Aber so viel ich auch las und mir ausdachte - bekannte Namen kamen ja vor - Anhalt gaben sie doch nicht . S - ich dachte : Selma , Sara , Sophie ? « » Nun haben Sie mich doch gefunden - und so rasch ? « sagte Sophie fragend . Das junge Mädchen antwortete nicht gleich . Sie sah auf den Gobelin - der wurde an der rechten Seite gefaßt und gehoben - Raspe kam herein . Und Tullas Gesicht bekam einen ganz hellen Ausdruck . » Oh , wir kennen uns schon ! « sagte sie und reichte ihm die Hand entgegen . Mit vollkommener Beherrschung der Situation - einer Gewandtheit , die im Gegensatz stand zu der vorhin gezeigten kindlich unreifen Art , sah sie nun Sophie lebhaft an und fragte : » Darf ich in Gegenwart Ihres Herrn Sohnes weiter erzählen ? « » Bitte . Raspe weiß um meine Freundschaft mit Ihrem Vater . Das gnädige Fräulein bringt mir meine Briefe an ihn . Ich bin ihr sehr dankbar . « » Heut mittag - das heißt , es war ja eigentlich noch vor Tisch - für uns - wir essen um vier - heut mittag waren Sie ja bei uns - lieferten Viktor eine Mappe aus mit Geld - davon sprachen die Brüder bei Tisch noch immerfort mit Mama - Sachen , wie in diesen Tagen endlos - das ist wohl so nach einem solchen Todesfall - Geld und die Erbschaft - aber Mama sagte , alles komme von ihr , sie sei die Besitzerin , und nun meinten die Brüder , dies andere Geld gehöre aber uns . Mama bestritt das . Sie wurden etwas heftig gegeneinander . « Sie schwieg einige Augenblicke . Und Raspe und seine Mutter achteten dies Schweigen , das ihnen schmerzlich schien . Sie fühlten , zart war im Trauerhause mit der Stimmung dieses holden Kindes offenbar nicht umgegangen worden . Vielleicht litt sie in Erinnerungen und verlor sich eben hinein - deshalb warteten sie stumm . Aber Tulla litt nicht eigentlich . Sie ärgerte sich nur nochmals und konnte das doch nicht erzählen - wie die Mama gesagt hatte : » Höchst eigenartige Geschichte . - Und welche Garantie hat man , daß es nicht ein paar Stück Konsols mehr waren ... « Da fuhr sogar Viktor auf und rief scharf : » Mama ! « Und Harald machte sein Gesicht . Sie seufzte aus Herzensgrund . Ach , wie war es schön , hier zu sitzen . Sie blickte mit freiem Auge Mutter und Sohn an und fuhr fort , lächelnd : » Mama und Viktor und Harald hatten sich alle drei furchtbar um das bißchen Geld - schließlich sagte Mama nämlich , es sei nur ein bißchen - und der Justizrat sollte entscheiden , wem es zukomme . Und Mama meinte , Viktor müsse doch sofort einen Besuch bei Ihnen machen , ehe er abreise . Petzold mußte das Adreßbuch hereinbringen . Und da suchte Viktor denn herum , bis er vorlas : Sophie von Hellbingsdorf , Porträtmalerin , und die Straße und das Haus . Sophie ! Ich fühlte auf der Stelle : sie muß es sein . - Und ich dachte : geh mal hin und frage . « - Nun war sie stolz und von einem glücklichen Wichtigkeitsgefühl ganz erhoben . Sie hatte den Wunsch des Sterbenden erfüllt . Und ihr achtzehnjähriges Herz war auch voll von einer jäh entstandenen Begeisterung für diese Frau , die ganz sicher der Inbegriff von allem Edlen und Hohen war . Allein schon , weil sie solchen Sohn hatte ... Sophie schloß sie noch einmal in ihre Arme - ebenso sehr aus Mitleid wie voll Dankbarkeit . Dann sprach Raspe davon , daß er unter gar keinen Umständen das gnädige Fräulein allein nach Hause gehen lassen , sondern sie heimfahren werde . » Darf ich noch etwas hier bleiben - ach , darf ich ? « bat Tulla . » Wenn Ihre Mademoiselle sich nicht ängstigt ? « » Fällt ihr gewiß nicht ein - wenn Mama sie nicht mehr braucht , geht sie todsicher noch aus - ihr Bräutigam wartet abends auf sie . - Das hab ' ich längst ' raus . - Und Papa ist ja nicht mehr da - wenn er irgend , irgend konnte , sah er abends noch nach mir ... « Sophie dachte daran , wie er gesagt hatte , er hoffe , sie könne seiner Tochter Wohltäterin werden . Und sie begriff , wie sehr diesem Kind eine mütterliche Freundin nötig war . Gewiß konnte Tulla dableiben - es paßte vortrefflich - draußen in der Pfanne briet ja festliches Geflügel , und Therese hatte eine köstliche Speise gemacht , bezüglich deren sie an dem Wahn festhielt , es sei Raspes Lieblingscreme , während er längst gleichgültig gegen Süßigkeiten geworden war . - Das erzählte sie voll Heiterkeit . - Und Tulla , die die Traulichkeiten und Niedlichkeiten einer so stillen kleinen Wirtschaft nicht kannte , wo das bißchen umständlichere Tafeln wegen eines lieben Gastes schon Freude bedeutet , Tulla fand alles entzückend und poetisch . Als Sophie ins Eßzimmer ging , um ein drittes Gedeck aufzulegen , und Raspe mit Tulla allein ließ , fühlte diese sich nicht befangen . Sie sagte : » Mir ist ganz wunderbar - so , als kenne ich Ihre Mutter schon ewig lang . Und ich komm ' mir hier ganz gemütlich vor ... « Raspe meinte : » Weil Sie wissen , meine Mutter kennt Sie aus den Erzählungen Ihres Vaters . « Tulla sagte : » Ihre Mutter hätte mich malen sollen . Ich lasse Mama keine Ruh - Sie muß Ihrer Frau Mutter den Auftrag geben ... « Sie stockte . Ihr fiel ein , Viktor hatte gesagt » Laß Dich bei der Frau malen , wie Papa es vorhatte - das ist denn so ' ne Art Belohnung - Porträtmalerin ! - Gott , die haben ' s