Vor deinem Tempel sinkt der Unruh Fluch , Die mich wie Furien umhergetrieben , Und diese Bäume scheinen mir die Schlangen , Die sich schon schlummernd an die Tür gelegt . MUTTER . Du fabelst ja wie in der alten Zeit . VATER . Die Tauben schweben girrend noch zum Giebel , Dann auf die Linde , die uns auch gewiegt , Das Meer rauscht noch mit seinem blauen Wasser ; Doch eine nur ist aus dem Meer gestiegen , Ihr hab ich in der Luft ein Schloß gebaut , Und find sie nun im eignen Hause wieder ; O dieser schönen Menschlichkeit in Göttern . Du lächelst meiner künstlich feinen Rede , Ach wie so modisch neu ist mir die Freude ! MUTTER . Du hast kein freundliches Geschick erfahren , Doch ist dein Ruhm so groß , dein Einfluß würdig , Daß viele Frauen mir den Glanz beneiden , Den mir dein Name aller Orten leiht ; Doch seh ich dich , ich kann es nicht begreifen , Wie du Millionen Menschen führen magst . VATER . Ich wirkte auswärts , um mir zu entfliehen , Regieren war das Schwerste nicht im Leben , Die eigene Befried ' gung fehlte mir : Ach wem das Beste fehlt , dem fehlt ' s an allem . MUTTER . Du sprichst wohl herzlich - doch du bist ein Staatsmann . VATER . Ein guter Staatsmann sei das Herz vom Staate , Das gleich verteilt das Leben allen Gliedern , Und selber in der sichern Mitte thronet . MUTTER . So warst du in Geschäften gut zu Hause , Was willst du nun in dieser stillen Hütte ? VATER . Nein , ich war nirgends , nirgends mehr zu Hause , Selbst der Geschäfte Reiz schwand meinem Sehnen , Das Neue konnte mir nur reizend scheinen , Die goldene Alltäglichkeit war nichts ; An mich wollt sich Gewohnheit nicht gewöhnen , Was mir gewöhnlich ward , schien mir zuwider . MUTTER . Bald würde dich bei mir dasselbe quälen , Der Überdruß , wie einst in ferner Zeit . VATER . Warum ist mir denn jenes blaue Zimmer , In dem wir schliefen , stets noch in Gedanken , Das wir mit manchem Spielzeug angeordnet , Mit mancher Inschrift , manchem kleinen Bild , Das rätselhaft den Fremden , uns verständlich , So daß wir stets geheime Sprache führten ; Oft wähnte ich im fernen Land erwachend , Vom Traum getäuscht , ich läg in deinem Zimmer , Ich läg an deiner Seite , holde Frau . MUTTER . O sieh an dieser Glut in meinen Wangen , Ob ich die gute Zeit nicht ganz gefühlt . VATER . Was ich seitdem bewohnt , sind wilde Höhlen , So ganz verhaßt durch einsam wache Nächte . Ich mochte sie nicht schmücken und nicht ordnen , Daß ich nicht außen fänd , was in mir fehlte ; Erinnerung lag fern und unerreichlich , Und Reue folgte mir , daß ich ' s verscherzt , Was meines wahren Lebens Ernst und Sinn ; Für wen ich sorgte , wußt ich nicht zu sagen , Und was ich tat , das war voraus mir Sorge . Ich hatte Furcht und sollte Zutraun wecken , Verantwortung ruht schwer auf dem Gesandten , Doch schwerer auf dem waltenden Minister , Vertrauen darf ihn nimmer unterstützen , Er muß es brauchen , aber nimmer teilen . MUTTER . Er muß es brauchen , aber nimmer teilen , Und die Gewohnheit sollte dir nicht bleiben ? VATER . O lehr mich nicht , noch an mir selber zweifeln ; Ich mußte vieles tun , was ich nicht glaubte . Ja kommt man heim mit Orden , goldnen Dosen , Da scheint es leicht , das schelmische Geschäft , Im ruh ' gen Land ein innrer Feind zu sein . Als Schlange mußt Geliebte ich belauschen Der Liebe Schein auch zwischen drängend nehmen ; Der Freundschaft hingegebne Worte nutzen , Was ich für mich , beim Himmel , nie getan . Gesellschaft , die ich haßte , mußt ich wählen , Und die gemütlich mir , kaum heimlich sehen , Ein Kartenspiel aus bloßer Ehre suchen , Die Nacht vergähnen , Morgen zu verlieren , Und reden , wo ich lieber schweigen mochte . So wurden beßre Menschen selbst zu Schatten , Die der Erscheinung regelrechte Stunden halten , Sonst ließ sich nichts von ihnen weiter fordern , Und bin ich nicht im Innern ausgestorben , So war ' s die Lieb zu dir , die mich erhielt . MUTTER . O leugne nicht , da ich ' s dir leicht verzeihe , Ich kenne dich und deiner Treue Sinn . VATER . Du weißt es , liebes Weib , dir log ich nie , Bedürfnis , Lust , die habe ich befriedigt , Doch dir blieb stets getreu mein liebend Herz ; Es schweigt das Herz in jenen höhern Kreisen , Und bleibt sich selber einzige Gesellschaft ; Der Staat allein schließt da des Umgangs Band , Für ihn ertrug ich selbst Beleidigung , Damit nicht Streit zur Unzeit ihn verflechte , Und dieser Staat , oft konnt er mich nicht schützen , Und was das Liebste , mußte ich ihm opfern . MUTTER . O Gott , wie elend müssen sein die Völker , Daß solche Schande nur ihr Leben fristet . VATER . Verwirf nicht rasch , was du so wenig kennst , Denn du verwirfst auch mich , noch wirk ich drin , Wenn gleich mit traurig plagenden Gedanken . Was gibt dir Sicherheit und Wohlstand hier , Da rings Verheerung , Mord und Brand bei andern Völker , Aufopfrung ist was wert ! Würd mir wie Menschen , Wie andern Menschen wohl , nur einmal wohl , Ich hätte nicht die Kraft mich los zu reißen , Ich bliebe ruhig , ließ der Welt den Lauf ; Auch meine Unruh muß dem Staate dienen . MUTTER . Hat nicht die Welt den Lauf nach