sprang aus dem Sattel , warf den Zügel des Gaules über einen Pflock und trat in den dunklen Flur . Zur Linken stand eine Tür offen . Die führte in einen großen , niederen Raum mit fünf kleinen Fenstern . Der Boden war mit Lehm glatt ausgeschlagen und mit rötlichem Sand bestreut . Wände und Decke bestanden aus dem braunen Gebälk des Hauses . Ein großer Ofen , gemauert . Und eine Bank um den ganzen Raum herum . In der Fensterecke ein schwerer Tisch mit vier dreibeinigen Stühlen davor . Und im Mauerwinkel ein hölzernes Kreuz mit frischen Wacholderzweigen . Bei einem der kleinen Fenster saß Runotter , die Faust über die Tischplatte hingestreckt , ein Fünfzigjähriger , schwer , fest und knochig , in verwittertes Lederzeug gekleidet . Das glatt auf die Schultern fallende Haar war halb ergraut , das Gesicht von Gram und Arbeit hart versteint . Doch in diesem Gesichte glänzten die gleichen Augen , ruhig und blau , wie in den Gesichtern seiner beiden Kinder . Als der Bauer den Spießknecht kommen sah , erhob er sich . » Gottes Gruß in meinem Haus ! « Schon auf der Schwelle fing Marimpfel zu brüllen an : » Du Kerl ! Was bist denn du für einer - « » Der Richtmann Runotter bin ich . Oder muß ich meinen weißen Stab holen , daß du merken kannst , mit wem du redest ? « Diesem ruhigen Ernste gegenüber kam Marimpfel zur Besinnung . Eines Richtmanns Stab und Würde mußten auch einem Hofmann heilig sein . Der Spießknecht schwieg . Er musterte den Mann mit funkelnden Augen , und sein Zorn erstickte in einem halben Lachen . Dann sagte er grob : » Bauer ! Du bist befohlen vor meines Herren Spruch . Und mußt mir folgen . Auf der Stell . « Runotters ernster Blick schien in dem Gesicht des Spießknechtes lesen zu wollen . » Meines Herren Wort in Ehren ! Ich komm . « Er rief zu einem Fenster hinaus : » Heiner , tu mir den Schimmel zäumen ! « Und sagte zu Marimpfel : » Gleich bin ich wegfertig . « Er trat in eine Kammer . Als er wiederkam , war er zum Ritt gestiefelt , trug auf dem Kopf die geschirmte Eisenschaller und um die Brust den plump geschmiedeten Holdenküraß , über dem das Schwert an stählerner Kette hing . Marimpfel machte zuerst verdutzte Augen , dann fragte er spottend : » Willst fechten mit dem Amtmann ? « » Das nit . Aber was Weg heißt , ist unsicher . Man sieht ach für . « Draußen klang der Huf schlag eines schreitenden Pferdes . » Komm ! « In der Sonne führte Heiner den Schimmel vom Stall herüber , ein kleines , festes Rössel , das mit einem Strick gezäumt war und keinen Sattel hatte , nur einen Gurt , an dem die Bügel hingen . » Bauer ! « Marimpfel lachte . » Dein Gaul hat einen schiechen Heubauch . Da wird er schnaufen müssen neben meinem Roß . « » Fest schnaufen ist gesund . « Die beiden stiegen auf , und als sie zum Hagtor ritten , warf der Bauer einen sorgenvollen Blick über sein Gehöft . Vom Leuthaus hörte man den Lärm der lustigen Kumpanei . Marimpfel drehte den Kopf nicht . Auf der Straße brachte er seinen Gaul in jagenden Trab . Der Schimmel schnaufte wohl , blieb aber hinter dem Roß des Hofmanns nicht zurück . Poch plötzlich , als der Wald begann und das dumpfe Rauschen des nahen Windbaches den Hufschlag der Pferde übertönte , blieb der Schimmel stehen . Lachend fragte Marimpfel : » So , Bauer ? Mußt deinen Heiter schon rasten lassen ? « » Das nit . « Mit ernsten Augen sah der Bauer den Spießknecht an . » Der Schimmel ist stehengeblieben , weil er das so gewöhnt ist , daß ich halten und ein lützel lusen muß , sooft ich da vorbeikomm , wo der Windbach rauscht . Und wo ich . an einen denken muß , der Hartneid Aschacher heißt . « Der Hofmann gab keine Antwort und guckte in den Wald hinein . Mit schwerer Hand über die Mähne des Pferdes streichend , sagte der Bauer : » Komm , Schimmel ! Heut ist nit Lusenszeit , heut rufen die Herren . « Die beiden Pferde trabten . Und immer war cler Schimmel um eine feste Nase voraus . Das Roß des Hofmanns fing zu galoppieren an , und seine Flanken pumpten . » Gotts Teufel , Bauer « , knirschte Marimpfel , » tu langsamer ein lützel ! « » Gern , Hofmann ! « Runotter straffte den Zaum . Nun trabten die beiden Seite an Seite . Und als sie hinauskamen auf die offenen , von der Sonne überglänzten Wiesen flössen die Schatten der zwei Reiter zu einem schwarzen , wunderlichen Ungetüm zusammen , das acht kurze , wirbelnde Beine , einen grotesk veränderlichen Drachenleib und zwei nickende Geierköpfe hatte . 3 In dem kleinen , schmucklos eingerichteten Gemach , das hinter des Amtmanns großer Schreibstube gegen den Hofraum ! lag , saßen Herr Someiner und Lampert am Tisch , der bedeckt war mit aufgeschlagenen Büchern . Der Amtmann führte den Sohn , der seinen Dienst als Aktuarius beginnen sollte , in das verwickelte Wirtschaftswesen des kleinen Reiches ein und hatte dabei viel mehr von böser Schuldenlast und Rechtsbedrückung zu reden als von friedlichen Lebensgütern und erfreulichem Besitz . Mißwirtschaft im Innern und ruhelose Fehden nach außen hatten den Landbestand des Stiftes beschnitten , die Einnahmen geschmälert , den Verbrauch gesteigert , die Schulden vermehrt . Es war eine böse Zeit , ein hartes Leben . Nie war Friede an den Grenzen . Nahm sich das Stift der Seinen kräftig an , so gab es blutige Händel , war es geduldig und nachgiebig , so stellte es sich der Unbill und Willkür auf allen Seiten bloß . Die Brüder vom