wie wir alle , als duldende Epigonen den von einer früheren Zeit uns hinterlaßnen Kelch auskosten mußten , aufmerksam gefolgt , ich habe niedergeschrieben , was ich von ihnen erkundete , und mich bestrebt , die verborgnen Fäden nach den bekannten Tatsachen ergänzend darzulegen . Wie weit mir dieses Werk gelungen , vermag ich zwar nicht zu entscheiden , gewiß aber ist es , daß die Bücher dieser Geschichten , teils im Plane bedacht , teils in der Anlage entworfen , und teils in der Ausführung vollendet , einen großen Abschnitt meines eignen Lebens hindurch mir unausgesetzt - treue Begleiter waren . Jetzt sind die Entwicklungen nach tiefem Dunkel tröstlich erfolgt . Fröhliche Kinder umspielen die Knie derer , welche einst unrettbar verzweifeln zu müssen schienen , leidende Seelen haben sich in edler Tätigkeit erholt , nur die starren , eigentlich schon im Leben toten Naturen , nur einige lieblichwilde Auswürflinge geheimer Sünde oder gottschändender Vermischung umhüllt das Schweigen des Gewölbes , oder deckt die grüne Erde , welche alles zuletzt mütterlich verhüllt . Aber eine düstre Zwischenzeit trat diesen heitern Ausgängen vor . Am Schlusse meines Werks fühle ich mich unfähig , jenen wesentlichen Teil desselben zu liefern . Alles war damals verdeckt , entweder von den Vorhängen des Krankenbettes , oder von dem Siegel der Beichte , oder von der Scham der sich selbst zerwühlenden Brust . Die Geretteten bewahren ihre Erinnerungen zu heilsamer Scheue vor den Ungeheuern , welche unser Dasein umlagern , aber sie reden nicht davon , sie entziehn sich der Mitteilung über diese Gemüts - und Geistesnächte , wenigstens gegen mich . Das neunte und letzte Buch , das Buch der Entwicklungen , ist geschrieben , und ich würde allenfalls auch das achte zusammenphantasieren können . Aber etwas Halbrichtiges würde mir selbst am wenigsten genügen . Gerade für diese Zwischenzeit wäre mir diplomatische Treue höchst erwünscht . Ich habe oft die Feder schon angesetzt , aber sie unwillig immer wieder weggelegt . So müßten die » Epigonen « vielleicht ein im Wichtigsten verstümmeltes Bruchstück bleiben , wenn Sie , mein Herr , sich nicht helfend in das Mittel schlagen wollen . Sie waren in jener Zeit den Leidenden nahe ; es ist unmöglich , daß Ihnen verborgen blieb , was mir zu entziffern nicht gelingen will . Ich weiß nicht , ob ich recht tue , es gibt vielleicht eine Leidenschaft für die Wahrheit , die wir gleich den andern bezwingen sollten . Wenn dem so ist , so kann ich wenigstens ihrer nicht Meister werden , und ich bitte , ja ich beschwöre Sie , meinem Drange nachzugeben , mir Ihre Kunde von dem Verlaufe der beiden Jahre , welche ich meine , und die Sie kennen , nicht vorzuenthalten . Schreiben Sie mir , was das Gewissen der Herzogin bedrückte ? welches Unglück auf der Ehe Johannens gelastet ? was beide Frauen nervensiech machte ? welche Antriebe den Herzog so unvermutet dahin brachten , alle seine Güter dem Widersacher abzutreten ? Mit einem Worte : Lösen Sie mich auf einige Zeit in der Autorschaft ab , und übernehmen Sie die Redaktion des vorletzten Buchs , es sei , in welcher Form Sie wollen . II. Der Arzt an den Herausgeber Drei Briefe , jeder spätere immer noch dringender , als sein Vorgänger , liegen auf meinem Pulte . Daß mich Ihr Ansinnen überraschen mußte , haben Sie selbst wohl vorausgesehen , daß ich mir Zeit nehmen würde , Ihnen zu antworten , war natürlich . Geschäfte und Pflichten mancher Art haben das Ihrige dazu beigetragen , diesen Brief länger zu verzögern , als ich wollte . Ich soll zum Memoiristen werden , ich , der Arzt , der alle Hände voll zu tun hat , seine Patienten wahrzunehmen , die Aufsicht über die Anstalt zu üben , Ministerialberichte zu verfassen , Doktoranden und Pharmazeuten zu prüfen ? Zum Memoiristen über Personen , die mir so nahestehn , ja zum Teil über mich selbst und über eine Zeit , an die ich nicht gern zurückdenke ? Dilettieren soll ich in einem Fache , während ich allenfalls in dem andern mein Zeichen aufweisen kann ? Es müßte sonderbar zugehn , wenn Sie mich überredeten , aber verschwören will ich es nicht , denn der Anblick eines Feldes , welches uns versagt worden ist , wie Sie ihn mir öffnen , hat etwas Lockendes , und reizt uns , wie der Rachen der Klapperschlange den Vogel anzieht . Vor allen Dingen , ehe ich mich entschließe , muß ich die Bücher in Händen haben , deren Sie erwähnen . Mich verlangt , zu erfahren , wie Sie uns , die wir an keinen Beobachter dachten , abzuschildern vermochten , und darnach will ich sehn , was zu tun ist . III. Derselbe an Denselben Ihre Hefte haben die sonderbarste Nachwirkung in mir zurückgelassen . Soll ich mich eines Gleichnisses bedienen , so möchte ich sagen : Die Bienen arbeiten in ihrem Stocke , tragen Honig ein , halten in den Zellen ihre kleinen Kriege ab , und meinen , das alles für sich in völligster Abgeschiedenheit zu tun . Aber der Korb hat an der Rückseite ein Glasfenster und einen Schieber . Diesen öffnet dann und wann der Lauscher und lugt in das stille Getreibe . So haben Sie uns verstohlen betrachtet , freilich mit Vorsicht ; sonst würden wir die Scheiben zu verkleben gewußt haben . Die Tatsachen sind ziemlich richtig , soweit dies bei einer Erzählung , welche Rücksichten zu nehmen hatte , überhaupt möglich war . Die Psychologie ist so , so . Hin und wieder ging es wohl anders in uns zu , als Sie geahnet haben , wenigstens in mir . Am wahrsten sind die Figuren , welche die Menge vermutlich für Erfindungen halten wird : Die Alte , der Domherr , Flämmchen . Es ist zu loben , daß Sie diesen Blasen der von Grund aus umgerüttelten Zeit nichts hinzugefügt , noch ihnen etwas abgenommen haben . Sie klagen