die Schlacht bei Liegnitz gewonnen . Der Hauptmann von Archenholtz , der als blutjunger Junker mit dabei war , sagt , daß der Morgen sehr schön war und daß die Sonne den blutigen Walplatz , die Leichen und Sterbenden hell beschien . Sehr hübsch schildert er auch , was nach der Affäre vorging : » Um fünf Uhr des Morgens , da die feine Welt in allen europäischen Ländern noch im tiefen Schlafe begraben lag und die arbeitenden Volksklassen sich erst von ihrem Nachtlager erhoben , waren hier bereits große Taten geschehen und vollendet . Man hatte einen wichtigen Sieg erfochten , der die Vereinigung der Russen und Österreicher hinderte und alle ihre auf die schlesischen Festungen gemachten Entwürfe vereitelte . Friedrich ließ auf der Stelle von der ganzen Armee ein Freudenfeuer machen , und sodann setzte er sich sogleich in Marsch ; ein Marsch , der durchaus einzig in seiner Art und erstaunenswürdig war , der Aufzeichnung so sehr wert , wie irgendeine große Begebenheit des gegenwärtigen Kriegs ; denn diese von der Blutarbeit abgemattete und von zahlreichen Heeren umringte Armee mußte ohne Rast und ohne allen Zeitverlust fortrücken und dabei alles eroberte Geschütz , alle Gefangenen und auch alte Verwundeten mitnehmen . Man packte die letzteren auf Mehl- und Brotwagen ; auch andere Wagen und Chaisen nahm man dazu , sie mochten gehören , wem sie wollten ; selbst der König gab die seinigen her . Auch die Handpferde des Monarchen und der vornehmen Befehlshaber wurden hergegeben , um die Verwundeten , die noch reiten konnten , fortzubringen . Die ledigen Mehlwagen schlug man in Stücke und spannte die Pferde vor die erbeuteten Kanonen . Von den feindlichen Gewehren mußte ein jeder Reiter und Packknecht eins mitnehmen . Nichts wurde zurückgelassen oder vergessen , erheblich oder unerheblich – es war Beute . Auch nicht ein einziger Verwundeter blieb zurück , weder von den Preußen , noch von den Österreichern , so daß um neun Uhr , vier Stunden nach geendigter Schlacht , dies so unvorbereitet neu belastete Heer mit dem ganzen ungeheuren Troß schon im vollen Marsche war . « Wir haben die Schilderung ganz abgeschrieben , denn es wird einem so reinlich , leicht und gewissermaßen freundlich dabei zumute , daß es eine wahre Lust ist . Und der Morgen war in der Tat sehr schön , und nicht bloß in Schlesien . Um diese neunte sonnige Morgenstunde , während der Alte Fritz mit seinem siegesfrohen Heere sich auf dem Marsche nach Parchwitz befand , sang in der Sarstedter Mühle eine helle Stimme , die aber mehr der arbeitenden als der feinen Welt Europas angehörte , fröhlich in den jungen Tag hinein . Die junge Müllerin sang , und die Räder der Mühle drehten sich lustig , die Innerste rauschte und glitzerte , und in dem kleinen Hausgarten grünte und blühte und duftete es . Die Vögel , die Blumen und die Bienen wußten so wenig wie die junge Müllerin , daß soeben der König von Preußen die Schlacht bei Pfaffendorf gewonnen hatte , und wenn jemand es ihnen gesagt hätte , würde es ihnen wahrscheinlich auch ziemlich einerlei gewesen sein . Die Vögel sangen , die Bienen summten , die Schmetterlinge flatterten um die Gartenblumen des achtzehnten Jahrhunderts , und die junge Müllerin sprang hell und glänzend in den Garten , um Petersilie zu pflücken , – was ging sie alle die Bataille bei Liegnitz an ? Es war jammerschade , daß der Sänger des Frühlings gerade vor einem Jahr bei Kunersdorf gefallen war ; er hätte die Müllerin sehen und den Sommer besingen sollen ! Es paßte alles zusammen : die junge Frau mitten unter dem Suppenkraut , das Herdfeuer , das man durch die offene Tür um den schwarzen Topf tanzen sah , die Bienen , die Vögel , die Blumen , das tanzende Rad , die Innerste und das grüne Weidengebüsch und die weiten , sonnigen Wiesenflächen jenseits der Innerste . Gleim lebte noch , aber er war damals noch nicht der alte Vater Gleim , sondern als Sekretär des Domkapitels von Halberstadt und des Stiftes Walbeck ein Mann in seinen besten Jahren und sang Kriegslieder : ihm hätte es damals nichts genutzt , das Hüttchen , das Flüßchen , die Wiese und den Garten , die Sonne und die junge Müllerin zu observieren . Es hat alles seine Zeit – auch in einem poetischen Gemüte ! Der tapfere Krieger singt von den Schäfern und Schnittern , der Herr Domsekretär von den preußischen Grenadieren , und wahrscheinlich ist ' s ganz das Rechte , erst der alte Vater Gleim zu werden und dann von Daphnis und Chloe zu singen – Anakreon soll ' s auch so gemacht haben . Der jungen Müllerin sah man ' s nicht mehr an , daß ihr Hochzeitstag sie in ein Trauerhaus eingeführt hatte . Sie trug zwar noch ein schwarzes Band auf der Haube , aber das war auch allein als äußeres Zeichen von jenem jähen Schrecken , der ihrer Brautnacht folgte , an ihr übriggeblieben . Und so war ' s in der Ordnung ! Die alte , ganz und gar schwarz gekleidete Frau drinnen im Hause , am offenen Fenster , die vor ihrem Spinnrade die Hände auf dem großgedruckten Gesangbuche gefaltet hielt , mochte hinter ihrer Hornbrille immer noch durch Tränen in den Sonnenschein hineinzwinkern : für die Jugend wollte es sich nicht schicken – das Leben war kurz , und der gegenwärtige Morgen gar zu schön ! Die junge Müllerin sang : » Geh aus , mein Herz , und suche Freud ! « , sie sang : » Die Bäume stehen voller Laub , Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide . Narzissen und die Tulipan , Die ziehen sich viel schöner an Als Salomonis Seide . « Aus Kleists Frühling war das nicht ; auch nicht ein Lied von Gleim und noch viel weniger aus einer Ramlerschen Ode . Paul Gerhardt hatte es vordem gesungen : » Die Bächlein