großen Haufen Gelds , Silberzeugs und sonst kostbarer Dinge , die er alle geraubt hatte und die teils in den Weidhof , teils andern Leuten zu Sonnenreuth gehörten . Der Weidhofer übergab alles dem Pfarrer , und dieser forderte am darauffolgenden Sonntag in der Predigt alle jene , denen etwas abhanden gekommen war , auf , sich ihr Sach bei ihm zu holen ; doch blieb noch mehreres liegen und wurde später unserer lieben Frau zu Birkenstein auf den Altar gelegt . Ich aber schenkte meine ganzen Silbergroschen dem Kathreinl und bat sie , dieselben zu nehmen als eine Verehrung und ein Andenken . Von dem Schelmen , dem Ambros , aber war nichts mehr zu hören und zu sehen , und es schien , als habe er die Gegend verlassen . Das Vermächtnis Etliche Tage nach diesem Ereignis erschien der Gemeindeschreiber oder , wie er zu Sonnenreuth hieß , der Aktenlippel , im Weidhof und fragte nach dem Kathreinl von Amts und wichtiger Ursach wegen . Ich stand gerad unter der Haustür und sah ihn mit weiten , gewichtigen Tritten daherstiefeln , stand ihm Red und holte das Mädchen zu ihm herunter . » Ist Sie die Jungfer Maria Kathrein Paumgartner ? « fragte der Alte und betrachtete sie über seine Hornbrille hinweg mit zwinkernden Augen . » Ja , die bin ich « , erwiderte das Mädchen ; » was will man von mir ? « Der Lippel nahm eine Prise , rieb sich darnach die Nase mit dem Daumen und stellte sich in strammer Haltung vor sie hin : » Also , Sie ist die genannte Person ; also . Dann hab ich Ihr von Amts wegen kund und zu wissen zu machen , daß die ehrenfesten Testamentsvollstrecker durch meine Person aus Anlaß der Verlassenschaft , Siegelabnahme und Testamentsvollstreckung den obrigkeitlichen Befehl erlassen haben : ich solle sie , die Jungfer Paumgartner , ins Waldhaus bestellen . Also . Kann Sie gleich mitkommen , he ? « » Ja , ich geh gleich mit « , sagte das Kathreinl und bat mich , ich möge ihr die gute Schürze und den Hut herunterholen . » Geh nur derweil , ich trag dir ' s nach ! « rief ich , während der Aktenlippel erst das Mädchen , dann mich mit einem väterlich-würdevollen Blick maß , noch einmal schnupfte und darnach aus der Haustür trat . Eilig lief ich in die Kammer , holte den feinen Filz und die Schürze und lief ihnen damit nach , ohne daß sich jemand um uns bekümmert hätte , wo aus wir gingen . Tagein , tagaus saß ich ja beim Kathreinl und vergnügte mich , während sie mit flinken Fingern den Flachs zum Faden drehte , mit groben Holzschnitzereien : Tieren , Gottheiten , Bilderrähmlein und Madonnenstatuetten , die ich ihr dann mit Stolz als ein Angebinde überreichte . Die Ziehmutter sah weder mich noch das Mädchen mehr mit einem Blick an , und der Weidhofer hatte den ganzen Tag zu werken und zu schaffen und kam nur selten in unsere Kammer . Betrat er diese aber wirklich einmal , so hatte er immer etwas für uns dabei : sei es nun ein Fliedersträußlein , ein rots oder blaues Wächslein , einen Ablaßpfennig oder einen Kuchen vom Lebzelter ; denn es bedrückte ihn in seiner Rechtlichkeit , daß man das Mädchen um seiner Herkunft willen so schlecht achtete , wenn er gleich der Irscherin stets feind gewesen . Nun ich den zweien nachgelaufen war , übergab ich dem Kathreinl seine Sachen und bat , daß sie mich mitnehmen möchten ; und da es ihr und auch dem Schreiber recht war , lief ich also mit ihnen . Vor dem Waldhaus standen schon der Lindlschneider und der Staudenweber , zwei angesehene Männer aus der Gemeinde , und warteten auf den Schreiber . Nach kurzem Gruß der beiden Bauern und tiefen Bücklingen des Lippel holte dieser umständlich einen Band Schlüssel aus dem hinteren Sack seines braunen Amtsrockes und probierte einen nach dem andern , bis am End das Kathreinl bat , ob nicht sie den rechten Schlüssel zeigen dürfe , worauf der Lippel zwar giftig sagte : » Da hat Sie nichts zu zeigen ! Das ist Sache der Obrigkeit ! « , auf Anraten der Männer aber doch dem Mädchen die Schlüssel übergab . Sie schloß nun Tür um Tür auf , und die drei traten in das Haus und in die Stuben , in denen eine stickige , dumpfe Moderluft war , so daß die Männer sogleich alle Fenster öffnen ließen . In der Kammer der Toten wurden nun die Kommoden und Kasten geöffnet und alle Laden , Truhen und Schubfächer geprüft . Neugierig stand ich dabei und sah verblichene Gewänder und Tücher , schwere Leinwandballen und weiche Flachszöpfe , ein leinenes Sterbehemd und ein buntes Perlenkränzlein und dazu noch mancherlei Schmuck für Frau und Mann , etliche samtene Männerleibstücke mit silbernen Knöpfen und einen feinen Tuchrock , wie auch der alte Weidhofer einen hinterlassen . Auf dem Sterbehemd lag , mit einem roten Wachsfaden zusammengehalten , eine vergilbte Papierrolle ; der Schreiber langte sie heraus , stellte sich ans Licht und öffnete sie langsam ; darnach räusperte er sich , rückte einen Stuhl und sagte feierlich : » Setze sich die Jungfer ! Es ist hier in meinen Händen die letzte Verfügung der anhier verstorbenen Walburga Irscherin , Waldhäuslerin bei Sonnenreuth . « Bleich und zitternd setzte sich das Kathreinl . » Wollen die Manner sichs kommod machen und als Zeugen herhören auf die Artikel des Testaments ! « wandte sich der Schreiber nun an die beiden Bauern . Ich schob ihnen Stühle hin , rückte dem Schreiber eine kurze Bank vor das Tischlein , an dem er lehnte und zog mich mehr ins Dunkle zurück , während die Männer sich setzten und der Lippel einen Gänsekiel aus der Tasche zog , zurechtspitzte und ein Fläschlein Tinte dazustellte . Eine große Stille war in der Kammer ; der Schreiber schob