sich zu behalten , schnell der eifersüchtige Gedanke auf , daß Fanny am Ende ein besonderes Interesse für Magnus habe . Daß die Dinge etwa anders werden konnten , als wie Fanny sie ordnete , fiel überhaupt niemand ein . Was sie sagte , geschah immer . Hier trat ein Diener ein und meldete , daß Wenzel und Riggers bäten , vorgelassen zu werden . » Ah , « sagte Fanny , » da soll ich wohl den Schiedsrichter spielen wegen der strittigen Wiese ? « » Die Bauern bitten darum , « antwortete der Diener ; » und hier , diese Depesche ist eingelaufen . « Fanny nahm die Depesche vom Tablet , erbrach und las sie , lächelte , wandte sich zum Diener und sagte : » Die Bauern können gleich vor . Ich rufe . « » Schnell , Magnus , « mahnte sie dann , » ich schreibe Ihnen einen Check für mein Berliner Bankhaus , morgen fahren Sie hin , ordnen Ihre Sachen und kehren übermorgen zurück . Ist vom Duell etwas ruchbar geworden ? « » Nein . « » Um so besser . Hier unterschreiben Sie den Schein . « Magnus unterschrieb ein Papier , auf welchem Fanny Förster sich das Honorar zueignete , das er von der Firma Soundso erhalten solle . Dagegen empfing er einen Check , lautend auf fünftausend Mark . Unmittelbar nachdem die Familie Fannys Zimmer verließ , drängten sich die zwei Bauern hinein , und auf dem Flur warteten noch weitere Leute . » Ja , ja , die Frau ist ein Segen , « murmelte der Pastor . » Leider fehlt es ihr an der rechten Frömmigkeit , « sagte die Pastorin klagend . Als sie sah , daß Magnus vom Zeugständer auf dem Flur seinen Hut nahm , fragte sie hastig : » Wo willst Du hin ? Wir sind eingeladen , den Tag hier zu bleiben . « » Nur dies zu Hause in meine Kommode schließen und mir ein Buch holen . « » Laß nur . Ich gehe eben , « rief die Pastorin , der einfiel , daß Magnus gestern geäußert habe , Severina besitze jene eigentümliche , temperamentvolle Häßlichkeit , die gefährlicher sei als manche Schönheit . Und Severina war allein in der Pfarre . So ging sie denn , und Vater und Sohn gesellten sich dem Baron auf der Terrasse zu . Viertes Kapitel Es war am Abend dieses Tages . Adrienne saß mit einem Buch in der Hand auf der Terrasse , wo Fanny mit dem Pastorenehepaar und Lanzenau schon seit sieben Uhr Whist spielte . Die junge Frau begriff Fannys Geduld nicht ; sie ihrerseits fühlte sich schon nach einer Stunde so nervös vom Zusehen , daß ihr das Aufstoßen der Karten auf die Tischplatte , wenn die Spieler ihre Stiche zusammennahmen , jedesmal einen leichten Schreck verursachte . Und diese im Text sich ewig gleichenden Bemerkungen der Spieler über Bilder , Renoncen , Tricks und Rubber ! Adrienne schielte zuweilen über ihr Buch hinweg zum jungen Doktor Hesselbarth hinüber , der am andern Ende der Terrasse lesend saß . Doch schien diesen das einförmige Geräusch nicht zu stören . Er las mit einer Vertiefung , als befände er sich etwa allein in seinem Studirzimmer . Jedermann schien überhaupt in diesem Hause die unbegrenztesten Freiheiten zu genießen , mit Ausnahme von Fanny , die offenbar ihre Aufgabe darin fand , sich von den anderen ausnützen zu lassen . Nun , die Gründe für diese unbegreifliche Lebensgestaltung würden sich ihr schon allmälich enthüllen , dachte Adrienne und erhob sich endlich , als sie fühlte , daß ihre Ungeduld über die Ausdauer der Spieler sich bis zum Aerger darüber steigerte , daß niemand sich um sie bekümmerte . Wenn doch wenigstens Severina dagewesen wäre , allein diese war von der Pastorin mit dem Bedeuten weggeschickt , sie müsse zu Hause einhüten , weil die Magd einen Abendurlaub erbeten . Als Adrienne am Kartentisch vorbei ins Haus ging , nickte Fanny ihr zu und fragte ausspielend : » Willst Du nach Baby sehen ? Küß es zur Nacht von mir . « In der That hatte Adrienne ihr Kind aufsuchen und zusehen wollen , ob es schlafe . Eine dunkle Sehnsucht war in ihr Herz gekommen , das Wesen zu liebkosen , das einzige , welches ihr zu eigen gehörte . In Fannys Frage fand sie aber den Vorwurf , daß sie sich den ganzen Tag nicht um den Kleinen bekümmert habe , und ging nun trotzig nicht hinauf , sondern durch den Saal über den Flur , vorn hinaus und setzte sich da in den Beischlag . Aber sie fand es bald langweilig , auf den nun am Abend ganz unbelebten Hof zu sehen oder die dunkle Ulmenallee entlang zu gucken , wo sich doch nichts Lebendes zeigte . Die Bauern lieben nach der sauren Tagesarbeit im Freien , sich in Stube und Tenne auszuruhen . Spazierengehen in würziger Abendluft gehört für sie zu den unbegriffenen Luxusbedürfnissen des Städters . Adrienne ging um das Haus und durch schmale Seitenwege parkeinwärts . Der Abend fing an , sich grau unter Stämmen und Buschwerk auszubreiten ; als Adrienne , schon fern vom Hause , einen das Rasenparterre durchschneidenden Pfad verfolgte , sah sie auf der Terrasse Windlichter aufblitzen : offenbar setzten die Kartenspieler ihre öde Thätigkeit nun bei Beleuchtung fort . Die junge Frau hatte von der Ausdehnung des Parks und der Verschlungenheit seiner Wege keine rechte Vorstellung . Sie glaubte , daß alle Wege sie wieder dem Hause zuführen müßten , und ging langsam weiter und weiter . Plötzlich sah sie nahe vor sich das Gebüsch breit auseinander weichen , der Weg trat in ein Halbrund ein , und dieses war abgeschnitten durch ein breites Wasser . Nahe am Ufer , das von jungem Röhricht eingefaßt war , stand ein Holztisch und davor zwei Bänke ; Tisch und Bänke von jener einfachsten Art , die auf vier dünne Baumstämmchen ein paar