, denn darauf verstehe ich mich vortrefflich . « – » Geht , lieber Oheim ! « mahnte Gasparde , » und macht Euch keine Sorge um mich . Das ist von nun an die Sache meines Gemahls . « Und sie drückte meine Hand an ihre Brust . Auch ich drang in den Rat , mit Montaigne zu verreisen . Da mit einem Male , wie wir alle ihm zuredeten und ihn überzeugt glaubten , fragte er : » Hat der Admiral Paris verlassen ? « Und als er hörte , Coligny bleibe und werde trotz des Drängens der Seinigen bleiben , auch wenn sein Zustand die Abreise erlauben sollte , da rief Chatillon mit glänzenden Augen und mit einer festen Stimme , die ich nicht an ihm kannte : » So bleibe auch ich ! Ich bin im Leben oftmals feig und selbstsüchtig gewesen ; ich stand nicht zu meinen Glaubensgenossen wie ich sollte ; in dieser letzten Stunde aber will ich sie nicht verlassen . « Montaigne biß sich die Lippe . Unser aller Zureden fruchtete nun nichts mehr , der Alte blieb bei seinem Entschlusse . Jetzt klopfte ihm der Gascogner auf die Schulter und sagte mit einem Anfluge von Hohn : » Alter Junge , du betrügst dich selbst , wenn du glaubst , daß du aus Heldenmut so handelst . Du tust es aus Bequemlichkeit . Du bist zu träge geworden , dein behagliches Nest zu verlassen selbst auf die Gefahr hin , daß der Sturm es morgen wegfegt . Das ist auch ein Standpunkt und in deiner Weise hast du recht . « – Jetzt verwandelte sich der spöttische Ausdruck auf seinem Gesichte in einen tief schmerzlichen , er umarmte Chatillon , küßte ihn und schied eilig . Der Rat , welcher seltsam bewegt war , wünschte allein zu sein . » Verlaßt mich , Schadau ! « sagte er , » mir die Hand drückend , und kommt heute abend noch einmal vor Schlafengehen . « – Gasparde , die mich begleitete , ergriff unter der Türe plötzlich das Reisepistol , das noch in meinem Gürtel stak . » Laß das ! « warnte ich . » Es ist scharf geladen . « » Nein « , lachte sie , den Kopf zurückwerfend , » ich behalte es als Unterpfand , daß du uns diesen Abend nicht versäumst ! « und sie entfloh damit ins Haus . Achtes Kapitel Achtes Kapitel Auf meinem Zimmer lag ein Brief meines Oheims im gewohnten Format , mit den wohlbekannten altmodischen Zügen überschrieben . Der rote Abdruck des Siegels mit seiner Devise : Pèlerin et Voyageur ! war diesmal unmäßig groß geraten . Noch hielt ich das Schreiben uneröffnet in der Hand , als Boccard ohne anzuklopfen hereinstürzte . » Hast du dein Versprechen vergessen , Schadau ? « rief er mir zu . » Welches Versprechen ? « fragte ich mißmutig . » Schön ! « versetzte er mit einem kurzen Lachen , das gezwungen klang . » Wenn das so fortgeht , so wirst du nächstens deinen eignen Namen vergessen ! Am Vorabende deiner Abreise nach Orleans , in der Schenke zum Mohren , hast du mir feierlich gelobt , dein längst gegebenes Versprechen zu lösen und unsern Landsmann , den Hauptmann Pfyffer , einmal zu begrüßen . Ich lud dich dann in seinem Auftrage zu seinem Namensfeste in das Louvre ein . Heute nun ist Bartholomäustag . Der Hauptmann hat zwar viele Namen , wohl acht bis zehn ; da aber unter diesen allen der geschundene Barthel in seinen Augen der größte Heilige und Märtyrer ist , so feiert er als guter Christ diesen Tag in besondrer Weise . Bliebest du weg , er legte dir ' s als hugenottischen Starrsinn aus . « – Ich besann mich freilich , von Boccard häufig mit solchen Einladungen bestürmt worden zu sein und ihn von Woche zu Woche vertröstet zu haben . Daß ich ihm auf heute zugesagt , war mir nicht erinnerlich , aber es konnte sein . » Boccard « , sagte ich , » heute ist mir ' s ungelegen . Entschuldige mich bei Pfyffer und laß mich zu Hause . « – Nun aber begann er auf die wunderlichste Weise in mich zu dringen , jetzt scherzend und kindischen Unsinn vorbringend jetzt flehentlich mich beschwörend . Zuletzt fuhr er auf : » Wie ? Hältst du so dein Ehrenwort ? « – Und unsicher wie ich war , ob ich nicht doch vielleicht mein Wort gegeben , konnte ich diesen Vorwurf nicht auf mir sitzen lassen und willigte endlich , wenn auch bitter ungern , ein , ihn zu begleiten . Ich marktete , bis er versprach in einer Stunde mich freizugeben , und wir gingen nach dem Louvre . Paris war ruhig . Wir trafen nur einzelne Gruppen von Bürgern , die sich über den Zustand des Admirals flüsternd besprachen Pfyffer hatte ein Gemach zu ebener Erde im großen Hofe des Louvre inne . Ich war erstaunt , seine Fenster nur spärlich erleuchtet zu sehn und Totenstille zu finden statt eines fröhlichen Festlärms . Wie wir eintraten , stand der Hauptmann allein in der Mitte des Zimmers , vom Kopfe bis zu den Füßen bewaffnet und in eine Depesche vertieft , die er aufmerksam zu lesen , ja zu buchstabieren schien , denn er folgte den Zeilen mit dem Zeigefinger der linken Hand . Er wurde meiner ansichtig , und auf mich zutretend , fuhr er mich barsch an : » Euren Degen , junger Herr ! Ihr seid mein Gefangener . « – Gleichzeitig näherten sich zwei Schweizer , die im Schatten gestanden hatten . Ich trat einen Schritt zurück . » Wer gibt Euch ein Recht an mich , Herr Hauptmann ? « – rief ich aus . » Ich bin der Schreiber des Admirals . « Ohne mich einer Antwort zu würdigen , griff er mit eigner Hand nach meinem Degen und bemächtigte sich desselben . Die