ist der Arme der Gast des Reichen der Ungelehrte ruht mit im Grabe des Gelehrten , und der Niedrigstehende bekommt ganz unentgeltlich ein Ruhebett unter der Marmorplatte hochgestellter Patrizier . Ein armer , unbekannter , namenloser Mensch wird überfahren . Er ist tot . Ein Millionär kommt dazu . Er bleibt stehen . Er fragt , ob man den Verunglückten kenne . Die Antwort lautet » nein « . » So gehört er zu mir , « sagt der Millionär , nimmt den Toten mit sich heim und gibt ihm einen Platz in seinem Familiengrabe . Das tut der Yankee . Wer tut es noch ? Es war ein schöner , klarer , sonnenwarmer Tag . Als wir die Blumen an dem Häuptlingssteine niedergelegt hatten , setzten wir uns auf die unterste Kante des Postamentes , auf welchem sein Standbild bis hoch in die Wipfel der umstehenden Bäume ragt . Wir sprachen von ihm , und zwar fast leise , wie man an den Gräbern Derer , die man besucht , zu sprechen pflegt , wenn man an die Auferstehung und an ein anderes Leben glaubt . Darum wurden wir von Denen , die sich hinter uns dem Denkmal näherten , nicht gehört . Und ebenso wenig wurden sie von uns gehört , weil weiches Gras rundum den Boden deckte und das Geräusch ihrer Schritte in Nichts verwandelte . Auch sehen konnten sie uns nicht eher , als bis sie um die Ecke des Postamentes getreten waren , welches uns ihnen verbarg . Dann sahen sie uns , und wir sahen sie . Und wer waren sie ? Die beiden Indianerhäuptlinge aus dem Clifton-House ! Auch sie hatten den berühmten Seneca-Redner besuchen wollen und bemerkten nun , daß wir von demselben Gedanken herbeigeführt worden waren . Aber sie taten gar nicht , als ob sie uns bemerkten . Sie schritten langsam weiter , an den Steinen hin , die man an der Vorderseite des Denkmales für ihn und die einzelnen Glieder seiner Familie in die Erde gesenkt hat . Da lagen unsere Blumen Als sie diese sahen , blieben sie stehen . » Uff ! « sagte Athabaska . » Hier hat Jemand in der Sprache der Liebe gesprochen ! Wer mag das gewesen sein ? « » Ein Bleichgesicht jedenfalls nicht , « antwortete Algongka . Er bückte sich nieder und hob einige der Blumen auf , um sie zu betrachten . Athabaska tat dasselbe . Beide wechselten einen schnellen , überraschten Blick . » Sie sind noch frisch , vor noch nicht einer Stunde abgeschnitten ! « meinte Athabaska . » Und vor noch nicht einer Viertelstunde hierhergelegt , « stimmte Algongka bei , indem er die Spuren unserer Füße , die im Grase noch deutlich zu sehen waren , betrachtete . » So sind es also doch Bleichgesichter gewesen ! « » Ja , diese hier ! Sprechen wir mit ihnen ? « » Wie mein roter Bruder will . Ich überlasse es ihm . « Die Häuptlinge hatten ganz richtig vermutet . Wir hatten die Blumen nicht von Niagara mitgebracht , sondern sie waren von hier , und zwar ganz frisch geschnitten . Das Herzle hatte zwei davon zurückbehalten , für sich eine und für mich eine . Die bisherigen , kurzen Sätze der beiden Indianer waren im Apatsche gesprochen worden . Jetzt legten sie die Blumen sehr zart und vorsichtig wieder dahin , wo sie gelegen hatten , und Athabaska wendte sich in englischer Sprache an uns : » Wir glauben , daß ihr die Spender dieser Blumen seid . Ist das richtig ? « » Ja , « antwortete ich , indem ich mich höflich von meinem Sitze erhob . » Für wen sollen sie sein ? « » Für Sa-go-ye-wat-ha . « » Warum ? « » Weil wir ihn lieben . « » Wen man liebt , den soll man kennen ! « » Wir kennen ihn . Und wir verstehen ihn . « » Verstehen ? « fragte Algongka , indem er seine Augen ein ganz , ganz klein wenig verkleinerte , um seinen Zweifel anzudeuten . » Habt ihr seine Stimme gehört ? Er ist längst tot ! Es ist schon fast acht Jahrzehnte her , daß er starb . « » Er ist nicht tot . Er ist nicht gestorben . Wir hörten seine Stimme sehr oft , und wessen Ohren offen sind , der kann sie heut noch ebenso deutlich hören wie damals , als er zur Gemeinschaft der Wölfe seines Stammes sprach . Sie hörten ihn leider nicht ! « » Was hätten sie hören sollen ? « » Nicht den oberflächlichen Klang seiner Worte , sondern ihren tiefen , vom großen Manitou gegebenen Sinn . « » Uff ! « rief Athabaska aus . » Welchen Sinn ? « » Daß kein Mensch , kein Volk und keine Rasse Kind und Knabe bleiben darf . Daß jede Savanne , jeder Berg und jedes Tal , jedes Land und jeder Erdteil von Gott geschaffen wurde , um zivilisierte Menschen zu tragen , nicht aber solche , denen es unmöglich ist , über das Alter , in dem man sich nur immer schlägt und prügelt , hinauszukommen . Daß der allmächtige und allgütige Lenker der Welt einen jeden Einzelnen und einer jeden Nation sowohl Zeit als auch Gelegenheit gibt , aus diesem Burschen- und Bubenalter herauszukommen . Und daß endlich ein Jeder , der dennoch stehen bleibt und nicht vorwärts will , das Recht , noch weiter zu existieren , verliert . Der große Manitou ist gütig , aber er ist auch gerecht . Er wollte , daß auch der Indianer gütig sei , besonders gegen seine eigenen roten Brüder . Als aber die Indsmen nicht aufhören wollten , sich untereinander zu zerfleischen , sandte er ihnen das Bleichgesicht - - - « » Um uns noch schneller umbringen zu lassen ! « fiel mir Algongka in die Rede . Beide sahen mich in sichtlicher Spannung an ,