langen Vortrag gehalten . « » Ja . Und noch dazu über Ratten . « » Nein , Czako , davon dürfen Sie jetzt nicht sprechen ; dann doch noch lieber über alten und neuen Glauben . Und gerade hier . In solchem alten Kasten ist man nie sicher vor Spuk und Ratten . Wenn Sie nichts andres wissen , dann bitt ich um die Geschichte , bei der wir heute früh in Cremmen unterbrochen wurden . Es schien mir was Pikantes . « » Ach , die Geschichte von der kleinen Stubbe . Ja , hören Sie , Rex , das regt Sie aber auch auf . Und wenn man nicht schlafen kann , ist es am Ende gleich , ob wegen der Ratten oder wegen der Stubbe . « Fünftes Kapitel Rex und Czako waren so müde , daß sie sich , wenn nötig , über Spuk und Ratten weggeschlafen hätten . Aber es war nicht nötig , nichts war da , was sie hätte stören können . Kurz vor acht erschien das alte Faktotum mit einem silbernen Deckelkrug , aus dem der Wrasen heißen Wassers aufstieg , einem der wenigen Renommierstücke , über die Schloß Stechlin verfügte . Dazu bot Engelke den Herren einen guten Morgen und stattete seinen Wetterbericht ab : Es gebe gewiß einen schönen Tag , und der junge Herr sei auch schon auf und gehe mit dem alten um das Rundell herum . So war es denn auch . Woldemar war schon gleich nach sieben unten im Salon erschienen , um mit seinem Vater , von dem er wußte , daß er ein Frühauf war , ein Familiengespräch über allerhand diffizile Dinge zu führen . Aber er war entschlossen , seinerseits damit nicht anzufangen , sondern alles von der Neugier und dem guten Herzen des Vaters zu erwarten . Und darin sah er sich auch nicht getäuscht . » Ah , Woldemar , das ist recht , daß du schon da bist . Nur nicht zu lang im Bett . Die meisten Langschläfer haben einen Knacks . Es können aber sonst ganz gute Leute sein . Ich wette , dein Freund Rex schläft bis neun . « » Nein , Papa , der gerade nicht . Wer wie Rex ist , kann sich das nicht gönnen . Er hat nämlich einen Verein gegründet für Frühgottesdienste , abwechselnd in Schönhausen und Finkenkrug . Aber es ist noch nicht perfekt geworden . « » Freut mich , daß es noch hapert . Ich mag so was nicht . Der alte Wilhelm hat zwar seinem Volke die Religion wiedergeben wollen , was ein schönes Wort von ihm war - alles , was er tat und sagte , war gut - , aber Religion und Landpartie , dagegen bin ich doch . Ich bin überhaupt gegen alle falschen Mischungen . Auch bei den Menschen . Die reine Rasse , das ist das eigentlich Legitime . Das andre , was sie nebenher noch Legitimität nennen , das ist schon alles mehr künstlich . Sage , wie steht es denn eigentlich damit ? Du weißt schon , was ich meine . « » Ja , Papa ... « » Nein , nicht so ; nicht immer bloß ja , Papa . So fängst du jedesmal an , wenn ich auf dies Thema komme . Da liegt schon ein halber Refus drin , oder ein Hinausschieben , ein Abwartenwollen . Und damit kann ich mich nicht befreunden . Du bist jetzt zweiunddreißig , oder doch beinah , da muß der mit der Fackel kommen ; aber du fackelst ( verzeih den Kalauer ; ich bin eigentlich gegen Kalauer , die sind so mehr für Handlungsreisende ) , also du fackelst , sag ich , und ist kein Ernst dahinter . Und soviel kann ich dir außerdem sagen , deine Tante Sanctissima drüben in Kloster Wutz , die wird auch schon ungeduldig . Und das sollte dir zu denken geben . Mich hat sie zeitlebens schlecht behandelt ; wir stimmten eben nie zusammen und konnten auch nicht , denn so halb Königin Elisabeth , halb Kaffeeschwester , das is ' ne Melange , mit der ich mich nie habe befreunden können . Ihr drittes Wort ist immer ihr Rentmeister Fix , und wäre sie nicht sechsundsiebzig , so erfänd ich mir eine Geschichte dazu . « » Mach es gnädig , Papa . Sie meint es ja doch gut . Und mit mir nun schon ganz gewiß . « » Gnädig machen ? Ja , Woldemar , ich will es versuchen . Nur fürcht ich , es wird nicht viel dabei herauskommen . Da heißt es immer , man solle Familiengefühl haben , aber es wird einem doch auch zu blutsauer gemacht , und ich kann umgekehrt der Versuchung nicht widerstehen , eine richtige Familienkritik zu üben . Adelheid fordert sie geradezu heraus . Andrerseits freilich , in dich ist sie wie vernarrt , für dich hat sie Geld und Liebe . Was davon wichtiger ist , stehe dahin ; aber soviel ist gewiß , ohne sie wär es überhaupt gar nicht gegangen , ich meine dein Leben in deinem Regiment . Also wir haben ihr zu danken , und weil sie das geradesogut weiß wie wir , oder vielleicht noch ein bißchen besser , gerade deshalb wird sie ungeduldig ; sie will Taten sehen , was vom Weiberstandpunkt aus allemal soviel heißt wie Verheiratung . Und wenn man will , kann man es auch so nennen , ich meine Taten . Es ist und bleibt ein Heroismus . Wer Tante Adelheid geheiratet hätte , hätte sich die Tapferkeitsmedaille verdient , und wenn ich schändlich sein wollte , so sagte ich das Eiserne Kreuz . « » Ja , Papa ... « » Schon wieder ja , Papa . Nun , meinetwegen , ich will dich schließlich in deiner Lieblingswendung nicht stören . Aber bekenne mir nebenher - denn das ist doch schließlich das , um was sich ' s handelt