sind eine kluge Frau , liebste Derenberg , und ich brauche Sie nicht erst zu bitten , den jungen Leuten keinerlei Andeutungen von meinen Wünschen zu machen ; ich hoffe , daß sie sich aus wirklicher Neigung einander nähern ; es ist möglich , daß Blanka in ihrem klugen Köpfchen meine Absicht ahnt ; mitgetheilt habe ich ihr dieselbe nicht . Und nun möge der Herr für das Weitere sorgen und es zu unserer Freude ausführen ! Indem ich Ihnen im Geiste noch einmal versöhnend die Hand reiche , bin ich in der Hoffnung baldiger Antwort , liebste Derenberg , Ihre Ernestine Gräfin Stontheim geborene Derenberg . “ „ Es ist wirklich grandiös , “ setzte die alte Dame hinzu , „ und man muß wahrhaftig noch gute Miene zum bösen Spiel machen ; es ist raffinirt von der Stontheim , aber so war sie immer . Blanka ist ihre Erbin – das ist klar , und nun , da sie den Jungen kennen gelernt hat , möchte sie die Sache auf gute Weise arrangiren ; ich muß mit süßer Miene in diesen sauren Apfel beißen und Gott danken , daß es noch so kommt ; sie ist ein boshafter Charakter , diese Stontheim . Aber eine Andeutung muß ich ihm doch machen ; es scheint , daß ihm diese Blanka nicht gleichgültig ist , und – “ In diesem Moment trat Army in ’ s Zimmer . Die Großmutter sah freundlich zu ihm hinüber . „ Ich habe einen Brief von der Stontheim , “ sagte sie , stehen bleibend und ihm die Hand entgegenstreckend , „ sie meldet Blanka an , und nun , mein Herz , vergiß , daß ich gestern so unfreundlich Deinen Plänen gegenüberstand ! Ich hatte einen leichten Anflug von meiner Migräne , und das verstimmte mich ; ich freue mich wirklich auf den Besuch der jungen Dame . “ Army , der eben den lockigen Kopf von ihrer Hand erhob , sah aufleuchtend in das Gesicht der Großmutter : „ Wirklich , Großmama ? Ich danke Dir ; Du nimmst eine Centnerlast von meiner Seele ; es war mir sehr unangenehm , daß Dir eine Bürde auferlegt werden sollte , die Dir nicht convenirte . Darf ich wissen , was die Tante sonst noch schreibt ? “ Die alte Dame lächelte . „ Nein , mein Herz , “ sagte sie , „ es thut nicht gut , wenn man zuviel Schmeichelhaftes über seine Person hört . “ „ Tante hat mich gern ? “ fragte er ganz aufgeregt und drehte das kecke Schnurrbärtchen . „ Tante meint , Du seist ein guter vernünftiger Junge und würdest gewiß dereinst ein richtiger alter Derenberg werden . “ Army ' s Miene verfinsterte sich . „ Ist das Alles ? “ „ Besonders wenn , “ kam es schalkhaft von den feinen Lippen der Großmutter , „ wenn Dir eine schöne geliebte Frau zur Seite steht . “ „ Hat sie das geschrieben ? “ rief er hastig und erröthend , [ 706 ] indem er stürmisch ihre Hände ergriff . Einzige Großmama , sei gut ! Sage mir , erwähnte sie etwas von ihr , von Blanka ? Denkt sie , daß mich Blanka auch liebt ? “ Army ! Mein Gott , wie unfein ! Mäßige Dich ! Wer spricht von Blanka ? Ich habe gar nichts gesagt – verstehst Du ? Gar nichts ; wer denkt daran ? Du bist ja erst einundzwanzig Jahre . Aber Army hatte die Arme um den Hals der Großmutter geschlungen und drückte trotz ihres Widerstrebens ein paar herzhafte Küsse auf ihren Mund , und dann stürmte er höchst unceremoniell aus dem Zimmer . „ Orribile ! “ sagte die alte Dame , ihr Spitzenhäubchen zurecht rückend , „ er muß sie bereits ganz schrecklich lieben ; wenn ihn die Stontheim jetzt gesehen hätte , würde sie kaum noch an den Derenberg ’ schen Charakter glauben . “ Sie blieb sinnend stehen und schien in der Vergangenheit nach etwas zu suchen das sie an das eben Erlebte gemahnte . Plötzlich tauchte eine Erinnerung aus besseren Tagen in ihr auf ; sie sah sich als junges schönes Mädchen , wie sie im glücklichen Rausch der halbblinden Duenna um den Hals fiel und sie stürmisch küßte . Und warum ? Weil draußen auf dem Balcon unter dem blühenden Oleander in der weichen Abendluft ein schlanker blonder Mann in fremdklingendem Italienisch ihr so viel erzählt hatte von einem alten deutschen Schlosse inmitten grüner Eichenwälder , und von einer alten deutschen Frau mit treuen blauen Augen ... Ein milder Zug legte sich um ihren Mund , als sie an den Jubel ihres jungen Herzens dachte . „ Er hat doch mein Blut in den Adern “ sagte sie dann , „ gebe Gott , daß ihm das Leben seine Wünsche treuer erfüllt , als mir ! “ Dann setzte sie sich in den Sessel vor ihren Schreibtisch und malte sich die Zukunft aus , die eben in rosigem Schimmer zu dämmern begann , und vor den Augen der sinnenden Frau stand wieder das alte Schloß in all dem Zauber , der es einst umwob . Unterdessen trieb es Army in stürmischer Unruhe im Park umher . Er hatte vorhin seine Schwester beinahe erdrückt und ihr etwas Unverständliches erzählt von einem neuen Kleide , einem blauen , wie Blanka es tragen er hatte der Mutter , die des Sohnes aufgeregtes Wesen gar nicht begreifen konnte , von der Nothwendigkeit gesprochen , ihre leidende Gesundheit durch den Besuch eines Bades zu unterstützen , und sei es nicht in diesem , so doch bestimmt im nächsten Jahre . Er war dann mit Nelly und dem alten Heinrich in den Zimmern gewesen , die er für Blanka ausersehen , und hatte hier angeordnet und dort befohlen ; die Schwester hatte ihm ihr Nähtischchen versprechen müssen und die Blumenetagère der Mutter ; dann hatte er die Vorhänge und die Bilder getadelt , hatte letztere herausgenommen und