannte und mit einem mittemäßigen Zustande der Dinge nicht zufrieden sein konnte ; da sie bisher den ersten Rang erstrebt und erreicht hatte . Leonin blieb dagegen hartnäckig bei seinem Vorsatze , jetzt keine Begnadigung nachzusuchen und der Gunst des Marschalls von Louxemburg anheim zu stellen , sein Erscheinen bei der Armee zu entschuldigen . Da die Maischallin ein Mißglücken eben so fürchtete , fand er weniger Widerstand , als er erwartet ; und seine Gemahlin mit ausgedehnten Vollmachten versehend , und ihr jeden Beweis der Achtung dadurch gebend , verließ er endlich das väterliche Haus und begab sich zur Armee des Niederrheins , in einem Augenblicke , wo ein ziemlich zweifelhafter Zustand des Gelingens bei den Armeen obwaltete . Fünf Jahre waren verflossen . Der Nymweger Friede war geschlossen , die Armeen kehrten nach Frankreich zurück . Durch alle Provinzen des Landes vertheilt , erreichten die Truppen ihre Heimath , ohne daß damit eine Auflösung der Armee verbunden gewesen wäre , die Ludwig der Vierzehnte schon damals nicht für politisch erkannte und damit dem übrigen Europa , dem die Mittel fehlten , diese Maaßregel nachzuahmen , ein stets furchtbarer und überlegener Gegner blieb , dessen Freundschaft zu erhalten , die gefügigsten Schritte gethan wurden , die dem Uebermuthe , der damals schon Ludwigs Gesinnung ausschließlich zu beherrschen begann , einen schrankenlosen Spielraum gaben . Nach fünfjähriger Trennung kehrte Leonin als Adjudant des Marschalls von Louxemburg zu seiner Familie zurück . Die Marschallin war Oberhofmeisterin der Prinzessin von der Pfalz geworden , der zweiten Gemahlin des Herzogs von Orleans . Sie lebte fast immer am Hofe , obwol ihr jede Freiheit zugestanden war , die sie sich selbst geben wollte . Immer mehr jedoch war der Hof eine Art Kultus geworden , dessen Dienste sich weihen zu dürfen , der Inbegriff aller Wünsche , aller Bestrebungen ward . In dem Maaße , wie sie durch die ihr gewordene Auszeichnung über alle ihre Feinde triumphirte , hoffte sie , ihre Familie auch zu dem alten Glanze zurückzuführen , der durch die zweifelhafte Stellung ihres Sohnes noch immer in Schatten gestellt blieb . Obwol unter den zahlreichen Nachrichten von der Armee die günstigsten über Leonins Verhalten , seinen Muth , seinen rastlosen Eifer einliefen , nimmer war eine Gelegenheit zu finden , dieselben bis zu dem Könige zu führen . Außer in diesem Zauberkreise schmeichelten Alle der stolzen Mutter damit ; in Gegenwart des Königs aber schwiegen Alle davon , weil Jeder wußte , daß , als einst Madame mit ihrer kecken , deutschen Weise , die viel Gnade vor Ludwig fand , auf diesen Gegenstand kommen wollte , der König sie verwundert angesehen , und als ob sie Deutsch mit ihm gesprochen , ihr gar nicht geantwortet und ihr den Rücken zugekehrt habe . Jetzt sammelten sich die hohen Häupter der Armee wieder um den König , und der Monarch , getragen und gehoben von dem Ruhme seiner Armeen , spendete Ehren , Vermögen , Gunst und Auszeichnung jeder Art an seine Helden . Die Eroberung von Mastricht und die Schlacht bei Montcastel , kurz vor dem Frieden , diesen so bedeutend erleichternd , gaben dem Herzoge von Louxemburg ein besonders frisches Andenken und ein eingeräumtes Recht an die Gunst seines Königs . Es war daher der Herzog von Louxemburg , der das Eis brach , auf dem Alle zu fallen fürchteten , und den König um die Erlaubniß bat , ihm seinen Adjudanten , den Grafen Crecy-Chabanne , dem er das Leben auf dem Schlachtfelde von Montcastel verdanke , vorstellen zu dürfen . Die Form war gut gewählt , und diese beherrschte Ludwig immer despotischer ; er ward dadurch an nichts der Vergangenheit Angehöriges erinnert , diese in seine Willkür gestellt , und für seine Erlaubniß , im Fall er sie geben wollte , eine Brücke gebaut , die bloß den Marschall zu ehren schien und so gar nicht übersehen werden konnte , ohne diesen zu kränken . Er neigte daher einwilligend das Haupt und ging augenblicklich zu dem Ereignisse sebst über , indem er den Herzog von Louxemburg fragte , bei welcher Gelegenheit er in so dringender Gefahr gewesen sei . Der Marschall hatte jetzt Veranlassung , Leonins Verdienst hervor zu heben , welches er mit der höfischen Vorsicht that , welche es vermeidet , eine Meinung bestimmen oder lenken zu wollen und nur , wie von dem Gegenstande gezwungen , die Dinge vorzutragen scheint . Der König glaubte durchaus seine Ansicht hierüber dem Hofe entzogen und seiner Willkür überlassen , während schon Alle sicher waren , Leonin werde sich eines gnädigen Empfanges zu erfreuen haben . Doch täuschte Ludwig , erfindungsreich in Nüancen des Ceremoniels , welches immer mehr zur karrikaturartigen Uebertreibung ausartete , auch hier seine Höflinge . Zwar durfte Leonin die geweihte Schwelle des königlichen Audienzzimmers betreten und in die Reihen der gleich berechtigten Cavaliere treten ; aber der König schien ihn dennoch nicht zu sehen , obwol er bei seinen verhängnißvollen Wanderungen ihn sehen mußte . Als er jedoch an dem Marschalle von Louxemburg vorüber schritt und dessen besonders bekümmerte Miene sah , rief er : » Ah , Marschall , wir sollten den Retter Ihres Lebens kennen lernen ! « Leonin beugte das Knie ; der König betrachtete ihn einen Augenblick stumm , dann hieß er ihn aufstehen und jetzt sprach er zu ihm , wie zu einem völlig fremden , nie gesehenen Manne ; und indem er seine Handlungsweise lobte , verrieth doch nicht die kleinste Aeußerung , daß er ihn je früher gesehen habe . So demüthigend dies war , mußte Leonin es doch für eine Gnade ansehen ; auch erhielt der Herzog für ihn ohne