» Komm bald wieder . Ich zähle darauf « » Zählen macht Kopfweh ! « grölte sie . Der Zug geriet inzwischen ins Laufen . » Also du kommst ? « schloß er ab : » Du hast mirs versprochen ? « » Wir wollen dann sehen , wenns finster ist « , gackerte sie aus Leibeskräften . Und mit äußerster Anstrengung , den Oberkörper aus dem Fenster biegend , schrie sie : » Paß jetzt nur auf , daß es diesmal nicht wieder ein Unglück gibt . « Dann reichten ihre Stimmen nicht mehr . Nun winkten sie sich zu , solange sie einander zu unterscheiden vermochten , sogar noch ein Weilchen länger , ledig der Richtung nach . Allmählich verschwand die Base mit dem enteilenden Zug in den verschwimmenden Wagen , einen freundlichen Schimmer zurücklassend , wie ein Sternchen , dessen Namen man kennt . Allein nun auch den andern Zug geduldig abzuwarten , der jetzt umständlich herbeischlich , mit einer Miene , als wollte er sich auf ewig vor der Station niederlassen , nein , soweit reichte seine Langmut nicht . Er begab sich daher einige Pferdelängen von dem Bahngeleise weg , um die Zeit durch Bewegung zu betrügen . Plötzlich , wie er neben dem Pintengärtchen anlangte , beim Anblick der roten Kastaniensträuße über der bräunlichen Thujahecke , beizte ihm die großäugige Jucunde , die er hier geschaut hatte , wie gewürzter Speisebrodem in die Vorstellung . Zwar , man mied sonst die Stationswirtschaft , der Jucunde wegen ; und er nicht minder als jeder andere , ebenfalls der Jucunde wegen . Doch heute beherrschte ihn einmal der Trotz , so daß er , was sich ihm als verboten aufspielte , um so nachdrücklicher tun mußte . Er schwenkte also vor die Schenke mit dem bestimmten Vorsatz , jeden , der ihm das später aufmutzen wollte , derb abzufertigen , sprang ab und übergab das Pferd dem beflissen herbeistoffelnden Knecht : » Führt das Tierchen in den Stall « , gebot er ; » und daß Ihrs keinem andern Menschen ausliefert , wer es auch sei . Verstanden ? « Schmunzelnd trippelte die Neuberin herbei , mit überschwenglichen Freudenbezeugungen ihn bewillkommnend , ein breitspuriges Gerede von unverhoffter Ehre anhebend . » Und so weiter , trallala ! « unterbrach er sie . » Jucunde ! « belferte sie freudig in den Hausgang , » Jucunde , rate einmal , wer uns die Ehre schenkt ! - Die wird die Augen aufsperren ! Wenn Ihr nur wüßtet , wie sie Euch nachschaut im geheimen , jedesmal , wenn Ihr vorbereitet ! Das einfältige Affending , als ob das jemals zusammenpaßte , der stolze Herrensohn aus dem Pfauen und die verachtete Jucunde von der Station ! Jucunde ! Jucunde ! Wo hast du nur deine Ohren ? ! « Einstweilen nahm sie das Büblein vom Boden auf , das ihr an der Schürze hing . » Siehst du , das ist jetzt der schöne Herr , der mit dem Rößlein über den Balken sprang . Betrachte ihn genau , denn wer weiß , wie lange es währt , bis du wieder einmal das Glück hast , ihn von so nahem zu sehen . - Er heißt auch Conrad , wie Ihr « , fügte sie zu seiner Empfehlung hinzu . » Ein hübsches Büblein « , geruhte er leutselig . » Und was für prächtige Samtaugen es hat ! Wem gehört es ? Es gleicht fast ein wenig der Jucunde . Die Wirtin verzog ein Schalksgesicht , verlegen , pfiffig und belustigt . » Es gleicht ihr leider nur allzusehr « , platzte sie endlich lachend heraus . Inzwischen bequemte sich Jucunde selber heran , weich und schwer , mit berufsmäßiger Wohldienermiene . Sobald sie aber den Pfauenwirtssohn erkannte , blieb sie mit sperroffenem Munde stehen , und zwei große Tränen rollten ihr über die Backen . » So sei doch manierlich , du alberne Wachtel « , schalt die Neuberin . » So grüß doch den Herrn Reber , so führ ihn ins Gärtchen und zeig ihm den Weg . « Jetzt strahlte Jucunde mit der ganzen Breite ihres gutmütigen Gesichts und schritt voraus ins Gärtchen , beständig sich umschauend , ob er auch wirklich leibhaft folge . Und da ihr immer neue Tränen nachrieselten , wischte sie lachend den Arm über Mund und Nase . » Ihr müßt nichts für ungut nehmen , Herr Reber « , entschuldigte sie sich , » ich bin halt ein gar unglaublich einfältiges Geschöpf . Wollt Ihr im Hüttchen Platz nehmen ? oder in der Laube ? oder vielleicht dort in der Ecke unter dem Kastanienbaum ? « Dabei scheuchte sie händeklatschend ein Huhn weg , das auf einem der Tische lustwandelte . Er wählte die freie Mitte , wo der Kastanienbaum noch knapp mit seinem Schatten reichte und wo er zugleich den Pfauen im Auge hatte , der vom Hügel herunterschaute wie eine Burg von einer Schanze . » Roten oder Weißen ? « fragte Jucunde glückselig . » Roten wahrscheinlich . « Und da er gleichgültig nickte , eilte sie dienstfertig von hinnen . Er aber dehnte die Glieder und führte die Augen spazieren : Etliche Gäste , Stück sieben oder acht ungefähr , kauerten gelangweilt im Gärtchen . Neue sickerten herbei , teils vom Gartenpförtchen , teils vom Hausgang . Das Bahngeleise war geräumt . Demnach mußte der zweite Zug mittlerweile gleichfalls ausgefahren sein . Von der Station wallte in dichten Scharen Stadtvolk und Landvolk ameisengleich den Rain hinauf , dem Pfauen entgegen , offenbar den beiden Zügen entstiegen . Die Mehrzahl steuerte zur Linken die Kirschenallee hinan , andere quer durch die Wiese , auf dem Fußpfad , vereinzelte wenige auch rechts auf dem Karrenweg längs dem Rebberg . Eine Musikbande war darunter , die Instrumente , sorgsam in grüne Zeugfutterale gehüllt , unter dem Arm . Wirklich , eine vorteilhaftere Aussicht auf den Pfauen ließ sich nicht denken . Wie auf einem Teller lag er