wäre sonderbar , wer es aber wohl möchte gewesen sein , der ein so schönes Mädchen in solchem Zustande von sich entließe . Anton brach hier ab und fragte , was sie zu ihrem Unterhalte beginnen wollten , denn er sah wieder den wunderlichen Schatten im Dunkel des Zimmers , der ihn von den Gegenwärtigen fort hin zu sich locken wollte , er drehte sich deswegen gewaltsam nach dem Fenster . Güldenkamm sprach : » Ihr habt in der Not unterwegs eine Kunst erfunden , die ich mit höchster Verwunderung angesehen , Ihr habt so viel Steine heruntergeschluckt , daß ich meine , Ihr müßtet ein Bergwerk im Leibe haben , doch hat es Euch nichts geschadet bei der Ausfuhr , darum dächte ich , Ihr könntet diese Beschaffenheit Eures Leibes als ein silberhaltiges Bergwerk ernstlich benutzen und Euch für Geld damit sehen lassen , auch seid Ihr so riesenhaft stark , wie ich oftmals bemerkte , daß auch dieses Aufsehen erregen wird . Meine Singerei kennt Ihr , ich will Euch verkündigen , Susanna mag recht artig das Geld einfordern ; schade , daß wir den Seger nicht bei uns haben , da ließe sich auch zuweilen allerlei tragieren . « Anton seufzte bei diesem Vorschlage , er dachte mit einem tiefen Ausrufe der Kronenburg und seiner großen Ahnen , und seiner Bestimmung in der Zukunft und seines jetzigen Elends , und er meinte gewiß , wenn er so etwas treibe , müsse es jenem Alten im Grabe bittern Schmerz machen , aber wieder sah er den zärtlichen Schatten im Dunkel des Zimmers und freute sich durch diese Beschäftigung den wunderlichen Gedanken entrissen zu werden . » Gut « , sprach er , » der Vorschlag mag gelten , ich will Steine fressen , daß sich die Steine erbarmen , mach ' s nur schnell bekannt , doch muß ich dir sagen , wir dreie sind noch zu vornehm zu solchem Unternehmen ; wir müßten den Seger haben , der gäbe erst dem Dinge einen gemeinen Beigeschmack , daß es allen gefiele . « » Da ist der Seger « , rief dessen bekannte Stimme , die seinem haarigen Körper voreilte , » was soll er wieder ? er ist doch zu allem gut und keiner dankt ihm , da habt Ihr Fasanen und Rebhühner , heut soll es ein Fressen geben . « » Steine werd ich fressen sollen « , sagte Anton traurig . » Meinetwegen auch Haare und Karbatschenstiele « , sagte Seger , » jetzt aber laßt uns zusehen , es wird auf dem Markte ein großer öffentlicher Zweikampf gehalten werden ! « » Da müssen wir gleich hin « , sagte Güldenkamm , » wer will fechten ? « » Der Ritter Blaubart « , sagte Seger , » mit einem unbekannten Ritter , der ihn in unserm alten Wirtshause gebunden hat . « » Das bin ich « , rief Anton , » bei allen Heiligen , den Lumpenkerl hatte ich ganz vergessen . Schnell gebt mir Waffen , verflucht daß wir unsre guten Degen im Walde weggeworfen , die Meisen pfeifen jetzt darauf , und mir will der Tod dafür auf seinen alten Knochen flöten . Her da , gebt her das alte Schwert , das mein schändliches Weib mir spöttlich zugesendet hat , es ist wohl unansehnlich , es mag aber geheime Kraft führen . « Vergebens suchten ihn Güldenkamm und Susanna abzuraten und zurückzuhalten ; Seger trieb ihn mit kaltem Spotte in die Schanze . Die Tore waren schon geschlossen , der Markt mit Sand bestreut und die Schranken , die von alter Zeit her standen , mit Grießwärteln besetzt ; an einer Seite stand eine Totenbahre mit Kerzen und Bahrtüchern . Der Junker stand mit seinen Freunden an einer Seite und ließ ausrufen , daß dem Fremden , der ihn beleidigt habe , vom Rate ein freier öffentlicher Kampf , mit welcher Art gleicher Waffen es sei , zugesagt worden , es sollten sich deswegen alle Weiber und Knaben unter dreizehn Jahren entfernen ; bei Lebensstrafe solle aber niemand durch Wink und Zuruf sich in den Kampf mischen . Ritter Blaubart hatte diese ganze Festlichkeit seiner Braut zu Ehren durch den Schwiegervater anrichten lassen , der gegen die Meinung der andern Ratsherren das alte Recht der Stadt , solche Kämpfe und Gottesgerichte , das seit einem Jahrhundert nicht in Ausübung gebracht worden war , geltend machte , der festen Überzeugung , daß sich niemand einfinden werde und daß diese schnöde Flucht des Gegners , den er mit Faust verwechselt hatte , der fortgeritten , seines Eidams Ehre in der Stadt herstellen werde . Die erste Viertelstunde war schon verlaufen und der Herold wollte eben zum dritten Male ausrufen , als Anton mit seinem alten Degen in seinem Soldatenwams und Ratsherrenhosen in Begleitung des rauhen Seger , des feinen Güldenkamm und seines schönen Knaben in die Schranken trat . Der Junker lachte verächtlich über den wunderlichen Aufzug , doch bebte ihm heimlich das Herz . Der riesenhafte sichere Mensch stand da so fest , als ob er wie die steinerne Rolandssäule zum ersten Gericht hingepflanzt sei . Der Junker wollte erst seine Ahnen wissen , worauf Seger beschwor , es sei ein ehelicher Sohn des Grafen von Stock , dann verlangte der Junker , daß er in gleichen Waffen wie er mit Brustharnisch und Schienen sich darstellen solle . Anton sprach : » Schmeißt Eure Rüstung ab , so sind wir gleich gewaffnet , hab ich gleich nur einen alten rostigen Bratspieß , glaube ich doch gegen Eure Strahlenklinge zu bestehen . « Dem Anton war ungemein behaglich ; wenn er den Degen ansah , dachte er an seine Frau und es war ihm , als könne er sein ganzes Gift gegen sie damit auslassen , er lag ihm so leicht in der Hand wie sein Pinsel und er wollte sein Bild heute rot anlegen . Der Junker hatte ihm noch mancherlei gesagt , aber er hörte nicht darauf ,