unbestrittenen Herrin des Steinhofes . Dem Freund Ewald gegenüber lag schwer auf den Tisch hin der Oberknecht , ihm zur Seite saß die Großmagd , und die anderen bis zum Hofjungen schlossen sich in bunter Reihe an . Millionen von Fliegen waren gleichfalls vorhanden , auch Bienen und anderes Flügelgesindel kamen aus dem Garten und der übrigen freien Natur , gerade wie wir von Schloß Werden , ohne vorher um Erlaubnis anzufragen . Die Temperatur in der niedrigen Stube war sehr hochgradig ; die Balken der geweißten Decke drückten schwer herab , und es half gar nichts zur Kühle , daß die schmalen , niedrigen Fenster geöffnet standen . Über die Schwelle der offenen Stubentür traten Hahn und Hühner mit erhobenen Füßen ungeniert und ließen auch ihre Naturlaute nicht etwa blöde auf dem Hofe zurück . Hund und Katze konnten frei ein und aus gehen , hielten sich aber so dicht als möglich an uns ; und da sie nicht auf dem Tische geduldet wurden , so trieben sie sich wenigstens unter ihm herum und warteten mit nervöser Ungeduld auf alles , was von ihm für sie abfiel . Von der Wand hinter dem Vetter Just mahnten die Zehn Gebote , sehr bunt unter Glas und Rahmen , zu ihrer Beobachtung . Hinter dem kleinen Spiegel zwischen den Fenstern fehlten die Pfauenfedern und neben ihm der Kalender des laufenden Jahres nicht . Seltsam berührte ( ich darf diese kitzelnd zugespitzte moderne Redensart an dieser Stelle wohl anwenden ) nur der Ofen hinter mir , und nicht als solcher , sondern durch das , was auf ihm stand . Auf ihm stand nicht etwa der alte Fritz in Gips mit seinem Krückstock oder der Kaiser Napoleon mit untergeschlagenen Armen ( beides hätte durchaus nicht seltsam berührt ! ) , sondern es stand da in einem hübschen Miniaturgipsabguß , wenngleich ziemlich gelb angeschmaucht - die Mediceische Venus der gesamten Tafelrunde des Steinhofes gegenüber . » Und da ich sie mir einmal von so ' nem wandernden Italiener mit seinem Brett auf dem Kopfe angeschafft habe , so bleibt sie da auch stehen , Fritz ! « hatte mir der Vetter gesagt . » Es braucht ja keiner s ' anzugucken , wenn er nicht mag ; - ich habe mein Geld dafür gegeben , Fritz . Sieh mal , ihr anderen und dann alle berühmten Menschen in der Welt habt nur das vor uns voraus , daß ihr euch vor dergleichen nicht fürchtet und schämt . Guck mal , mir geht es noch schwer ab , daß ich darüber rede , und ich täte es auch ganz gewiß nicht , wenn du nicht auch mit den anderen deine schlechten Witze darüber gemacht hättest . Laß mir aber nur mal einer einen mit dem Besenstiel dran rühren ! Dafür hat die weiße Gipsmadam doch zuviel gekostet ! « Dieses letzte Wort bringt mich auf die wenigstens auf dem Papier noch gegenwärtige Stunde zurück . » Anderwärts als hier auf dem Steinhofe esse ich sie nicht , und wenn der Tod darauf stünde « , sagt Ewald , schmatzend wie eines jener unwählerischen Tiere , für welche der Schöpfer die wackere Hülsenfrucht Vicia Faba hauptsächlich erschaffen haben soll . » Evchen mag sie nur ihres Geruches in der Blüte wegen , und Irene ißt sie nur , weil sie schauderhaft hungrig ist und meinetwegen , nämlich weil sie im Heroismus nicht hinter mir bleiben will . Fritze frißt natürlich alles herunter , ohne darüber nachzudenken ; und Sie , Jungfer Grote , bitte , noch ' n Stück aus dem Fetten . Schad ' t nichts , wenn auch ein bißchen nah vom Knochen . Die Würmer sind ja mit im Kessel gewesen , Jungfer Jule - « » I , so höre einer ! Ein ganz nichtsnutziger Junge bist du « , stammelt die Wirtschafterin des Steinhofes , » und - « » Und beißen einen Sekundaner , den seine Herren Lehrer längst schon Sie anreden müssen , nicht mehr . « Ein breites , glänzendes , zähnefletschendes Grinsen geht um den ganzen Tisch . Die Knechte stoßen ihre Nachbarn mit dem Knie an , die Mägde kichern , und nur der Hofjunge schlingt ungerührt weiter . » I , so soll mich doch ! ... Nun höre einer ! ... Ach , herrje , bist du auch schon so lateinisch ? Du ? ... Was kosten denn jetzt die Rohrstöcke bei euch auf Schulen ? Sind wohl höllisch dies Jahr mißraten in Hinterpommern oder wo sie wachsen , weil du mir hier Glocke zwölf am Tage so kommst wie ein Maikäfer , wenn ' s Abend wird ? ! Herr Langreuter , Sie verdirbt er auch noch in Grund und Boden ; und er ist es auch allein , der alle Augenblicke mit Ihnen hierher nach dem Steinhofe hervagabundiert , daß Sie , Fritzchen , mir meinen Jungen da , meinen Just , noch mehr aus seinem Menschenverstande heraus verführen , was eine Sünde ist , mehr als ich sagen kann , und was seine Schwester auch wohl weiß , und wenn ich nur nicht die lieben Gesichterchen so gern auf dem Steinhof hätte , so wollte ich schon noch mehr sagen ; aber die gnädige Frölen Gräfin darf ' s mir dreiste glauben , ich nehme es keinem übel , wenn er es anders gewohnt ist bei Tische , und große Bohnen sind freilich nicht jedermanns Sache , da hat der Junge recht . « » Wenn Sie den hier meinen , Jungfer Grote « , lacht Irene Everstein , mit ihrer Gabel auf Freund Ewald deutend , » so sollte ich nur mal ' nen Augenblick lang Ihren großen Löffel da in der Hand haben ! Ach , herrje , ich würde ihm deutsch auf sein Lateinisch geantwortet haben . Und übrigens haben sie ihn auch nur deshalb mit nach Sekunda genommen , weil er ihnen für Tertia zu lang geworden ist . Wachsen kann jeder , und wir auch