seiner ganzen lebensgroßen Zerlumptheit . Als er hineinblickte und dachte : So bin ich ? gewahrte er über seinem Kopf ein seltsames Ding . Ein flacher eiserner Kübel schien ' s , aus dem goldene Arme herausragten und der mit einem äußerst dünnen Seilchen an der Decke befestigt war . Pavel sprang sogleich davon und betrachtete das böse Ding mißtrauisch aus der Entfernung . Es schien keinen anderen Zweck und auch keine andere Absicht zu haben , als auf die Leute , die so unvorsichtig waren , in sein Bereich zu treten , niederzustürzen und sie zu erschlagen . Nach kurzer Zeit ließen Schritte auf dem Gange sich hören ; die Tür wurde geöffnet , und die Baronin trat ein . Sie ging mühsam auf den Stock gestützt , war sehr gebeugt und blinzelte fortwährend . Fast auf den Fersen folgte ihr , tief bekümmert , die spärlichen Haare so zerzaust , als hätte er eben in ihnen gewühlt - der Schulmeister . Sein ungeschickt fahriges Benehmen fiel sogar dem schlechten Beobachter Pavel auf . » Wohin belieben Euer Gnaden sich zu setzen ? « fragte der Alte , schoß dienstfertig umher und rückte die Sessel auseinander , um der Frau Baronin den Überblick und somit die Wahl zu erleichtern . » Lassen Sie ' s gut sein , Schullehrer « , sagte sie ärgerlich , nahm gerade unter dem Kronleuchter mit dem Rücken gegen die Fenster Platz , legte den Stock auf ihren Schoß und gab Pavel Befehl näher zu treten . Er gehorchte . Der Lehrer jedoch stellte sich hinter den Sessel der gnädigen Frau , und über ihren Kopf hinweg bedrohte er abwechselnd den Delinquenten mit Blicken des Ingrimms oder suchte ihn durch Mienen , welche die tiefste Wehmut ausdrückten , zu erschüttern und zu rühren . Die Baronin hielt die Hand wie einen Schirm an die Stirn und sprach , ihre rotgeränderten Augen zu Pavel erhebend : » Du bist groß geworden , ein großer Schlingel . Als ich dich zum letztenmal gesehen habe , warst du noch ein kleiner . Wie alt bist du ? « » Sechzehn Jahre « , erwiderte er zerstreut . Das eiserne Ding an der dünnen Schnur nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch . Im Geist sah er ' s herunterfallen und die Frau Baronin auf ihrem Richterstuhl zu einem flachen Kuchen zusammenpressen . Diese nahm wieder das Wort : » Schau nicht in die Luft , schau mich an , wenn du mit mir redest ... Sechzehn Jahre ! ... Vor drei Jahren hast du mir meine Kirschen gestohlen , heute erwürgst du mir meinen guten Pfau , der mir , das weiß Gott , lieber war als mancher Mensch . « Der Lehrer erhob seine flehend gefalteten Hände und gab dem Burschen ein Zeichen , diese Gebärde nachzuahmen . Pavel ließ sich aber nicht dazu herbei . » Warum hast du das getan ? « fuhr die Baronin fort . » Antworte ! « Pavel schwieg , und der alten Frau schoß das Blut ins Gesicht . Erregten Tones wiederholte sie ihre Frage . Der Junge schüttelte den Kopf ; aus seinem dichten Haargestrüpp hervor glitt sein Blick über die Zürnende , und ein leises Lächeln kräuselte seine Lippen . Da wurde die Greisin vom Zorn übermannt . » Frecher Bub ! « rief sie , griff nach ihrem Stock und gab ihm damit einen Streich auf jede Schulter . Nun ja , dachte Pavel , wieder Prügel , immer Prügel ... und er richtete einen stillen Stoßseufzer an das eiserne Ding : Wenn du doch herunterfallen , wenn du ihr doch auf den Kopf fallen möchtest ! Habrecht machte hinter dem Rücken der Baronin ein Kompliment , in dem sich Anerkennung aussprach : » Euer Gnaden haben dem Holub Pavel eine spürbare Zurechtweisung gegeben « , bemerkte er . » Das war gut ; eine sehr gute Vorbereitung zum Verhör , das ich jetzt mit Euer Gnaden Erlaubnis vornehmen will . « Der alten Frau war nach ihrer Gewalttat nicht wohl zumute . Sie hatte ihren Zorn auf einmal ausgegeben und lag nun im Bann eines viel unleidigeren Gefühls : einer grämlichen , sentimentalen Entrüstung . » Was ist da zu verhören ? « sprach sie ; » der schlimme Bub hat mir meinen Pfau erwürge und will nicht sagen warum , weil er sonst sagen müßte : aus Bosheit . « » So ist es ! O gewiß ! « bestätigte der Lehrer . » Dem armen Pfau fehlten , als man ihn tot auffand , seine letzten Schwanzfedern , die hat der schlechte Bub ihm gewiß ausgerupft - aus Bosheit ! « » Das ist nun wieder albern , Schulmeister ! « fiel die Baronin ärgerlich ein . » Wenn der Junge - wie schon viele andere dumme Jungen vor ihm - meinem armen Pfau nur Federn ausgerupft hätte , wäre das noch kein Zeichen von Bosheit - Dummheit wäre es gewesen und Dieberei . « » O wie wahr ! « entgegnete Habrecht , » - Dummheit und Dieberei . So ist es und nicht anders , Euer Gnaden . « » Ist es so ? Wer weiß es ? « » Ganz recht , wer ... außer - Euer Gnaden , die sogleich Licht in die Sache gebracht haben . Federn ausrupfen ? Ei , ei , ei ! Um Federn war ' s dem Buben zu tun ; dadurch hat er den Pfau gereizt und einen Kampf hervorgerufen , in dem das gute Tier gefallen ist . « Wie der Rabe Odins an dessen Ohr neigte sich Habrecht an das Ohr der Baronin und flüsterte : » Nicht ohne an dem Feind Spuren seiner Tapferkeit zu hinterlassen . Geruhen sich zu überzeugen , die Stirn des Buben ist zerhackt und voll Blut . « » So ? Ja - mir scheint so ... « » Sprich , Holub Pavel ! « rief der Lehrer , sich wieder aufrichtend , » entschuldige dich