Korporal Polhenne und Seine Hochedelgeboren Herrn Wigand Säuberlich , der mit dem Studenten dem Onkel Vollbort durch die Schule gelaufen war und wie er , Meister Tewes , auf keiner Seite Partei nahm , sondern auf jeder sein Vergnügen . Dieses Vergnügen war nunmehr vor der Pfarrwohnung der von Christoph Bernhard bei Sankt Nikolaus eingesetzten Minoriten im vollen Gange . Der von Sankt Kilian herströmende katholische Haufen fiel dem lutherischen beim heiligen Niklas nicht in den Arm , sondern in die Arme . Im letzten Grunde hatten sie alle nur den einzigen Zweck , Unheil zu stiften , und das verrichteten sie denn auch , und zwar ohne jegliche Courtoisie . Das Steinbombardement auf die Fenster der katholischen Herren wurde ebenso kräftig unterhalten wie das auf die Fenster des Onkel Vollbort . » Sieh , sieh ! « sagte auch hier wieder der Studente fröhlich ; doch eben , als er sich von neuem auf den Prellstein schwingen wollte , faßte ihn ein Weib am Rockschoß , zog ihn zurück und zeterte : » Um Jesu Christi willen , Herr Magister , sie haben meinen Mann totgeschlagen ! Er liegt unter den Glocken , und sie tanzen auf ihm herum ! « » O mon dieu ! « rief der Consiliatus . » Sind Sie es , Gevatterin ? Mon dieu , und er war doch so gut Freund mit dem Fougerais bei unserm letzten Disput ! « » Dafür haben sie ihn auch windelweich geschlagen , und er liegt unter seinem Seil . O Lambert , kommt und helft mir , laßt Euern besten Kameraden nicht umkommen . Sie sagen , das Stift sei auf dem Wege hieher ; aber was hilft das mir , wenn sie mir meinen Mann vorher zunichte gemacht haben . Das leiden wir nun um Corvey ! « » Höxter und Corvey ! « jauchzte der Student , und dann ließ er sich von der Küsterin den Glocken von Sankt Nikolaus nur zu gern zuziehen . Der Spaß war ihm in dieser Nacht eben überall in Huxar . – Weggelaufen war der unglückselige Monsieur Jordan nicht aus seinem Turmgewölbe während der Zeit , daß sein Weib hingegangen war , die barbarische Welt um Hülfe anzuschreien . Er lag unter seinem baumelnden Seile noch da , wie ihn seine nichtswürdigen Feinde und seine brave Gattin verlassen hatten – mit der Nase im Staube . Seine Schultern zuckten , er zappelte mit den Füßen und ächzte jämmerlich . Mit der Nase im Staube ! und der Student wußte sofort ein Zitat aus dem Horaz und trug natürlich dasselbe dem Unglücklichen , Geschlagenen erst lateinisch und sodann in freier deutscher Übersetzung vor : » So stürzet der Tannbaum mit donnerndem Hall , So liegt nun der Küster nach furchtbarem Fall ! Im Blachfeld des Teukrers , dem Feinde zum Raub , Druckt itzt Don Bravatscho die Nas ' in den Staub ! « » Hu « , winselte der Küster von Sankt Niklas , » bist du ' s , Lambert ? ist meine Frau auch da ? Hu , dreht mich um – um Gottes Barmherzigkeit sachte ! vorsichtig , sachte . Die Teukrer , oder wie das Dorf heißt , waren es nicht ; der Teufel vergelte es den Höxternschen Bösewichtern , die mich um der Kirche willen so gräulich zugerichtet haben ! O , o , oh , es ist viel schlimmer als die letzte Schlacht um die Bosseborner Laterne – weißt du , Lambert , die vor drei Jahren , in der du auch einen Prügel führtest , obgleich es dich als luther ' schen Ketzer gar nichts anging . « Der Student hatte den Armen weich und vorsichtig unter den Armen gefaßt , während die Frau Küsterin die Füße gehoben hatte , um den halb Geräderten auf den Rücken zu legen ; aber der Küster hatte zu seinem Schaden sein letztes Wort hervorgestöhnt . Als Herr Lambert Tewes von der letzten Bosseborner Laternenschlacht hörte , ließ er sofort los und streckte , um einem ganz anderen Gefühl als seinem Mitgefühl Luft zu machen , die ausgespreiteten Hände hoch in die Luft . Mit einem lauten Aufschrei fiel der Küster wieder auf das Gesicht ; doch lustkreischend schrie der Student : » Bei den unsterblichen Göttern , die Bosseborner Laternenschlacht ! Ei freilich , Jordan , von dorther bist du ' s schon gewohnt , den Mund voll der ernährenden Erde zu nehmen . Du kriegtest wahrlich dein gut Teil ab von der Prügelsuppe in der Küsterschlacht . « » Aber es war doch eben eine Küsterschlacht « , winselte Jordan Hunger , » eine katholische Küsterschlacht ! wir schlugen uns doch nur unter uns selber um die Ehre Gottes ; aber diesmal – « Er vermochte es nicht , seinen Satz zu vollenden ; jedoch der Student nahm ihm das Wort tröstend ab : » Sei nur still , Alter , das Martyrtum ist auch um so größer . « » Hu , das brauchst du mir wahrlich nicht zu sagen « , stöhnte der Märtyrer , und während man ihn von neuem umwendet und fürs erste mühsam in eine sitzende Stellung bringt , wollen wir unsern Lesern mitteilen , was es mit der Bosseborner Laterne auf sich hat . Heute geht das Ding als eine Sage um , mit welcher sie die von Bosseborn , vom Dorfvorsteher bis zum letzten Kossaten , bei jeglicher passenden Gelegenheit bis aufs Blut , wie die eine Redensart , oder bis zum Schwarzwerden , wie die andere heißt , ärgern . Sie , die Bosseborner nämlich , sollen , von einer Hochzeit nach Hause ziehend , ihren Weg durchaus nicht mehr gefunden haben , sondern arg in Gestrüpp , Sumpf und Moor verlorengegangen sein . Da soll denn der Küster , der Nüchternste in der Gemeine ( Sokrates im Symposion Platonis ! ) , ihnen geleuchtet haben , und zwar auf absonderliche Art. Man sagt , er habe einen Einfall gehabt , selber ein Licht