Augen . Ein wehmütiges Lächeln , das nicht gerade nach Freude aussah , glitt über ihr gutes Gesicht . » Ich verstehe , « sagte die Prinzessin weich und herzlich . » Erinnerungen ... Müssen überwunden werden ! Vergessen sich vor der Gegenwart ! Was führt ihn denn nach der Heimat ? « Beide Eltern wagten nicht zu antworten und sahen erwartungsvoll auf Tante Trinette mit ihrer Weltgewandtheit . Sie erhob den Kopf , reckte den Hals lang und dünn aus dem vergilbten Pointkragen , und indem sie mit einem umfassenden Blick alle Anwesenden gleichsam unter ihre eigene Anschauung der Dinge beugte , sagte sie langsam : » Mein Neffe hat neue Geschäftsverbindungen in Deutschland angeknüpft . Er hat Kohlenlieferungen für den » Norddeutschen Lloyd « übernommen . Hoheit entsinnen sich ... der » Norddeutsche Lloyd « – sehr protegiert von Majestät ! « » Kohlenlieferungen ... « wiederholte die Prinzessin , durch das feierliche Wesen Trinettens beinahe eingeschüchtert , » wie interessant , wie zeitgemäß ! Das ist ja nett , sehr nett ! « Sie überhörte den tiefen Seufzer , der Frau Marie entfuhr , und plauderte vergnüglich weiter : » Meine liebe Frau von Kosegarten , wenn Ihr Sohn hier ist , wundern Sie sich nicht , wenn ich Sie plötzlich überfalle und um eine Tasse Tee bitte . Es muß ja höchst spannend sein , ihn erzählen zu hören ! Als ich in Wien war , schilderte mir ein Afrikareisender , wie er unter den Tatzen eines Löwen gelegen habe . Vielleicht war es nicht wahr , aber immerhin , der Mann verstand Konversation zu machen . « Man erhob sich und beschloß , den Kaffee um des so hellen warmen Tages willen auf der Rampe vor dem Gartensaal einzunehmen . Prinzessin Karoline hatte kein Bedürfnis , länger zu sitzen . Sie bewegte sich , ihre kleine Mokkatasse in der Hand , unaufhörlich zwischen der Rampe und dem Gartensaal hin und her , bewunderte die Sammlung seltener Porzellane in den Eckschränken und sprach freundliche Worte zu Hilde . » Ich glaube , wir haben manches Ähnliche miteinander , « sagte sie und blickte ihr lächelnd in die Augen , » ich hoffe , wir werden uns gut verstehen . Ich liebe die Steifheit durchaus nicht , mein liebes Kind . Geben Sie sich ganz natürlich – menschlich – schenken Sie mir Ihr Vertrauen ! « Hilde verneigte sich errötend . Was sollte sie von dieser kleinen Anrede halten ? Sie hatte Tante Trinette energisch gesagt , sie werde nur unter der Bedingung die Hofdamenstellung annehmen , daß man der Prinzessin jenes Vorkommnis in Langenrode nicht verschweige . War dies die Antwort darauf ? Die Prinzessin nahm ihre Freundin Trinette unter den Arm . » Meine Beste , ich habe noch nichts von dir gehabt , laß uns ein wenig gemütlich plaudern ! « Auf diesen Wink zog sich das Kosegartensche Ehepaar mit den Begleitern der Prinzessin und Hilde aus Hörweite der Jugendfreundinnen zurück . Kosegarten bemühte sich , das ältliche Hoffräulein und den blonden Kammerherrn durch lange , von manchem Kernwort gewürzte Jagdgeschichten zu unterhalten . Marie wollte von Hilde hören , warum Mimi nicht geblieben sei und was dieser eilige Aufbruch zu bedeuten habe . Hilde war spärlich und zurückhaltend in ihren Mitteilungen über die zwischen ihr und Mimi stattgefundenen Gespräche . Beunruhigt blickte sie zuweilen zu den Damen hinüber , die mit gedämpften Stimmen ein augenscheinlich nicht gleichgültiges Thema verhandelten . Sie fühlte , daß sie selbst dieses Thema bildete . Die Prinzessin äußerte sich liebenswürdig über das junge Mädchen . » Aber da ist ein Punkt , meine Liebe , den ich nicht gern berühre , und den ich trotzdem erwähnen muß ... « Trinette senkte die Lider über ihre blassen und doch scharfen Augen . » Hoheit ? « fragte sie abwartend . » Ja , nun , ich sprach neulich gegen einige Herren die Absicht aus , mir deine Nichte zu attachieren . Die Herren lächelten , Trinette . Es ist nicht gut , wenn Herren bei dem Namen eines jungen Mädchens zu lächeln beginnen ... « » Ich bin ganz der Meinung von Hoheit , « pflichtete ihr Trinette bei , » aber haben Hoheit noch nie die Klatschsucht an Fürstenhöfen – ich will ja nicht sagen kennengelernt – aber doch beobachtet ? Bis zu Hoheits reiner Höhe würde ja dieser trübe Schlamm nie zu dringen wagen ... « Die Prinzessin kniff mit einer gassenjungenartigen Bewegung ihr linkes Auge zu und sagte leichthin : » Der trübe Schlamm wagt manches , was man ihm nicht zugetraut hätte ... übrigens habe ich mich erkundigt ... man kann deiner Nichte nichts Tatsächliches nachsagen . « Trinette hob die Lider wieder und beugte sich so zärtlich , wie ihre steife Gestalt es zuließ , zur Hoheit hinüber . » Wäre ich nicht von der Herzensreinheit meiner Nichte überzeugt , « sagte sie eindringlich , » wie würde ich sie für den verantwortlichen Posten einer Hofdame bei meiner geliebten Hoheit vorgeschlagen haben ? Der Neid in Langenrode über die Güte , die die hohen Herrschaften unserer Familie stets erwiesen haben , die Eifersucht gewisser Damen ... dadurch ist das ganze Gerede verursacht . Ich will zugeben , daß Hilde unvorsichtig war ; sie hat sich von einem Manne den Hof machen lassen , der wie Graf Kessenbrock in dem Ruf eines Lebemannes stand . Ich bin der Ansicht , das hätte nicht sein sollen . « Die Prinzessin schüttelte den Kopf und lachte . » Noch immer so streng , meine Gute ? « » Ich bin nicht streng in diesem Falle , « verteidigte sich Trinette , » ich entschuldige Hilde mit ihrer Jugend , mit ihrer Unbeschütztheit ; ich war damals unglücklicherweise in Altheiligenberge . Meine Schwägerin , halb besinnungslos durch den Schmerz des Abschieds von ihrem Sohn , kümmerte sich wenig oder gar nicht um das junge Mädchen . Es war Hildens Unschuld , die sie unvorsichtig sein ließ . «