bürgerlichen Beruf schwer abfinden würde . Aber Dichter - ja , es sei eine peinliche Bezeichnung , das fände er selbst , und es wäre ja trostlos , wenn die Frauen einem deshalb davonliefen . » Oh , ich bin Ihnen noch nicht davongelaufen - und wie war ' s denn mit den anderen ? « » Ach , die Frauen , die ich bis jetzt - geliebt habe , waren eigentlich alle schrecklich ... « » Das ist ein melancholisches Bekenntnis - armer Dichter ! « » Und wenn mir eine wirklich gefiel , hat Sir John jedesmal gesagt , sie sei nichts für mich . « » Sie richten sich also immer danach , was er Ihnen sagt ? « » Gott , er hat mich doch entdeckt und meine Eltern überzeugt , daß ich Talent habe . Ich brauche jetzt nicht mehr zu studieren , und sie haben mich ihm gewissermaßen anvertraut . Da muß ich mich doch etwas nach seinen Ratschlägen richten . Zum Beispiel , als Sie ... « Pause . » Aha , es geht also auch auf mich ? « Der Dichter , verlegen , aber dann mutig : » Ja - auch auf Sie ... « » Bitte , etwas Näheres darüber , das macht mich neugierig . « » Ich weiß nicht , ob es nicht indiskret ist ... « » Dichter sind immer indiskret - meint John , daß ich Ihr jugendliches Gemüt ... « » O nein , im Gegenteil . Ihr Umgang wäre sehr gut für mich . Aber Sie sind doch - pardon , es klingt so ... « » Nur weiter . « » Also , er sagte , ich sollte mir keine Illusionen machen , Sie seien sozusagen in festen Händen ... « Ich mußte so lachen , daß er ganz bestürzt war : » Ist es am Ende nicht wahr ? « » Doch , es ist wahr , das heißt - ich bin eigentlich nie in sehr festen Händen ... « Er sieht mich etwas verwundert an : » Wieso ? Ich dachte , Sie liebten ihn ? « » Wen ? Sir John oder den Rasta ? « Ein rascher Blick - das war etwas unvorsichtig von mir , nun wird er anfangen Rätsel zu raten . Dann kam Sir John , und wir konnten das lehrreiche Gespräch nicht fortsetzen . Und meinen Brief werde ich heute auch nicht mehr fortsetzen , ich erzähle Ihnen doch nur dummes Zeug . 14 Mir ist in den letzten Tagen , wenn ich mich mit dem Dichter unterhielt , etwas aufgefallen , nämlich , daß man doch immer eine ganze Menge verschiedener Ansichten über ein und dieselbe Sache hat . Sie hängen ganz davon ab , mit wem man gerade spricht . Man dreht einen Gegenstand um , beguckt ihn von allen Seiten , stellt ihn auf den Kopf - jedesmal sieht er anders aus . Dann legt man ihn weg : o genug , gehen wir lieber ins Cafe . Ergo : man hat überhaupt keine Ansichten , und es ist auch sicher überflüssig . Aber glauben Sie deshalb bitte nicht , daß unsere Gespräche sich immer um Ansichten drehen . Der Dichter ist , wie ich schon ahnend voraussah , sehr wißbegierig geworden , und wir rätselraten miteinander wie bei einem Gesellschaftsspiel . Ich erzähle ihm Schwänke aus meinem Leben und gehe um das allzu Persönliche möglichst herum . Zum Beispiel , die ersehnte Aufklärung über Sir John wird ihm beharrlich vorenthalten - ob es einmal war - wann es war , und wie wir jetzt zueinander stehen . Ich fühle , daß ihn dies alles brennend interessiert , er möchte doch das Leben kennenlernen . Aber ich habe immer das Prinzip gehabt , daß jeder Mann so wenig wie möglich von dem anderen wissen soll - für alle Eventualitäten . Mit dem Sizilianer liegt es anders , die ganze Sache ist zu offiziell . Ich habe das eigentlich nicht gern , es ist immer etwas mauvais genre . Aber hier in Rom , mit dem vulkanischen Pedro , dem Auto und dem Chauffeur war es einfach nicht zu vermeiden . - Das alles und vieles andere hab ' ich dem Dichter mit vieler Mühe auseinandergesetzt , und er gibt sich ebensoviel Mühe , es zu erfassen . Man sieht ihm manchmal förmlich an , wie sein unerfahrenes Gehirn arbeitet . » Darf ich ganz offen reden ? « fragte er neulich , als wir von dem Rasta und von den Chancen sprachen . Ja , er durfte . » Aber ich muß etwas sehr Freches sagen ... « » Ich bitte darum ! « » Ja - Sie leben doch eigentlich wie ... eine ... « » Ganz falsch , lieber Dichter , ich lebe nur ein Privatleben , und es schaut viel zu wenig dabei heraus . « » Und Ihr Sizilianer ? « » Ist eine zufällige Verbindung von angenehm und nützlich . « » Aber Sie lieben ihn doch nicht wirklich ? « » Wie man es nehmen will . « » Und Sir John ? Als ich Sie gestern abend bei ihm traf ... « » Junger Mann , seinen Sie vorsichtig - das ist noch gar kein Beweis . « » So ... ? ... Aber Sie geben doch zu , daß Sie mehrere auf einmal lieben können ? « » Und ... ? « » Es wundert mich , daß Sie bei dieser Veranlagung , oder wie man es nennen soll , eben nicht ... « » Eine ... eine geworden sind ? « » Ja , ungefähr das wollte ich sagen . - Sie sind böse ? « » Nein , ich bin diese Frage gewöhnt - aber Sie sind noch so dumm : werden , das ist leicht gesagt . Denken Sie an Ihr einstiges Studium , Sie hatten auch keine Lust etwas zu werden und wollten lieber Verse machen , die nichts einbringen