der Tiefe umarmen ! « Sein Blick glitt hinunter in die schattendunkle Flut , die Felsen und Ufer und das Geschwisterpaar verdoppelte . » Wer sind die zweie ? « rief er . » Wir , Bruder « , sagte Palma schüchtern und Wulfrin erschrak , daß er die Schwester in den Armen hielt . Von einem Schauder geschüttelt sprang er empor , und ohne sich nach Palma umzusehen , die ihm auf dem Fuße folgte , eilte er in die Sonne und dem nahen Grate zu , wo jetzt eine Figur mit einem breiten Hut und einem langen Stabe Wache zu halten schien . » Grüß Gott ! grüß Gott ! « bewillkommte Gnadenreich die Geschwister , ohne einen Schritt vom Platze zu tun . Er streckte ihnen nur die Hände entgegen . » Ich habe es dem Ohm feierlich geloben müssen « , erklärte er , » solange die Lombardengefahr dauert , die Grenze meiner Weiden hütend zu umwandeln , aber nicht zu überschreiten , denn Pratum ist ein Lehen des Bistums und die Kirche hält Frieden . Sei willkommen , Wulfrin , und Palma nicht minder ! « Seine Blicke liefen rasch zwischen dem Höfling und dem Mädchen : beide schienen ihm befangen . Er wurde es auch , denn er glaubte die Ursache ihres Weges zu wissen , und da sie schwiegen , begann er ein großes Geplauder . » Sie haben dem guten Ohm böse mitgespielt « , erzählte er . » Wir saßen zu dreien in der Stube beim Nachtische , denn die Richterin war nach Chur gekommen , um den Bischof gegen die Lombarden in die Waffen zu treiben , was er ihr als ein Kind des Friedens verweigern mußte . Frau Stemma und der Ohm stritten sich bei den Nüssen , wie sie zuweilen tun , über die Gute der Menschennatur . Nun hatten sich kürzlich zwei arge Geschichten ereignet . Jucunda , die junge Frau des Montafuners , welche Bischof Felix gefirmelt hatte – « » Mit mir . Sie war sein Liebling « , rief Palma , die wieder dicht neben dem Höfling schritt . » Still ! « sagte dieser ungebärdig und das Mädchen lief nach einer Blume . » – wurde von ihrem Manne mit einem Edelknecht ertappt und durch das Burgfenster geworfen . Wenige Tage später schlug der Schamser mitten im Stiftshofe dem Bergüner nach kurzem Wortwechsel den Schädel ein und doch hatten sie eben auf die priesterliche Zusprache des Ohms sich geküßt und miteinander den Leib des Herrn empfangen . Solches hielt ihm Frau Stemma vor , doch der Ohm erwiderte : › Das sind Wallungen und augenblickliche Verfinsterungen der Vernunft , aber die Natur ist gut und wird durch die Gnade noch besser . ‹ Der Ohm ist ein bißchen Pelagianer , hi , hi ! « » Pelagianer ? « fragte der Höfling zerstreut , denn sein Blick rief Palma , die ihm gleich wieder zusprang . » Ist das nicht eine Gattung griechischer Krieger ? « » Nicht doch , Wulfrin , es ist eine Gattung Ketzer . Also : Frau Stemma und der Ohm stritten über das Böse . Da sieht der Bischof , der kurzsichtig ist , auf Felicitas – diesen Namen hat er der nahen Höhe gegeben , wo ihm ein Sommerhaus steht – eine Flamme . › Wir feiern den Abzug der Lombarden ‹ , lächelte er . Frau Stemma blickt hin und bemerkt in ihrer ruhigen Weise : › Ich meine , sie sind es selber ‹ , und richtig tanzten sie auf dem Hügel wie Dämonen um den Brand . Da lärmt es auf dem Platz . Ein Bösewicht fällt mit der Türe ins Haus und redet : › Bischof , tue nach dem Evangelium und gib mir den Rock , nachdem du seine Taschen mit Byzantinern gefüllt hast , denn deine Mäntel haben wir in der Sakristei drüben schon ge stohlen ! ‹ Der Ohm erstarrt . Jetzt tritt der Lombarde auf Stemma zu , welche im Halbdunkel saß . › Die Frau da ‹ , höhnt er , › hat einen Heiligenschein um das Haupt , her mit dem Stirnband ! ‹ Da erhebt sich Frau Stemma und durchbohrt den Menschen mit ihren fürchterlichen Augen : › Unterstehe dich ! Ja so ‹ , sagt er , › die Richterin ! ‹ und biegt das Knie . Da der arme Ohm endlich aufatmete , nach erbrochenen Kisten und Kasten , rief ihn der Höllenkerl wieder vom Domplatze her ans Fenster . Er ritt mit nackten Fersen den schönsten Stiftsgaul , dem er eine purpurne Altardecke übergelegt – sich selbst hatte er ein Meßgewand umgehangen – und zog dem Kirchenschimmel mit dem entwendeten Krummstab von Chur einen solchen über den blanken Hinterbacken , daß er bolzgerade stieg und der Stab in Trümmer flog . › Bischof , segne mich ! ‹ schrie der Lombarde . Der Ohm in seiner Frömmigkeit besiegte sich . › Ziehe hin in Frieden , mein Sohn ! ‹ sprach er und hob die Hände . › Dich , Bischof ‹ , jauchzte der Lombarde , › hole der Teufel ! ‹ › Und dich hole er gleichfalls ! ‹ gab der Ohm zurück . Ich hätte es eigentlich nicht erzählen sollen « , endete Gnadenreich halb reuig , » es hat den Ohm schrecklich erbost . « Palma hatte gelacht , auch der Höfling verzog den Mund und Gnadenreich wurde immer gesprächiger und zutulicher . » Wir haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen , Wulfrin « , sagte er . » Ich verließ Rom bald nach dir , aber was habe ich nicht dort noch erlebt ! Welche Bekanntschaften habe ich gemacht ! Ich ging dein Büchlein im Palaste holen und traf ihn selbst , der es geschrieben . Welch ein Kopf ! Fast zu schwer für den kleinen Körper ! Was da alles drinnesteckt ! Kaum ein Viertelstündchen kostete ich den berühmten Mann , aber in dieser winzigen Spanne Zeit