Gegenwart zu genießen . “ Er warf sich mit verächtlicher Gleichgültigkeit wieder auf das Sopha ; aber mitten durch den Spott klang doch etwas von jener tiefen Gereiztheit , die der Vater an ihm bemerkt haben wollte . Berkow schüttelte den Kopf ; aber die Rolle , die er bei diesem verfänglichen Thema dem Sohne gegenüber spielte , war doch zu peinlich , als daß er nicht möglichst schnell davon hätte ablenken sollen . [ 54 ] „ Wir sprechen noch einmal zu gelegener Zeit darüber ! “ erklärte er , heftig die Uhr hervorziehend . „ Für heute laß uns abbrechen . Es sind noch zwei Stunden bis zum Eintreffen der Gäste ; ich fahre nach den oberen Werken hinaus . Du begleitest mich also ? “ „ Nein ! “ sagte Arthur , wieder in seine volle Trägheit zurücksinkend . Berkow machte diesmal keinen Versuch , seine Autorität zu gebrauchen ; vielleicht war ihm nach diesem Gespräche die Weigerung nicht unlieb . Er wandte sich zum Gehen und ließ den jungen Mann allein , den mit der nun eintretenden Stille wieder die ganze frühere Apathie zu überkommen schien . Und während draußen der erste klare Frühlingstag auf die Erde herniederlächelte , während die Berge dufteten und die Wälder im Sonnenglanze funkelten , lag Arthur Berkow drinnen im halbdunklen Gemach bei herabgelassenen Vorhängen und geschlossenen Portièren , als sei er allein nicht geschaffen für freie Bergesluft und goldenen Sonnenschein . Die Luft war ihm zu rauh , die Sonne zu hell ; die Aussicht blendete ihn , und er selbst kam sich über alle Beschreibung nervös und angegriffen vor . Der junge Erbe , dem Alles zu Gebote stand , was die Welt und das Leben nur zu geben vermochten , fand , was er schon so unendlich oft gefunden , daß diese Welt und dieses Leben doch eigentlich entsetzlich leer und öde seien , gar nicht der Mühe werth , geboren zu werden . Das glänzende , mit verschwenderischer Pracht und Ueppigkeit hergerichtete Diner war zu Ende . Es hatte außer den zahlreich erschienenen Gästen noch einen besonderen Triumph für Berkow gebracht . Der Adel der benachbarten Stadt war im höchsten Grade exclusiv , zumal in seinen tonangebenden Persönlichkeiten , und er hatte sich bisher noch nie herbeigelassen , das Haus eines Emporkömmlings zu betreten , den seine zweideutige Vergangenheit noch immer von der vornehmen Gesellschaft ausschloß . Die Einladungen aber , auf denen Eugenie Berkow , geborene Baroneß Windeg , unterzeichnet stand , waren allseitig angenommen worden . Sie war und blieb doch nun einmal der Sproß einer der ältesten Adelsgeschlechter ; man konnte und wollte sie nicht durch eine Ablehnung verletzen , wollte dies um so weniger , als es kein Geheimniß geblieben war , was sie zu dieser Verbindung gezwungen hatte . Wenn man aber der jungen Frau mit vollster Achtung und Sympathie entgegenkam , so konnte man gegen ihren Schwiegervater , in dessen Hause das Fest ja stattfand , unmöglich anders als höflich sein , und das geschah denn auch . Berkow triumphirte , er wußte sehr wohl , daß dies hier nur das Vorspiel dessen war , was sich im Winter in der Residenz wiederholen mußte . Man werde die Baroneß Windeg in ihren Kreisen sicher nicht fallen lassen , weil sie sich aus Kindesliebe für ihren Vater geopfert , man werde sie dort nach wie vor als ebenbürtig betrachten trotz des bürgerlichen Namens , den sie jetzt trug . Was aber diesen Namen selbst betraf , so lag das so sehnlich erstrebte Ziel ja nun hoffentlich auch nicht mehr in allzuweiter Ferne . Wenn sich der ehrgeizige Millionär nun einerseits seiner Schwiegertochter zu neuem Danke verpflichtet fühlte , trotzdem sie heut mehr als je die Airs einer Fürstin angenommen hatte und ihm und seinem ganzen Kreise völlig unnahbar geblieben war , so hatte ihn andererseits das Benehmen seines Sohnes ebenso sehr überrascht als geärgert . Arthur , der sonst ausschließlich in adeligen Kreisen verkehrte , schien jetzt auf einmal den Geschmack an dieser Art des Umganges verloren zu haben . Er war den vornehmen Gästen gegenüber von einer so kühlen Artigkeit gewesen , hatte selbst gegen die Officiere der Garnison , mit denen er doch sonst bei seinem Hiersein auf sehr intimem Fuße stand , eine so geflissentliche Zurückhaltung beobachtet , daß er mehr als einmal bis an die Grenze dessen ging , was ein Wirth sich erlauben darf , ohne zu verletzen . Berkow begriff diese ganz neue Laune nicht ; was fiel denn seinem Sohne auf einmal ein ? Wollte er vielleicht seiner Gemahlin damit Opposition machen , wenn er ihre Gäste so beinahe absichtlich vermied ? Diejenigen Herren aus der Stadt , welche sich in Begleitung ihrer Damen befanden , waren bereits aufgebrochen , weil bei den vom langen Regen grundlosen Wegen eine mehrstündige Fahrt in der Dunkelheit nicht rathsam erschien , und hatten dadurch der Frau vom Hause die Freiheit gegeben , sich zurückzuziehen , eine Freiheit , die sie auch sofort benutzte . Eugenie verließ die Gesellschaftsräume und begab sich in ihre Zimmer , während ihr Gemahl und ihr Schwiegervater bei den Gästen zurückblieben . Inzwischen war zur festgesetzten Stunde auch Ulrich Hartmann erschienen . Seit seinen frühesten Knabenjahren , seit mit dem Tode der Frau Berkow die Beziehungen seiner Eltern zum Hause derselben aufgehört , hatte er es nicht wieder betreten , wie denn überhaupt für die gesammte Arbeiterbevölkerung das Landhaus des Chefs mit seiner Umgebung von Terrassen und Gärten ein verschlossenes Eldorado war , das nur hin und wieder den Beamten einmal zugänglich wurde , wenn irgend eine besonders wichtige Angelegenheit oder eine Einladung sie dorthin rief . Der junge Mann schritt durch das hohe , reich mit blühenden Gewächsen geschmückte Vestibül , die teppichbelegten Stufen hinauf und durch die hellerleuchteten Corridore , bis ihn in einem der letzteren der Diener von heute Morgen in Empfang nahm und in eins der Zimmer wies . „ Die gnädige Frau werde bald erscheinen – “ mit dieser