eine Reise mit dem einzigen , den man liebt ! „ Wohl nach Italien ? “ fragte sie leise . „ Ja , Kind , ich glaube nach Neapel . “ „ O , Heinz , wie fallen Geschwisterlose doch verschieden ! Ottilie – und du ! “ flüsterte sie . Sie weinte von neuem . Er hatte nicht verstanden . „ Und dann – ja dann , dann will ich arbeiten , um zu vergessen , daß ich – “ Er hielt inne . Wozu sollte er der armen gequälten Schwester anvertrauen daß es ihn schrecklicher denn Bettelbrot zu essen dünkte , von dem Gelde seiner Frau zu leben , Hede würde ihn nicht einmal verstehen . „ Ich meine arbeiten , um die Kriegsakademie zu erreichen , das ist alles , was ich wünsche ! “ Heinz bezahlte am andern Morgen bar die Kosten des Begräbnisses , kleine Posten , die noch ausstanden , die erste Rate der Pension in der Irrenanstalt und übergab seiner vor Dankbarkeit ganz gerührten Schwester außerdem einen Hundertmarkschein für die nächste Vierteljahrsmiete . Angesichts der ganz leeren Kasse seiner alten Mama hatte er an einen Geldverleiher seiner Garnison geschrieben und umgehend die geforderte Summe erhalten , rückzahlbar nach seiner Verheiratung . Er konnte doch schließlich der alten Frau kein Armenbegräbnis zu teil werden , kannte seine Schwester nicht dem Nichts gegenüber lassen , er mußte borgen , es gab keinen Ausweg ! Dann traten sie noch einmal an das Grab der Verstorbenen und drückten sich feuchten Auges die Hand , und dann stand das arme Mädel allein auf dem Perron und sah dem Schnellzuge nach , der ihren Heinz entführte – dem Glück entgegen , wie sie meinte . Eine Unmasse Grüße und ein winziges von ihr gemaltes Täßchen mit dem Kerkowschen Wappen hatte sie der unbekannten Schwägerin durch ihn gesandt . Es war dunkel , als Heinz auf der Station ankam , von der aus er zu Wagen nach Breitenfels fahren mußte . Ein paar Schneeflocken taumelten in der Luft und schneidend kalt wehte der Wind von den Bergen herüber . Eine wunderliche Stimmung überkam ihn heute abend , als er nach dem Platz ging , wo der Wagen ihn erwartete . Er dachte beständig an ein rosiges Antlitz unter dichtem blonden Haar , das ihm lieb und vertraut entgegen lächeln würde bei der Heimkehr von dieser traurigen Reise , zu ihm sagen würde : ‚ Heinz , mein armer Heinz ! ‘ – Nun hatte sich dieser Mund schon gewöhnt , „ Hermann “ zu sagen , hatte das Küssen gelernt von eines anderen Mannes Lippen und seine Besitzerin hatte ihm kurz und bündig mitgeteilt , daß sie besagten Hermann schon lange im Herzen trage , daß mithin ihr ganzes holdes Wesen , die Thränen , die sie geweint , ihr Lächeln – nur Lüge und Verstellung gewesen waren , von A bis Z. Er konnte sich also beruhigen ihretwegen ! Nun ja , oder es that ihm weh , weil er das reizende frische Geschöpf schier närrisch lieb gehabt – gehabt , natürlich ! Er sagte das letzte halblaut vor sich hin , indem er mechanisch nach dem Gefährt ausspähte . Dort stand zwar ein solches , ober es war ein Hofwagen und er hatte doch einen simplen Einspänner bestellt bei dem einzigen Wagenverleiher in Breitenfels – ein solcher war nicht da . Was in aller Welt mochte nur passiert sein ? Da kam der Diener , der am Schlag gewartet , ihm entgegen und nahm ihm respektvoll grüßend die Handtasche ab . Er ließ es verdutzt geschehen – sollte Toni ihm entgegengefahren sein ? „ Ist der Wagen für mich ? “ „ Zu Befehl , Herr Lieutenant ! “ „ Ist – ist er leer – ich meine , ist jemand gekommen ? “ „ Frau Baronin von Gruber . “ Er war mit ein paar großen Sprüngen an dem Schlag , den er hastig öffnete . „ Du , Tante ? “ rief er hinein . „ Ja – was hat das zu bedeuten ? “ „ Steig nur ein , Heinz – eine Unterredung unter vier Augen , nichts weiter . Guten Abend , mein lieber Junge ! Ich habe deiner viel gedacht , armes Kerlchen – gottlob , daß du das schwerste hinter dir hast ! “ Der Bediente schloß die Thür des Coupées , sprang auf den Bock und der Wagen setzte sich in Bewegung . [ 058 ] „ Na , Tante , dann schieß ’ los , “ sagte er mit einem Anflug seines alten Humors , „ was giebt ’ s ? “ „ Du wirst dich wundern , Heinz , “ klang die Stimme der Hofdame aus der Dunkelheit und ganz gepreßt zu ihm herüber . „ Ich wollte dich vorbereiten , du hättest sonst eine allzu große Ueberraschung gehabt – es bereiten sich große Dinge vor – “ „ Ist ’ s um Toni ? “ „ Ja und nein – also kurz gesagt . Ihre Durchlaucht ist untröstlich , Toni hergeben zu sollen ; sie behauptet , Toni sei die einzige , die so deutlich und scharf accentuiere beim Vorlesen , daß sie jedes Wort , trotz der vorgeschrittenen Taubheit , verstehen könne , und da – – “ die Sprecherin machte eine Pause . „ Da wünscht Hochdieselbe , die Verlobung rückgängig gemacht zu sehen ? “ fragte er und wunderte sich , daß es wie ein Aufatmen über ihn kam . „ I Gott bewahre ! Wie kannst du nur bei der frommen gemütstiefen Fürstin einen solch sträflichen Egoismus voraussetzen ? Nein , im Gegenteil , sie wünscht , daß ihr je eher je lieber heiratet , aber – daß ihr in ihrer Nähe , in Breitenfels bleibt . “ „ Da wünscht eben Ihre Durchlaucht etwas Unmögliches , “ antwortete er trocken . „ Oder – soll ich Kommandant von Breitenfels werden ? Eine Charge , die ganz neu geschaffen werden müßte und – in