, daß wir , ich meine ohne daß wir Zeichen unserer Gesinnung , unserer Ansprüche , unseres Wollens nach außen hin geben . Zu diesem Zwecke hat sich auch heute wieder diese Versammlung gebildet . Einige hochbegabte Frauen , die wir alle kennen und verehren - « die Sprecherin wandte sich etwas zur Seite , wo die Rednerinnen sich indessen eingefunden und Platz genommen hatten - » wollen ihre Ansichten über - über - über den - das - über die unwürdige Stellung der Frau im neunzehnten Jahrhundert äußern . Ich erteile Frau Samrosch das Wort . « Die Präsidentin verneigte sich , und eine andere Dame trat vor . Aber sie konnte noch nicht beginnen . Der brausende Jubel , der der Rede der Vorsitzenden folgte , übertönte minutenlang jedes Wort . Erst gemach legte sich das stürmische Klatschen . Hildegard blickte etwas enttäuscht zu Frau von Werdern . Der stockende Vortrag mit einer Winselstimme gesprochen , die Hildegard nie bei ihr vermutet hätte - im Salon sprach sie leise - hatte ihr nicht gefallen . Frau Samrosch besaß ein besseres Organ ; auch las sie ihre Rede brav vom Blatt ab , was das peinliche Stocken verhinderte . Es kamen hochtönende Worte vor , wie : Gewaltsames Vorgehen , wenns friedlich nicht ginge , sich das Ziel erstürmen , Angriff auf die » Unterdrücker « der einen Hälfte der Menschheit , Krieg dem Vorurteil , mögen auch so und so viel alte Traditionen zusammenkrachen dabei . Und all diese wilden leidenschaftlichen Tiraden wurden von einer sanften hohen Sopranstimme vorgelesen . Hildegard lächelte . Es ist reizend , dachte sie . Knixend zog sich auch diese Rednerin zurück , der ebenfalls stürmischer Beifall folgte . Fräulein Buturund trat vor . Wenn sie nur größer wäre und nicht einen so hübschen Lockenkopf hätte , dachte Hildegard . Der glaubt doch kein Mensch die » Unterdrückung « . Aber da hatte sie sich in der Harmlosigkeit des blonden Lockenkopfs geirrt . Mit mächtiger Baßstimme begann die Rednerin : » Dort rückwärts seh ich einige Männer stehn - « sofort flogen mehrere hundert Köpfe zurück - » ja es ist das Beste , verbergt euch ! « Hildegard bedauerte die Männer , denen bei dieser unerwarteten Anrede wol die Kniee schlottern machten . » Verbergt euch ! Wozu seid ihr anwesend ? Um Einheit von uns zu lernen ? Um Mut von uns zu borgen ? Etwa um Einkehr in euch selbst zu halten ? « Ein schmetterndes Lachen aus dem Munde eines der Angegriffenen machte die Rednerin einen Augenblick stutzig ; aber gleich darauf fuhr sie weiter fort : » Die Physiologie lehrt uns , daß nicht die Quantität , sondern die Qualität des Gehirns bei der Intelligenz eines Geschöpfes den Ausschlag giebt . Meine Damen ! Sie alle wissen , daß unser Gehirn viel kompliziertere und feinere Windungen und Nerven hat , als das der Männer . Lassen wir ihnen den Stolz auf ihre größere Hutweite . Die Wasserköpfe sind die am mächtigsten gebauten . « - » Bravo ! « tönte es wieder von rückwärts . Die Rednerin schleuderte einen verachtungsvollen Blick zurück ; dann entwickelte sie weiter , daß die Zeit der Umwälzungen auf allen Gebieten gekommen wäre - auch auf den rein menschlichen . Die Frau hätte Jahrtausende lang geschwiegen und im Stillen Kräfte gesammelt . Der Mann hätte sich inzwischen » ausgegeben « . Er befände sich in der Rückbildung . Die Zeit der Herrschaft des Weibes sei angebrochen . Das sei klar wie das Einmaleins . Fräulein Buturund sprach anderthalb Stunden lang mit unvermindeter Kraft . Als sie schloß , durchbrauste frenetischer Jubel den Saal . Sie mußte sich unzählige Male verbeugen und schien nicht übel Lust zu haben , noch einmal von vorne zu beginnen . Nur das schnelle Hervortreten ihrer » Nachrednerin « , einer älteren Dame , die die Redelustige herausfordernd maß , hinderte sie daran . » Geehrte Gesellschaft « begann Frau Sanghausen , und dann noch dreimal : » Geehrte Gesellschaft « , denn man jubelte noch immer fort , ohne auf sie zu hören . » Es ist eine schöne Sache um den Mut , aber eine noch schönere um die - Klugheit . Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf : meine gefeierte Vorrednerin scheint mir doch zu weit in ihren Auseinandersetzungen gegangen zu sein . Muß man denn stürzen , um frisch zu bauen ? Nein , nein , und abermals : nein ! Wir leben in dem Zeitalter des Friedens , wir verabscheuen den Krieg . Wir wollen kein Blut vergießen . Lassen wir den Männern ihre Daseinsberechtigung . Seien wir großmütig ! Aber « - hier erhob die Rednerin ihre Stimme lauter , » nur unter der Bedingung , daß sie auch uns anerkennen ! Daß sie in uns Gleichwertige , Gleichberechtigte erblicken . Wir wollen nicht auf sie herabsehen , aber wir wollen auch nicht hinaufblicken zu ihnen . « ( Minutenlanges Bravo . ) » Schulter an Schulter wollten wir mit ihnen gehen . Dann wird das goldene Zeitalter seine Auferstehung feiern und aus dem letzten Rest der abgestreiften Sklavenkette wird sich ein Ring gestalten , ein goldener Reifen : der Ehering des Friedens und der Gerechtigkeit . « » Das war die schönste Rede « rief später ein junges Mädchen hinter Hildegard und wischte sich die Augen . Eine üppige Brünette trat vor und lächelte freundlich ins Publikum . » Meine Lieben , die ihr da versammelt seid , ich - « Hildegard suchte auf dem Programm den Namen der Dame . Tinni Froßen : Uber einen unbeachteten Gesichtspunkt . - » Ich « begann die Vortragende , » schließe mich keiner meiner Vorrednerinnen an . Nicht über den Männern , nicht unter den Männern , jenseits der Männer ist mein Bekenntnis . Mögen sie von uns halten , was sie wollen , es schadet uns nicht . Mögen sie uns nur Eins lassen : die Freiheit , zu thun , was