gute Meinung ; aber es ist nicht Zeit zu dem ; schaffet mir Leute , so Ihr helfen wollet ! ‹ Was ich entgegnete , hörte sie schon nicht mehr ; denn sie war nach Leitern und Stricken mit ihren Knechten der Scheune zugegangen . Auf dem Heimweg , den ich also nothgedrungen antrat , glückte es mir , ihr ein paar junge Burschen nachzusenden ; und auf Deiner guten Mutter Zureden , dem jungen Blut zum Troste , wie sie meinte , hat auch unsere Margreth sich denselben angeschlossen . Diese verständige und , wie auch Dir bekannt , in keine Wege schreckbare Person ist jedoch am späten Abend mit wankenden Knien und verstürzetem Antlitz wieder heimgekommen . Das Suchen nach dem verlorenen Mann – so berichtete sie , alsbald sie ihres Odems wieder Herr geworden – sei ganz umsonst gewesen . Aber da endlich alle jungen Knechte schier verdrossen fortgegangen und Margreth mit dem Mädchen , das nicht wegzubringen gewesen , nun dorten ganz allein verblieben , so ist mit Dunkelwerden ein Irrwisch nach dem andern aus dem Moore aufgeduket und ein Gemunkel und Geflimmer angegangen , daß sie das Blänkern des Wassertümpels habe sehen können , an welchem dieser gräueliche Tanz sich umgedrehet . – Lasse das dahingestellet . Es ist aber noch ein anderes geschehen , und will Dir zuvor ins Gedächtniß bringen , daß wir unsre Margreth auf einer Lügen niemals noch betreten haben . Als nämlich die Irrwisch so getanzet , hat des Bauren Tochter gleich einer stummen Säulen darauf hingeschaut ; da aber Margreth sie bei der Hand gezogen , daß sie schleunig mit ihr heimgehe , hat sie plötzlich überlaut um ihren Vater gejammert und wie in das Leere hinein geschrien , ob ihr etwas von ihm Kunde geben möchte . Und hat es darauf eine kurze Weile nur gedauert , so ist aus der finsteren Luft gleich wie zur Antwort ein erschreckliches Geheul herabgekommen , und es ist gewesen , als ob hundert Stimmen durch einander riefen und eine mehr noch habe künden wollen als die andere . Da hat die Alte Gott und seine Heerscharen angerufen , hat aber das Mädchen , als ob es angeschmiedet gewesen , mit ihren starken Armen nicht vom Platze bringen können , als bis das Toben über ihnen , gleich wie es gekommen , so wieder in der Finsterniß verschollen war . Wenn Dich , mein Josias , schmerzet , was ich hier hab schreiben müssen , da des Mädchens irdische Schönheit , wie mir wohl bewußt , Dein unerfahren Herz bethöret hat , so gedenke dessen und baue auf ihn , welcher gesprochen : › Wer sein Leben verlieret um meinetwillen , der findet es . ‹ Und sinne diesem nach , daß Du das Rechte wählest ! Will dann zum Schlusse noch Erwähnung thun , daß unser Gastfreund Petrus Goldschmidt , welchen in meiner geistlichen Bedrängniß wegen obbemeldter Dinge ich mir vielmals hergewünschet , letzthin zum Superintendenten in der Stadt Güstrow , sowie ob seiner Gelahrtheit und Verdienste um das Reich Gottes von der ... ( die Handschrift ist hier unleserlich ) Fakultät zum Doctor honoris causa ist creiret worden . « – – Also lautete meines lieben Vaters Brief . Und will hier nicht vermerken , was Herzensschwere ich davon empfangen , wie ich in vielen schlaflosen Nächten mit mir und meinem Gott gerungen , auch gemeinet , ich könne nicht anders , als daß ich heim müsse , um der Armen Leib und Seel zu retten , und wie dann immer das erwachend Tageslicht mir die Unmöglichkeit für solch Beginnen klargeleget . Aber , wie die Rede ist , es sei das eine Leid ein Helfer für das andre , so geschahe es auch mir . Denn noch vor dem heiligen Christfeste empfing ich von meiner Mutter einen Brief , daß mein lieber Vater mit unvermutheter Schwachheit befallen sei und selbige allen gebrauchten irdischen Mitteln entgegen ihn fast sehr entkräftet habe ; und dann nach wenig Wochen einen zweiten , der mich drängte , meine Studien zu vollenden , da der theuere und getreue Mann nicht lang mehr selber seines Amtes werde warten können . Solche mein Herz aufs neu erschütternde Nachrichten trieben mich früh und spät zu strenger Arbeit , und wurd ich bald auch dessen inne , daß ich nur so den Weg zur Heimkehr kürzen könne . 1707 . Es währete doch noch bis gegen den März des beigefügeten Jahres , daß ich als ordinirter Adjunctus meines Vaters in meiner lieben Eltern Hause eintraf . Nur noch zum Troste , nicht zur Freude ; denn ich fand meinen Vater auf seinem Siechbette , von dem ich wohl sahe , daß er nach Gottes allweisem Rathschluß nicht mehr erstehen solle . Da er nun in den Tagen , die er als seine letzten wohl erkannte , seines einzigen Kindes nicht entbehren mochte , so hatte ich niemanden aus dem Dorfe noch gesehen ; auch Renaten nicht . Meine Eltern itzt nach ihr zu fragen , trug ich billig Scheu , und so hörete ich nur noch einmal von unserer alten Margreth , was ich in meines Vaters Briefe schon gelesen hatte . Es war aber am Sonntage Reminiscere , an welchem ich zum ersten Male für meinen lieben Vater predigen sollte . Er hatte das heilige Abendmahl seit lange nicht ertheilen können , und so hatten viele sich gemeldet , um es bei seinem Sohne zu empfangen . Dachte auch , Renate würde unter ihnen kommen ; aber sie kam nicht . Die Nacht zuvor , in welcher mit meiner lieben Mutter ich die Krankenwacht getheilet , hatte der Sturm gar laut gebraust ; nun aber lag alles in der lichten Morgensonne , und eben , da ich in den Kirchhof eintrat , scholl mir gleich Auferstehungsgruß ein Drosselschlag vom Wald herüber . Und währete es nicht lange , so stund ich in der Kirchen vor dem Altar und sprach aus inbrünstigem Herzen das » Ostende nobis ,