noch dazubleiben und beim Abendessen mitzuhalten , was ihn alsbald für die ausgestandene Angst , die der heutige Spruch mit sich gebracht hatte , reichlich entschädigte . So gingen die Wintertage dahin . Der Peter erschien regelmäßig und machte wirklich Fortschritte mit seinen Buchstaben . Mit den Sprüchen hatte er aber täglich zu fechten . Man war jetzt beim U angelangt . Als das Heidi den Spruch las : Wer noch das U in V verdreht , Kommt dahin , wo er nicht gern geht - da knurrte der Peter : » Ja , wenn ich ginge ! « Aber er lernte doch tüchtig zu , so , als stehe er unter dem Eindrucke , es könnte ihn doch heimlich einer beim Kragen nehmen und dorthin bringen , wohin er nicht gern ginge . Am folgenden Abend las das Heidi : Ist dir das W noch nicht bekannt , Schau nach dem Rütlein an der Wand . Da guckte der Peter hin und sagte höhnisch : » Hat keins . « » Ja , ja , aber weißt du , was der Großvater im Kasten hat ? « fragte das Heidi . » Einen Stecken , fast so dick wie mein Arm , und wenn man ihn herausnimmt , so kann man nur sagen : Schau nach dem Stecken an der Wand ! « Der Peter kannte den dicken Haselstock . Augenblicklich beugte er sich über sein W und suchte es zu erfassen . Am andern Tage hieß es : Willst du noch das X vergessen Kriegst du heute nix zu essen . Da schaute der Peter forschend zu dem Schrank hinüber , wo das Brot und der Käse drin lagen , und sagte ärgerlich : » Ich habe ja gar nicht gesagt , daß ich das X vergessen wolle . « » Es ist recht , wenn du das nicht vergessen willst , dann können wir auch gleich noch einen lernen « , schlug das Heidi vor , » dann hast du morgen nur noch einen einzigen Buchstaben . « Der Peter war nicht einverstanden . Aber schon las das Heidi : Machst du noch Halt beim Y , Kommst du mit Hohn und Spott davon . Da stiegen vor Peters Augen alle die Herren in Frankfurt auf mit den hohen , schwarzen Hüten auf den Köpfen und Hohn und Spott in den Gesichtern . Augenblicklich warf er sich auf das Ypsilon und ließ es nicht wieder los , bis er es so gut kannte , daß er die Augen zutun konnte und doch wußte , wie es aussah . Am Tag darauf kam der Peter schon ein wenig hoch beim Heidi an , denn da war ja nur noch ein einziger Buchstabe zu verarbeiten , und als ihm das Heidi gleich den Spruch las : Wer zweifelnd noch beim Z bleibt stehn , Muß zu den Hottentotten gehn ! da höhnte der Peter : » Ja , wenn kein Mensch weiß , wo die sind ! « » Freilich , Peter , das weiß der Großvater schon « , versicherte das Heidi ; » wart nur , ich will ihn geschwind fragen , wo sie sind , er ist nur beim Herrn Pfarrer drüben « , und schon war das Heidi aufgesprungen und wollte zur Tür hinaus . » Wart ! « schrie jetzt der Peter in voller Angst , denn schon sah er in seiner Einbildung den Alm-Öhi mitsamt dem Herrn Pfarrer daher kommen und wie ihn die zwei nun gleich anpacken und den Hottentotten übersenden würden , denn er hatte ja wirklich nicht mehr gewußt , wie das Z hieß . Sein Angstschrei ließ das Heidi stillstehen . » Was hast du denn ? « fragte es verwundert . » Nichts ! Komm zurück ! Ich will lernen ! « stieß der Peter mit Unterbrechungen hervor . Aber das Heidi hätte jetzt selbst gern gewußt , wo die Hottentotten seien , und es wollte durchaus den Großvater fragen . Der Peter schrie ihm aber so verzweifelt nach , daß es nachgab und zurückkam . Nun mußte er aber auch etwas tun dafür . Nicht nur wurde das Z so manchmal wiederholt , daß der Buchstabe für alle Zeit in seinem Gedächtnis festsitzen mußte , sondern das Heidi ging gleich noch zum Syllabieren über , und an dem Abend lernte der Peter so viel , daß er um einen ganzen Ruck vorwärts kam . - So ging es weiter Tag für Tag . Der Schnee war wieder weich geworden , und darüberhin schneite es neuerdings einen Tag um den andern , so daß das Heidi wohl drei Wochen lang gar nicht zur Großmutter hinauf konnte . Um so eifriger war es in seiner Arbeit an dem Peter , daß er es ersetzen könne beim Liederlesen . So kam eines Abends der Peter heim vom Heidi , trat in die Stube ein und sagte : » Ich kann ' s ! « » Was kannst du , Peterli ? « fragte erwartungsvoll die Mutter . » Das Lesen « , antwortete er . » Ist auch das möglich ! Hast du ' s gehört , Großmutter ? « rief die Brigitte in hoher Verwunderung aus . Die Großmutter hatte es gehört und mußte sich auch sehr verwundern , wie das zugegangen sei . » Ich muß jetzt ein Lied lesen , das Heidi hat ' s gesagt « , berichtete der Peter weiter . Die Mutter holte hurtig das Buch herunter und die Großmutter freute sich , sie hatte so lange kein gutes Wort gehört . Der Peter setzte sich an den Tisch hin und begann zu lesen . Seine Mutter saß aufhorchend neben ihm ; nach jedem Vers mußte sie mit Bewunderung sagen : » Wer hätte es auch denken können ! « Auch die Großmutter folgte mit Spannung einem Vers nach dem andern , sie sagte aber nichts dazu . Am Tage nach diesem Ereignis traf es sich , daß in der Schule in Peters Klasse