, Valtin , so haben wir uns , und dann haben wir die ganze Welt . Und dann sind wir glücklich . Ach , wie mir so leicht ums Herz geworden . Und nun komm und laß uns gehn . Die Sonn ist unter , und die letzten Herden sind eben herein . « Er war es zufrieden , und sie wandten sich und gingen heimwärts , erst unter dem Nußbaum hin und dann über die kleine Zugbrücke fort , die von dem inneren Burghof in den Außenhof führte . In dem Sumpfwasser unter ihnen stand das Rohr und wuchs hoch hinauf bis an das Brückengebälk . Ein paar blaue Dolden , blattlos und auf langen Stielen , blühten einsam dazwischen . Und nun waren sie wieder jenseits und sahen , daß alle Arbeit in Hof und Tenne schwieg . Die Mädchen , die beim Flachsbrechen gewesen waren , hatten sich mit den Knechten auf Bretter und Balken gesetzt , die hoch aufgeschichtet an einem Holunderzaune lagen , und sangen allerlei Lieder , Lustiges und Schelmisches , und neckten sich untereinander . Als sie aber des jungen Paares ansichtig wurden , brachen sie plötzlich ab und nahmen wie von selber die Weise wieder auf , die sie , eine Stunde vorher , bei beider Kommen gesungen hatten : » › Ach Tochter , herzliebste Tochter , Allein sollst du nicht gehn , Weck auf deine jüngste Schwester Und laß sie mit dir gehn . ‹ › Ach Mutter , herzliebste Mutter , Meine Schwester ist noch ein Kind , Sie pflückt ja all die Blumen , Die auf grüner Heide sind . ‹ « Valtin und Grete waren rascher zugeschritten , und die letzten Worte des Liedes verklangen ihnen unklar und halbgehört . Aber die Weise traf noch ihr Ohr , als sie das Burgtor schon lang im Rücken hatten . 10. Kapitel . Zu Weihnachten Zehntes Kapitel Zu Weihnachten » Ich kann nun wieder leben « , hatte Grete gesagt , und wirklich , das Leben wurd ihr leichter seitdem . Ein beinah freudiger Trotz , dem sie sich , auch wenn sie gehorchte , hingeben konnte , half ihr über alle Kränkungen hinweg . Sie gehorchte ja nur noch , weil sie gehorchen wollte . Wollte sie nicht mehr , so konnte sie , wie sie zu Valtin gesagt hatte , jeden Tag » dem Spiel ein Ende machen « . Und wirklich , ein Spiel war es nur noch , oder sie wußt es doch in diesem Lichte zu sehen . Das gab ihr eine wunderbare Kraft , und wenn sie dann spätabends in ihre Giebelstube hinaufstieg , die sie , seit das Kind unten aus der ersten Pflege war , wieder mit Reginen bewohnte , so gelang es ihr , mit dieser zu lachen und zu scherzen . Und wenn es dann hieß , » aber nun schlafe , Gret « , dann wickelte sie sich freilich in ihre Decken und schwieg , aber nur , um sich in wachen Träumen eine Welt der Freiheit und des Glückes aufzubauen . Dabei sah sie sich am liebsten am Bug oder Steuer eines Schiffes stehen , und der Seewind ging , und es war Nachtzeit , und die Sterne funkelten . Und sie sah dann hinauf , und alles war groß und weit und frei . Und zuletzt überkam es sie wie Frieden inmitten aller Sehnsucht , ihr Trotz wurde Demut , und an Stelle des bösen Engels , der ihren Tag beherrscht hatte , saß nun ihr guter Engel an ihrem Bett . Und wenn sie dann andren Tags erwachte und hinuntersah auf den Garten und den Pfau auf seiner Stange kreischen hörte , dann fragte sie sich : » Bist du noch du selbst ? Bist du noch unglücklich ? « Und mitunter wußte sie ' s kaum . Aber freilich auch andere Tage kamen , wo sie ' s wußte , nur allzu gut , und wo weder ihr guter noch ihr böser Engel , weder ihre Demut noch ihr Trotz sie vor einem immer bitterer und leidenschaftlicher aufgärenden Groll zu schützen wußte . Ein solcher Tag , und der bittersten einer , war der Weihnachtstag , an dem auch diesmal ein Christbaum angezündet wurde . Aber nicht für Grete . Grete war ja groß , nein , nur für das Kleine , das denn auch nach den Lichtern haschte und vor allem nach dem Goldschaum , der reichlich in den Zweigen glitzerte . » ' s ist Gerdts Kind « , sagte Grete , der ihres Bruders Geiz und Habsucht immer ein Abscheu war ; und sie wandte sich ihren eigenen Geschenken zu . Es waren ihrer nicht allzu viele : Lebkuchen und Äpfel und Nüsse , samt einem dicken Spangen-Gesangbuch ( trotzdem sie schon zwei dergleichen hatte ) , auf dessen Titelblatt in großen Buchstaben und von Truds eigener Hand geschrieben war : Sprüche Salomonis , Kap . 16 , Vers 18. Sie kannte den Vers nicht , wußte aber , daß er ihr nichts Gutes bedeuten könne , und sobald sich ' s gab , war sie treppauf , um in der großen Bibel nachzuschlagen . Und nun las sie : » Wer zugrunde gehen soll , der wird stolz , und stolzer Mut kommt vor dem Fall . « Es schien nicht , daß sie verwirrt oder irgendwie betroffen war , sie strich nur , schnell entschlossen , die von Trud eingeschriebene Zeile mit einer dicken Feder durch , blätterte hastig in dem Alten Testamente weiter , als ob sie nach einer bekannten , aber ihrem Gedächtnis wieder halb entfallenen Stelle suche , und schrieb dann ihrerseits die Prophetenstelle darunter , die des alten Jacob Minde letzte Mahnung an Trud enthalten hatte : » Lasse die Waisen Gnade bei dir finden . « Und nun flog sie wieder treppab und legte das Buch an seinen alten Platz . Trud aber hatte wohl bemerkt , was um sie her vorgegangen , und