dem Begriff von Seligkeit aufzuschwingen vermag . Ach , ich fühl ' s ! Mich durchzücken leise Schauer , daß Du meiner gedenken solltest in der Ferne , daß das Behagen , die Lust Deiner Tage einen Augenblick erhöht wird durch meine Liebe . Sieh , so schön ist das Geweb meiner innern Gedankenwelt , wer möchte es zerstören ! Musik ! Jeder Ton in ihr ist wesentlich , ist der Keim einer Modulation , in die die ganze Seele sich fügt , und so verschieden , so in sich abgeschlossen die melodischen Formen sind , in die diese Gedankenwelt sich ergießt : so umfaßt sie doch und vernimmt die Harmonie , wie der Ozean alle Strömungen in sich aufnimmt . * * * So gehört denn auch zu unserm vögelsingenden , blüteschneienden Frühling , wo der Fluß zwischen duftenden Kräutern tanzt und ein Herz im andern lebt , jener kalte , vom Wind und Schnee durchkreuzte Winter , wo die eisige Luft mir den Atem an den Haaren zu Reif ansetzte , wo ich so wenig wußte , was mich in den Wintersturm hinausjagte , als wo der Wind herkam , und wo er hineilte . Ach , Herz und Sturmwind eilten der Gegenwart zuvor in die Zukunft , also Dir entgegen . - Darum riß es mich so unwiderstehlich aus dem stummen Dasein dem schönen Augenblick entgegen , der mein Leben in allen seinen Aspirationen entwickeln und in Musik auflösen sollte . * * * Es kann dem Winter nichts ungleicher sein als der Frühling , der unter seiner eisigen Decke der Zukunft harrt ; es kann dem im Samen verschloßnen , in der Erde verborgenen Keim nichts fremder sein als das Licht , und doch ist es seine einzige Richtung ; der Genius des Lebens treibt aus ihm hervor , um sich mit dem Licht zu vermählen . - Dieses Anschmiegen an eine Geisterwelt , dies Vertrauen auf die geheime Stimme , die mich so seltsame Wege leitete , die mir nur leise Winke gab , - was war es anders als ein unwillkürliches Folgen dem Geist , der mich reizte , wie das Licht das Leben ! * * * Meine verödete Kirche stand diesseits an der Höhe , einer Mauer , die tief hinabging , einen Bleichplatz umschloß , der jenseits vom Mainfluß begrenzt war . Während mir vor der Höhe dieser Mauer schwindelte und ich furchtsam ausweichen wollte , hatte ich mich unwillkürlich hinübergeschwungen , und so fand ich im nächtlichen Dunkel kleine Spalten in der Mauer , in die ich Hände und Füße einklemmte und hervorragende Steine , auf denen ich mir hinabhalf ; ohne zu bedenken , ob und wie ich wieder hinaufkommen werde , hatte ich den Boden erreicht ; eine Wanne , die wohl im Sommer zum Bleichen gedient hatte und im Herbst war vergessen worden , rollte ich bis zum Ufer , stellte sie da auf und setzte mich hinein und sah dem Eisgang zu ; es war mir eine behagliche , befriedigende Empfindung , so als eingerahmtes Bild der erhabenen Winternatur ins Antlitz zu schauen . Es war , als habe ich einer geheimen Anforderung Genüge geleistet . - Im Hinaufklettern fand ich ebenso kleine Lücken und Steine unter Händen und Füßen , wie ich sie brauchte . - - Von nun an konnte kein Wetter , kein Zufall mich abhalten , ich überwand alle Schwierigkeiten ; ohne zu wissen wie , fand ich mich an meiner Geistermauer , an der ich jeden Abend hinabkletterte und in meiner Wanne sitzend dem Treiben der Eisschollen zusah . Eine stieß ans Ufer , ich sträubte mich nicht mehr gegen die dämonischen Eingebungen , zuversichtlich sprang ich drauf und ließ mich eine Weile forttreiben . Dann sprang ich auf die nächste , bis ich endlich in der Mitte des Stromes dahinsegelte . - Es war eine wunderbare Nacht ! Warum ? - Jeder Naturmoment ist wunderbar , ist ungeheuer , wo er in seiner Freiheit waltet über den Menschengeist , ich habe mich ihm preisgegeben , und so wirkte er als höchstes Ereignis . - Am fernen Horizont schimmerte ein dunkles Rot , ein trübes Gelb und milderte die Finsternis zur Dämmerung , das Licht , gefesselt in den Umarmungen der Nacht ; dahin schaute ich , dahin trug mich mein eisiger Seelenverkäufer , und der Wind , der sich kaum über die Höhe des Flusses hob , spielte und klatschte zu meinen Füßen mit den Falten meiner Kleider . Noch heute empfinde ich den königlichen Stolz in meiner Brust , noch heute hebt mich die Erinnerung der schmeichelnden Winde zu meinen Füßen , noch heute durchglüht mich die Begeistrung jener kühnen nächtlichen Fahrt , als wenn es nicht vor sechs Jahren , sondern in dieser kalten Winternacht wär , in der ich hier sitze , um Dir zulieb und meiner Liebe zum Gedächtnis alles aufzuschreiben . Eine gute Strecke hatte ich mich dahin treiben lassen , da war ich ebenso willenlos , als ich den Fluß hinabgeschwommen war , wieder umgekehrt , ich schritt ruhig von einer nachkommenden Eisscholle zur andern , bis ich mich glücklich am Ufer befand . Zu Hause im Bette überlegte ich , wo mich wohl noch diese Wege hinführen möchten ; es ahnte mir wie ein Weg , der immer weiter , aber nicht zurückführen werde , und ich war neugierig auf das Abenteuer der nächsten Nacht . Am andern Tag unterbrach eine zufällige Reise in die Stadt meine nächtlichen Geisterwanderungen . Da ich nach drei Wochen zurückkehrte , war dieser mächtige Reiz aufgehoben , und nichts hätte mich bewegen können , sie aus eigener Willkür zu wagen . - Sie lenkten freilich einen Weg , diese freundlichen Nachtgeister , der nicht wieder umlenkt , sie belehrten mich , wollten mich lehren der Tiefe , dem Ernst , der Weisheit meines Glückes nachzugehen und seine Beseligung nur als seinen Abglanz zu betrachten . So machen es die Menschen ; während ihr Geschick ihnen einen vorübergehenden