. Oft ist mir die Wahrheit umsonst gesagt worden , aber sie war auch darnach . Nichts ist umsonst , nicht einmal die Wahrheit . « Und sie schickte sich wirklich an , in das Zelt einzutreten . Aber Franziska zog sie wie mit Gewalt zurück und sagte : » Du bleibst ! « Eine momentane Verlegenheit trat ein und schwand erst wieder , als man aus der Budengasse heraus war . » Ich war überrascht , Sie so heftig zu sehen « , nahm endlich Egon das Gespräch wieder auf . » So heftig und so bestimmt . « » Und noch dazu gegen Phemi « , setzte Franziska lachend hinzu . » Phemi selbst aber wird mir am ehesten verzeihen . Ich konnte nicht anders und habe nun mal einen tiefen Widerwillen dagegen . Unser ganzes Leben ist eine Kette von Gnaden , aber als der Gnaden größte bedünkt mich doch die , daß wir nicht wissen und nicht wissen sollen , was der nächste Morgen uns bringt . Und weil wir ' s nicht wissen sollen , sollen wir ' s auch nicht wissen wollen . « » Auch nicht einmal im Scherz , im Spiel ? « » Auch nicht einmal im Spiel . Denn es ist ein Spiel mit Dingen , die nicht zum Spielen da sind . Ich muß es wiederholen , ich hasse jede Neugier , die den Schleier von dem uns gnädig Verborgenen wegreißen will ; aber am meisten widerstreitet mir doch die Neugier , die nicht einmal ernsthaft gemeint ist . Es gibt der tückischen Mächte genug , und ihre listig lauernde Feindschaft auch noch durch Spiel und Spott herausfordern zu wollen tut nie gut und ist der Anfang vom Ende . « Der Graf schwieg . Bald darnach aber trennte man sich vor Phemis und Franziskas Veranda , bis wohin die Gräfin in Artigkeit gegen die jungen Damen diese begleitet hatte . Siebentes Kapitel Am andern Morgen saßen beide Freundinnen eine halbe Stunde früher als sonst in der Veranda , deren Leinwandvorhänge nach der einen Seite hin halb zurückgezogen waren , während gegenüber , wo die Vorhänge fehlten , eine Hängematte hing , in der sich Lysinka schaukelte . Sie war in ein Bilderbuch vertieft und überließ deshalb , ohne wie sonst wohl zuzuhorchen , die beiden Damen ihrem Gespräche , das sich selbstverständlich um die Partie vom Tage vorher drehte . Dann aber entstand eine Pause , bis Franziska plötzlich und mit einiger Befangenheit fragte : » Sagtest du nicht , daß die Belmonti geschrieben habe ? « » Ja . « » Und daß sie sich Lysinka zurückerbeten ? « » Ja . « » Und willst du nicht darauf eingehen ? Offen gestanden , ich glaube , daß die Belmonti recht hat und daß du diese Ferien länger ausdehnst , als dem Kinde gut ist . « Phemi lachte herzlich , dann aber sagte sie : » Ja , Fränzl , es hilft dir nichts , du mußt nun schon deutlicher mit der Sprache heraus . Denn du wirst mir doch nicht wirklich und ernsthaft einreden wollen , daß du Lysinkas halber Erziehungssorgen hättest . Ich würde glauben , du wolltest sie los sein , wenn ich nicht umgekehrt wüßte , daß du sie fast so gern hast wie Hannah . Also beichte . « Franziska sah verlegen vor sich hin , und Phemi , der ihre Verlegenheit leid tat , setzte deshalb ohne weiteres hinzu : » Nun , laß nur , ich brauche deine Beichte nicht und will dir sagen , was es ist . Sieh , ich bin lange nicht so gescheit wie du , hab aber bessere Augen und sehe gleich , wie ' s steht und im Herzen aussieht . Auch in deinem . Und deshalb weiß ich , es kommt alles nur daher , weil du wieder Reputationsanfälle hast und einfach fürchtest , die Nichte könnte dich über kurz oder lang in Verlegenheit bringen , die Nichte , die mir wie aus dem Gesicht geschnitten ist und an deren Nichtenschaft deshalb niemand glaubt . Sieh « , fuhr sie fort , » du bist ein so guter Kerl , daß ich dir nichts übelnehme , schon lange nicht . Empfindeleien sind ohnehin nicht meine Spezialität , und so begnüg ich mich denn in dieser dir Sorge machenden Lysinka-Sache mit dem geflügelten Wort : Es ist mein Kind , es bleibt mein Kind , ihr gebt mir nichts dazu , noch dazu klassisches Zitat . Und sogar vom alten Goethe , der immer recht hatte . « » Nicht immer . « » Aber doch in solchen Dingen . Er verstand sich zu gut darauf . Jedenfalls hab ich vor , mich nach diesem Spruche zu richten und Madame Belmonti noch eine Weile warten oder meinetwegen auch sich ängstigen zu lassen . « Franziska schwieg . Endlich sagte sie : » Verzeih , Phemi , daß ich davon sprach . Es war nicht recht . Aber ich dachte , man könne nicht gleichzeitig zwei Dinge wollen , die sich einander ausschließen . Es liegt dir selber an dem Umgange mit drüben und muß auch so sein , denn es ist eine herrliche Frau , diese alte Gräfin , ganz von jener Feinheit , Nachsicht und Milde , die , wie du mit Recht sagtest , immer nur bei den Frommen und Vornehmen zu finden ist . Aber man darf ihr umgekehrt auch nicht zuviel zumuten , und wenn wir wirklich einen auch nur oberflächlichen Verkehr mit ihr unterhalten wollen , so müssen doch Fragen ausgeschlossen sein , die , wenn sie wie zufällig in Gegenwart Graf Egons zur Sprache kämen , unzweifelhaft zu Verlegenheiten und hinterher zu Witzeleien und allerhand Medisance führen würden . « » Du bist ein Kindskopf « , lachte Phemi . » Lehre mich doch die vornehme Welt kennen . Ich stecke länger darin und will dir sagen , wie ' s liegt . Auch die Besten nehmen