Mit Mühe verbiß sie ein satirisches Lächeln . Sie wußte , daß sie ihn bei einem vergleichenden Gedanken ertappt hatte , der ungefähr lauten mochte : „ Gott , was für eine vierschrötige Jungfrau neben meiner Elfe ! “ „ Ich bin erstaunt über den sicheren Mut , mit welchem Flora fährt , “ sagte sie , als er wieder neben ihr ging . „ Weit mehr zu bewundern ist die Todesverachtung ihres Begleiters . Es war eine Probefahrt , und der Kommerzienrat hat die jungen Pferde gestern erst gekauft . “ Er war bitter gereizt . Sie hörte das plötzlich in seiner Stimme und schwieg ganz erschrocken . 5. Es fiel kein Wort mehr von beiden Seiten . Sie erreichten bald das Haus und traten durch eine Seitenthür ein , während drüben die Equipage vom Portale wegfuhr . Ein Bedienter berichtete ihnen , daß die Damen und „ der gnädige Herr “ im Wintergarten seien , also in den Appartements der Frau Präsidentin . Käthe hatte ihre ganze heitere Ruhe und Sicherheit wiedergefunden . Sie nahm eine Visitenkarte aus der Brieftasche und reichte sie dem Manne hin . „ Für den Herrn Kommerzienrat , “ sagte sie . „ So steif ? “ fragte Doktor Bruck lächelnd , während der Lakai geräuschlos über den dicken persischen Korridor-Teppich hinschlüpfte und hinter einer Thür verschwand . „ So steif ! “ bestätigte sie ernsthaft . „ Da ist die weiteste Distanz die beste . Ein biederes Hereinpoltern würde mir jedenfalls sehr schlecht bekommen . Ich fürchte nun selbst , ‚ den gnädigen Herrn ‘ mit meiner unzeremoniellen Ankunft sehr in Verlegenheit zu bringen . “ Sie hatte sich nicht geirrt . Der Kommerzienrat kam im förmlichen Sturmschritte aus den Gemächern , mit dem bestürzten Ausrufe : „ Mein Gott , Käthe ! “ stolperte er über die Schwelle . Die Richtung seines Blickes war geradezu lächerlich – er suchte den Kopf der wie vom Himmel fallenden Mündel offenbar um zwei Fuß zu tief – und nun trat sie so hochgewachsen und festen Schrittes auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem fast frauenhaft stolzen Kopfneigen : „ Lieber Moritz , sei nicht böse , daß ich der Abrede zuwider handle ! Aber um mich abholen zu lassen , dazu bin ich nun doch schon ein wenig zu groß . “ Er stand wie versteinert vor ihr . „ Recht hast Du , Käthe . Die Zeit , wo ich Dich an der Hand führte , ist vorüber , “ sagte er langsam , gleichsam in dem Anblicke ihres mit Rosenglut überhauchten Gesichts verloren . „ Nun , sei mir tausendmal willkommen ! “ Jetzt erst reichte er auch Bruck begrüßend die Hand . „ Ein Zusammenfinden im Korridor – da muß ich wohl gleich hier vorstellen – “ „ Bemühe Dich nicht , Moritz ! Das habe ich bereits selber besorgt , “ unterbrach ihn das junge Mädchen . „ Der Herr Doktor machte gerade Krankenbesuch bei Suse , als ich in die Mühle kam . “ Das Gesicht des Kommerzienrats verlängerte sich . „ Die Mühle war Dein Absteigequartier ? “ fragte er betreten . „ Aber liebes Kind , die Großmama Urach hat mit der liebenswürdigsten Bereitwilligkeit erklärt , sich Deiner anzunehmen ; mithin verstand es sich von selbst , daß Du Dich ihr sofort vorstelltest ; statt dessen gehst Du zu Deiner alten Flamme , der Jungfer Suse ! Ich bitte Dich , sage das d ’ rin lieber nicht ! “ setzte er hastig flüsternd hinzu . „ Verlangst Du das ernstlich von mir ? “ Die fest klingende Mädchenstimme stach seltsam ab von seinem scheuen Flüstertone . „ Ich kann doch nicht leugnen , wenn die Sache zur Sprache kommen sollte … Auf das Verheimlichen verstehe ich mich wirklich nicht , Moritz “ – sie verstummte für einen Moment , erschrocken über die Feuerglut , die ihm in das Gesicht schoß , dann aber sagte sie resolut : „ Habe ich einen Fehler begangen , so will ich mich auch dazu bekennen ; es wird ja nicht gleich meinen Kopf kosten . “ „ Wenn Du einen gutgemeinten Wink so tragisch nehmen willst , dann habe ich allerdings nichts mehr zu sagen , “ entgegnete er verlegen und ärgerlich zugleich . „ Den Kopf wird es freilich nicht kosten , aber Deine Stellung in meinem Hause erschwerst Du Dir . Uebrigens ganz wie Du willst ! Sieh Du selbst , wie Du Dich mit diesem herben ‚ Geradedurch ‘ in unseren hochfeinen Gesellschaftskreisen zurecht findest ! “ Schon bei den letzten Worten hatte sein Ton mehr scherzhaft als pikiert geklungen . Er ließ sich nun einmal nicht gern die behagliche Stimmung verderben . Er bot ihr galant den Arm und führte sie nach dem ehemaligen Speisezimmer , das neben dem Wintergarten lag und dessen Thür er aufstieß . Das war aber nicht mehr der traute Eßsalon mit seinen altmodischen , behäbigen , roten Saffianmöbeln . Die Wand , die ihn einst vom Wintergarten getrennt , war verschwunden ; an ihrer Stelle trugen schlanke , oben in Rundbogen auslaufende Säulen den Plafond , den der köstlichste Farbenschmuck in maurischem Stil bedeckte . Drunten lief ein niedriges , spitzenklares , vergoldetes Bronzegitter von einer Säule zur anderen – es schied den steingetäfelten Fußboden des maurischen Zimmers von dem weißen Wegsand , dem grünen Flaum kleiner Rasenflecke im Wintergarten . Hinter diesem Gitter grünte und blühte es wonnig ; da dufteten Maiblumen und köstliche Bouquets von Parmaveilchen zu Füßen der mächtigen Drachenbäume , des dunklen Lorbeer und der prachtvollen Dekoration von silbergestreiften , metallisch glänzenden Blattpflanzen . Dieses herrliche Pflanzenbild wurde umrahmt und gleichsam in einzelne Felder getheilt durch eine Art von Blumenornamentik . Um die Säulen rankte sich die Clematis und behing die schlanken Schäfte bis hinauf in das feingebogene Rund mit weißen und lilablauen Blüthen . Zwischen den zwei Säulen , die einen Mittelweg in das Zimmer freiließen , stand Flora . Sie war noch in der