Hauke ! Die Herbstschau ist in Anmarsch ; Deich- und Sielrechnungen haushoch ; der neuliche Deichschaden am Westerkoog – ich weiß nicht , wo mir der Kopf steht , aber deiner , gottlob , ist um ein gut Stück jünger ; du bist ein braver Junge , Hauke ! « Und nach dieser langen Rede , womit der Alte sein ganzes Herz dargelegt hatte , ließ er sich in seinen Stuhl zurückfallen und blinzelte sehnsüchtig nach der Tür , durch welche Elke eben mit der Bratenschüssel hereintrat . Hauke stand lächelnd neben ihm . » Nun setz dich « , sagte der Deichgraf , » damit wir nicht unnötig Zeit verspillen ; kalt schmeckt das nicht ! « Und Hauke setzte sich ; es schien ihm Selbstverstand , die Arbeit von Elkes Vater mitzutun . Und als die Herbstschau dann gekommen war und ein paar Monde mehr ins Jahr gingen , da hatte er freilich auch den besten Teil daran getan . " Der Erzähler hielt inne und blickte um sich . Ein Möwenschrei war gegen das Fenster geschlagen , und draußen vom Hausflur aus wurde ein Trampeln hörbar , als ob einer den Klei von seinen schweren Stiefeln abtrete . Deichgraf und Gevollmächtigte wandten die Köpfe gegen die Stubentür . » Was ist ? « rief der erstere . Ein starker Mann , den Südwester auf dem Kopf , war eingetreten . » Herr « , sagte er , » wir beide haben es gesehen , Hans Nickels und ich : der Schimmelreiter hat sich in den Bruch gestürzt ! « » Wo saht Ihr das ? « frug der Deichgraf . – » Es ist ja nur die eine Wehle ; in Jansens Fenne , wo der Hauke-Haien-Koog beginnt . « » Saht Ihr ' s nur einmal ? « – » Nur einmal ; es war auch nur wie Schatten , aber es braucht drum nicht das erste Mal gewesen zu sein . « Der Deichgraf war aufgestanden . » Sie wollen entschuldigen « , sagte er , sich zu mir wendend , » wir müssen draußen nachsehn , wo das Unheil hin will ! « Dann ging er mit dem Boten zur Tür hinaus ; aber auch die übrige Gesellschaft brach auf und folgte ihm . Ich blieb mit dem Schullehrer allein in dem großen öden Zimmer ; durch die unverhangenen Fenster , welche nun nicht mehr durch die Rücken der davorsitzenden Gäste verdeckt wurden , sah man frei hinaus und wie der Sturm die dunklen Wolken über den Himmel jagte . Der Alte saß noch auf seinem Platze , ein überlegenes , fast mitleidiges Lächeln auf seinen Lippen . » Es ist hier zu leer geworden « , sagte er ; » darf ich Sie zu mir auf mein Zimmer laden ? Ich wohne hier im Hause ; und glauben Sie mir , ich kenne die Wetter hier am Deich ; für uns ist nichts zu fürchten . « Ich nahm das dankend an , denn auch mich wollte hier zu frösteln anfangen , und wir stiegen unter Mitnahme eines Lichtes die Stiegen zu einer Giebelstube hinauf , die zwar gleichfalls gegen Westen hinauslag , deren Fenster aber jetzt mit dunklen Wollteppichen verhangen waren . In einem Bücherregal sah ich eine kleine Bibliothek , daneben die Porträte zweier alter Professoren ; vor einem Tische stand ein großer Ohrenlehnstuhl . » Machen Sie sich ' s bequem ! « sagte mein freundlicher Wirt und warf einige Torf in den noch glimmenden kleinen Ofen , der oben von einem Blechkessel gekrönt war . » Nur noch ein Weilchen ! Er wird bald sausen ; dann brau ich uns ein Gläschen Grog , das hält Sie munter ! « » Dessen bedarf es nicht « , sagte ich ; » ich werd nicht schläfrig , wenn ich Ihren Hauke auf seinem Lebensweg begleite ! « – » Meinen Sie ? « Und er nickte mit seinen klugen Augen zu mir herüber , nachdem ich behaglich in seinem Lehnstuhl untergebracht war . » Nun , wo blieben wir denn ? – – Ja , ja ; ich weiß schon ! Also : « " Hauke hatte sein väterliches Erbe angetreten , und da die alte Antje Wohlers auch ihrem Leiden erlegen war , so hatte deren Fenne es vermehrt . Aber seit dem Tode oder , richtiger , seit den letzten Worten seines Vaters war in ihm etwas aufgewachsen , dessen Keim er schon seit seiner Knabenzeit in sich getragen hatte ; er wiederholte es sich mehr als zu oft , er sei der rechte Mann , wenn ' s einen neuen Deichgrafen geben müsse . Das war es ; sein Vater , der es verstehen mußte , der ja der klügste Mann im Dorf gewesen war , hatte ihm dieses Wort wie eine letzte Gabe seinem Erbe beigelegt ; die Wohlerssche Fenne , die er ihm auch verdankte , sollte den ersten Trittstein zu dieser Höhe bilden ! Denn , freilich , auch mit dieser – ein Deichgraf mußte noch einen andern Grundbesitz aufweisen können ! – – Aber sein Vater hatte sich einsame Jahre knapp beholfen , und mit dem , was er sich entzogen hatte , war er des neuen Besitzes Herr geworden ; das konnte er auch , er konnte noch mehr ; denn seines Vaters Kraft war schon verbraucht gewesen , er aber konnte noch jahrelang die schwerste Arbeit tun ! – – Freilich , wenn er es dadurch nach dieser Seite hin erzwang , durch die Schärfen und Spitzen , die er der Verwaltung seines alten Dienstherrn zugesetzt hatte , war ihm eben keine Freundschaft im Dorf zuwege gebracht worden , und Ole Peters , sein alter Widersacher , hatte jüngsthin eine Erbschaft getan und begann ein wohlhabender Mann zu werden ! Eine Reihe von Gesichtern ging vor seinem innern Blick vorüber , und sie sahen ihn alle mit bösen Augen an ; da faßte ihn ein Groll gegen diese Menschen : er