starker Wind hatte die Nebel zerstreut . Als Werner gegen Abend von einem Gang in das Dorf dort hinter dem Walde nach Hause ging , stand ein goldener Himmel über dem Lande . Durch die feuchten Tannenzweige schlüpfte viel schwergoldenes Licht . Werner ließ das Licht auf sich wirken . Er wollte nicht denken , nur das helle , stille Leben dieses Lichtes wollte er in sich hineintrinken . Da hörte er vor sich den feuchten Schnee unter Schritten knirschen . Es war Karola . Die Hände tief in ihren Muff gesteckt , den Kopf geneigt , ging sie langsam und sinnend den Weg hinab . Beide sahen zu gleicher Zeit auf . War es etwas wie Ungeduld , das einen Augenblick über ihre Züge ging ? fragte sich Werner . Aber sie lächelte gleich wieder . » Ah , Pastor , das ist hübsch ! « » So allein hier ? « fragte Werner . » Allein « , erwiderte Karola . » Natürlich ! Ich habe einen Spaziergang gemacht . Sehen Sie , wieder das schöne Licht . Erinnern Sie sich , wie wir das letztemal im Abendrot nach Hause gingen ? Das war schön ! « » Ja , das liegt doch nicht gar so weit zurück « , meinte Werner . » Nicht ? « sagte Karola . » Ach , alles geht so schnell - schnell vorüber , wie Laterna magica-Bilder . « Durch den Wald kam Schellengeklingel , es entfernte sich , wurde schwächer . » Dort fährt einer « , sagte Werner und horchte . » Ja - er fährt fort « , erwiderte Karola ruhig . Beide schwiegen . » Sie sind gut , glaube ich « , sagte Karola plötzlich aus ihren Gedanken heraus . Werner lächelte . » Warum bin ich gut ? « » Weil Sie « , versetzte Karola , » die , welche Sie lieben , glaube ich , gut schützen ? Sie sind friedlich und stark . « » Ich ? « Karola sah in die untergehende Sonne und dachte nach . » Ich glaube , die Beschäftigung mit den ewigen Dingen macht friedlich . Ewig , - das klingt , als ob alles aus wäre und nur Ruhe - große Ruhe . Ja , der , den Sie lieben , ist gut geborgen . « » Es - es ist doch wohl - « , begann Werner , seine Stimme klang ein wenig unsicher , » es ist doch wohl für jeden das Schönste , das zu schützen , was er liebt . « Karola nickte . » Ja - ja . Aber es ist gut , wenn Liebe stark und friedlich ist . « Das Abendlicht floß wieder grell über die Ebene , als sie aus dein Walde traten und in die lange Allee einbogen . » Warum sprechen Sie von - Geschützt-werden « , fragte Werner . » Kann ich - - - wollen Sie geschützt sein ? « Das kam zögernd und ungeschickt heraus . » Ich ? « Karola lachte . » Mein Gott ! Ich bin ja so furchtbar geborgen . « Dann zeigte sie auf ihre Schatten , die vor ihnen auf dem Schnee lagen . » Und die Schatten , haben die sich verändert ? « Werner schüttelte den Kopf » Nein - nein - Ihrer ist ganz leicht und frei . Zum Verheimlichen haben Sie kein Talent , gnädige Frau . « Karola lächelte ein seltsam hochmütiges Lächeln , das er an ihr noch nicht kannte , und sagte in einem Ton , der ihm mißfiel : » Wozu auch ? « Am Ende der Allee trennten sie sich . » Auf Wiedersehen , Pastor , Sie kommen doch zu uns « , sagte Karola und reichte ihm die Hand . » Was machen Sie für seltsame Augen ? Ach , es ist wohl die Abendsonne , wenn die sich in den Augen spiegelt , dann werden die Augen ganz wild . « » Ich bin friedlich und stark « , dachte Werner auf dem Heimwege . » Und sie ist wohlgeborgen und hat nichts zu verbergen . So geht man liebevoll durch den hübschen Abendschein , und einer legt dem anderen freundlich seine Lügen an das Herz . « Der Waldhüter Erman war bei Werner . Gott ! sah der Mann zerlumpt aus mit seinen Bastschuhen , der schlechtgeflickten Hose , dazu das traurige Trinkergesicht . Er war auch heute leicht angetrunken . Werner hatte ihn zu sich bestellt , um ihm eine Strafrede zu halten . Seine Frau klagte beständig über ihn . » Eine Schande ist es « , fuhr er ihn an . » Sieht so ein herrschaftlicher Waldhüter aus ? Nicht einmal Stiefel hast du bei diesem Saufen , und Frau und Kinder verhungern . « » Ja - ja - Sünde ist ' s « , sprach Erman weinerlich vor sich hin . » Was kann man machen ! « » Nicht saufen ! « schrie Werner ihn an . » Nicht saufen , - nicht saufen « , wiederholte Erman . » Wer kann das ! Was hat man sonst ! « » Jetzt bist du schon betrunken « , fuhr Werner fort . » Glaubst du , der Baron Rast wird solch einen Lumpen als Waldhüter behalten ? « » Der Baron - der ! « Erman lächelte verschmitzt . » Was heißt das ? « » Mit dem ist ' s auch nicht richtig . « » Was sprichst du da ! « Der Mann war betrunken , er sollte ihn fortschicken , sagte sich Werner , aber er schickte ihn nicht fort , er schwieg , er wartete , was der Mann sagen würde . Erman dachte nach , sah mit den verschwommenen wasserblauen Augen zur Decke hinauf , suchte seine Erinnerungen zusammen . » Ja , es war so , Herr Pastor « , begann er . » Weil die Hasen jetzt so fest liegen ,