seine Lippen . » Ja , Rudolf ? « » Was meinst du , Anna « – aber es war , als würde er nur mühsam seiner Worte Herr – , » ich dächte , wir könnten morgen wohl zu Bernhard fahren ? « » Zu Bernhard ? « Sie hatte sich losgewunden , das Kartenhaus , das sie sich mit soviel Sorge aufgebaut hatte , drohte einzustürzen : Rudolf war nicht eifersüchtig ! Oder – als ob sie alles um sich her vergesse , stand sie vor ihm – sollte es mit dieser Reise eine Liebesprobe gelten ? Wie auf sich selber scheltend , schüttelte sie zugleich das Haupt ; aber sie mühte sich umsonst , ein andres zu ergrübeln ; der Ton seiner Stimme war nicht gewesen , als ob er sie zu einer Lustreise hätte auffordern wollen . Und jetzt hörte sie dieselbe Stimme wieder : » Du antwortest mir nicht , Anna ! « Sie warf sich vor ihm nieder : » Rudolf , geliebter Mann ! Wann und wohin du willst ! « Ein leuchtender Strom brach aus den blauen Augen , und die jungen Arme streckten sich ihm entgegen . Aber nur eine kalte Hand legte sich auf ihr Haupt , das flehend zu ihm aufsah : » So laß uns versuchen , ob wir schlafen können . « Am andern Morgen saß Rudolf schon wieder früh am Schreibtisch , seine Feder flog , die halbfertigen Arbeiten wurden rasch vollendet , ebenso rasch mußte der Schreiber sie kopieren . Inzwischen ordnete er selbst , was an Schriften und Karten sich auf Tisch und Stühlen in den letzten Tagen angehäuft hatte ; oftmals warf er einen Blick auf die Wanduhr , um dann wieder in stummem düsterem Vorwärtsdrängen seine Arbeit fortzusetzen . Als es acht geschlagen hatte , nahm er die von dem Schreiber fertiggestellten Schriften und machte sich auf den Weg zum Schlosse . Im Zimmer des Grafen , der in anderen Arbeiten saß , gab er auf die hastig hingeworfenen Fragen rasch und knappe Auskunft ; es schien ihm wenig daran gelegen , ob seine Meinung Beifall finde . Der Graf sah seinem Förster in das blasse Gesicht , und als dieser nach einem längeren geschäftlichen Gespräche fortgegangen war , blickte er noch eine Weile gegen die Tür , bevor er sich wieder zu der vorhin verlassenen Arbeit wandte . – – Nachdem das junge Ehepaar zeitig sein Mittagsmahl eingenommen hatte , wurde der Einspänner aus dem Schuppen gezogen und der Rappe in die Deichsel gespannt . Wohl eine Stunde lang fuhren sie am Rande der gräflichen Waldungen ; wieder , wie tags vorher , stand die goldene Septembersonne am Himmel , und der stärkende Duft des herbstlichen Blätterfalles erfüllte die Luft um sie her . Nach einer weiteren Stunde sahen sie den Gutshof liegen ; als sie in eine kurze Allee von Silberpappeln einbogen , lag am Ende derselben , durch einen sonnenhellen Raum davon getrennt , das Wohnhaus vor ihnen . » Da ist schon Bernhard ! « sagte Anna und wies auf eine kräftige Gestalt , welche neben der Haustür stand und , die Augen mit der Hand beschattend , dem ankommenden Gefährt entgegensah . Rudolf nickte nur , und Anna sah es nicht , daß seine Hände sich wie in verbissenem Schmerz zusammenballten ; nur das Pferd , das er am Zügel hielt , empfand es und bäumte sich in seiner Deichsel . Als der Wagen vor dem Hause anfuhr , war das verschwunden . » Da sind wir endlich ! « sagte er , Bernhard die Hand entgegenstreckend . Bernhard sah ein wenig überrascht , fast verlegen aus ; aber auch das verlor sich gleich . » Seid willkommen , du und Anna ! « sagte er herzlich . » Ich erkannte euch erst , als ihr hier in den Sonnenschein hinausfuhrt . « Nun kam auch Julie aus dem Hause , und die Begrüßung wurde lebhafter ; und als man erst drinnen um den blinkenden Kaffeetisch der jungen Wirtin saß , geriet auch ohne die Männer sogleich die Unterhaltung , denn das Geschwisterpaar war kürzlich in Annas Elternhause auf Besuch gewesen , und diese hatte fast noch mehr zu fragen , als jene zu berichten . Nach beendetem Kaffee drang Rudolf auf einen Spaziergang durch die Gutsflur , die zwar seiner Frau , aber ihm noch nicht bekannt sei . Anna wollte eben ihren Arm in den der Freundin legen , als sie Rudolf sagen hörte : » Du , Bernhard , nimmst dich meiner Frau wohl an ; Fräulein Julie wird mit mir sich plagen müssen ; übrigens « – und er wandte sich zu dieser – , » ich verspreche , heute nicht zu zanken . « » Sie haben auch heute keine Ursache mehr « , entgegnete Julie leise und warf , plötzlich ernst geworden , einen liebevollen Blick auf ihren Bruder . Dem jungen Förster war weder dieser Blick noch dessen Bedeutung entgangen ; aber er nickte düster vor sich hin , als sei ihm das so recht , dann folgte er mit Bernhards Schwester den Vorausgehenden . Nachdem Haus und Garten und pflichtgemäß dann auch noch Keller und Scheune besichtigt waren , ging man ins Freie , zunächst über abgeheimste Weizenfelder , wo nur noch Scharen von Sperlingen oder mitunter ein Häuflein barfüßiger Kinder ihre Nachlese hielten . Anna mit ihrem zum Zerspringen vollen Herzen rief eins der kleinen Mädchen zu sich , und als es , nach einem ermunternden Worte Bernhards , langsam herangekommen war , zog sie ein blaues Seidentüchlein aus ihrer Tasche und band es , auf den Boden hinkniend , ihm sorgsam um sein Hälschen . Sie küßte das Kind und drückte es heftig an sich . » Behalt das von der fremden Frau ! « sagte sie ; » doch halt ! « , und sie sammelte ein Häuflein kleiner Münzen und drückte die Finger des Kinderfäustleins darum zusammen ; dann , während der kleine Flachskopf ihnen