durch drei schmale Luken in das Freie , in die Torwölbung und in den Burghof . Wohl ein Dutzend Reisige sprengten aus dem Walde . Voran der Kanzler , den ich an seinem wunderschlanken arabischen Grauschimmel erkannte und an der feierlichen Art , wie er ihn lenkte . Er war in voller Rüstung mit gesenktem Visier . Vor dem Tore , wo sie abstiegen , ließ er von einigen die Tiere in der Richtung der Meierei wegführen ; die übrigen folgten ihm , nicht zu meiner Freude , durch die Pforte und er hielten im Hofe den Befehl , sich rings auf die Mauerzinnen zu verteilen . Ich hatte meinen Standort gewechselt , den Kanzler im Auge behaltend , dem jetzt Äscher Rechenschaft abzulegen schien , und der dann in der Burgwohnung verschwand . Der alte Pförtner trug den Schlüssel meines Versteckes am Gurt , ich war in der Falle und legte mich auf die Lauer . Mir gerade gegenüber , in der Mitte des Burghofs , stand der Kuppelbau , von dem Halbrunde seiner mit immergrünen üppigen Sträuchern bewachsenen Terrasse umgeben . Nach einer Weile trat Herr Thomas , Gnade an der Hand haltend , durch die hohe Bogentür und ließ sich mit ihr auf einer weiß schimmernden Marmorbank nieder neben einer rot geäderten Schale , über welcher emporschießende Wasserstrahlen sich in der Luft kreuzten Und aus solcher Nähe blickte ich in die besorgte , aber nicht argwöhnische Miene des Herrn und in Gnades rätselhaftes Gesichtchen , daß ich plötzlich den Kopf zurückbog , obgleich die Mauer , durch die ich auslugte , außen von Eppich übersponnen war . Jetzt winkte der Kanzler die Zofe , welche mit gesenkten Augen unter der Tür stand , hinweg – wohl jene welsche Monna Lisa , deren Tugenden ich eben aus Äschers Munde kennengelernt hatte . Eine Weile saßen sie schweigend und Grace blickte , um den väterlichen Augen auszuweichen , in das perlende Wasser . Dann begann der Kanzler in arabischer Sprache : › Mein Kind , du wirst nur noch wenige Tage hierbleiben und es ist nicht unmöglich , daß du in dieser kurzen Zeit noch durch einen Überfall geängstigt wirst . Aber fürchte dich nicht . Ich lasse dir zehn tapfere Leute , welche diese Mauern gegen feindliche Überraschung zu halten vollkommen imstande sind . Du wirst dich nach und nach an Waffenlärm gewöhnen müssen , mein scheuer Vogel . Das ist das Los jeder Burgfrau in der Willkür und Zuchtlosigkeit dieser Tage . Und es ist die Zeit gekommen , daß ich mich von dir , meine Wonne , trenne und dich vermähle . Nicht zwar unter diesem feuchten Himmel , sondern jenseits des Meeres in einem sonnigen Lande von mildern Sitten . Wenn es sein kann und dich dein Stern dahin führt , nicht weit von deinen Pflegeeltern im Poitou . Du gedenkst doch immer noch des ehrlichen Calas , dem sie , weil er Arabisch versteht , nachreden , daß er aus maurischem Geblüte stamme , der aber sein Vaterunser betet nicht anders als wir beide ; Ist doch kaum ein Jahr vergangen , daß der Alte , dich hieher bringend , mit Tränen sich von dir getrennt hat ! Ich weiß nicht , ob es gut war ‹ , sagte er , die Stirne faltend . › Sollt ich mich ‹ , fuhr er fort , wie sich selbst entschuldigend , da Grace schwieg , › nicht eine kurze Spanne meines Lebens an deiner keuschen Jugend ohne Teilung erfreuen ? Doch ist nun die letzte Frist verflossen , die ich mir gönnen konnte , und der Augenblick des Scheidens da . Ich darf dieses liebe Haupt nicht gefährden ! ‹ und er legte ihr die schmale Hand auf den Scheitel . › Der Herr verreist morgen nach dem Festlande und ich folge ihm in wenig Tagen . Du aber begleitest mich , dicht verschleiert , mit deinen Frauen und weichst nicht von meiner Seite , bevor ich dich in die Hut eines tapfern und feinen Mannes gebe . Der König wird mir doch einen Tag , wenn er von seinen unreinen Freuden trunken ist , für meine reinen gönnen . Dieser König ! ‹ sagte er mit verächtlichen Lippen , als erblickte er ihn leibhaftig vor sich . – Wahrhaftig , ich wunderte mich , ihn so reden zu hören . › Erschrick mir nicht ‹ , fuhr er fort , denn Graces Hand , die er festhielt , zuckte in der seinigen , › ich verstehe zu wählen . Ich werde zusehen , wem ich dich anvertraue , und auch aus der Ferne meine Hand schirmend über dir halten , denn ich bin mächtig in allen normännischen Landen . Und in ein Kloster begehrst du dich nicht einzuschließen ? Nein , sagen mir deine Blicke , du hast keine Sünde zu büßen und Licht und Sonne nötig . ‹ Wäre der weise Herr Thomas nicht in seinen eigenen Gedanken befangen gewesen , er hätte die Seelenangst seines Kindes bemerken müssen ; aber seine Augen waren gehalten und Gnade , die nach Worten rang , brachte endlich ein schwaches Flüstern hervor : › Wer ist es , Vater , der mich hier gefährdet ? ‹ › Wer ? ‹ wiederholte der Kanzler mit leise bebender Stimme und wie mit dem Entschlusse , seinem Kinde den Lauf und die Bosheit der Welt nicht länger zu verbergen , sagte er ohne Hehl : › Eine besudelte Königin . Sie haßt mich , ihre Späher haben ihr von deinem Dasein berichtet und ich will nicht , daß Frau Ellenor von dir wisse und an dir herumrate – ihre Gedanken schon verunreinigen . ‹ Grace erblaßte , woran ich ersah , daß Herr Heinrich vor ihr sein Eheweib , an dem nichts zu Rühmen war , klüglich mochte beschwiegen haben . Sie raffte sich aber zusammen und flüsterte wieder : › So sprachest du , mein Herr und Vater , nicht immer . Hattest du nicht beschlossen , mich