Übermute mit allen trivialen Judenspäßen , die ihm zu Gebote standen , so daß die armen Teufel manchmal wirklich böse wurden und die Gesellschaft verließen . Frau Margret pflegte alsdann auch ungeduldig zu werden und verwies den Dämon aus dem Hause ; aber er fand sich bald wieder ein und wurde immer wieder gelitten , wenn er sein altes Wesen mit etwas Vorsicht und glatten Worten wieder begann . Es war , als wenn die viel redenden und disputierenden Genossen seiner als eines lebendigen Exempels des Atheismus bedurften , wie sie ihn verstanden ; denn dies war er am Ende auch , indem es sich nicht undeutlich erwies , daß er den Gedanken Gottes und der Unsterblichkeit mehr zu unterdrücken suchte , weil er ihn in einem kleinlichen und nutzlosen Treiben beschränkte und belästigte , und als er späterhin starb , tat er dies so verzagt und zerknirscht , heulend und zähneklappend und nach Gebet verlangend , daß die guten Leute einen glänzenden Triumph feierten , indessen der Schreiner ebenso ruhig und unangefochten seinen letzten Sarg hobelte , welchen er sich selbst bestimmte , wie einst seinen ersten . Dieser Art war die Versammlung , welche an vielen Abenden , zumal im Winter , bei Frau Margret zu treffen war , und ich weiß nicht , wie es kam , daß ich mich plötzlich am Tage oft in dem kurzweiligen Gewölbe mitten unter den Geschäftigen und am Abend zu den Füßen der Frau sitzen fand , welche mich in große Gunst genommen hatte . Ich zeichnete mich durch meine große Aufmerksamkeit aus , wenn die wunderbarsten Dinge von der Welt zur Sprache kamen . Die theologischen und moralischen Untersuchungen verstand ich freilich in den ersten Jahren noch nicht , obschon sie oft kindlich genug waren ; jedoch nahmen sie auch schon damals nicht zu viele Zeit in Anspruch , da sich die Gesellschaft immer bald genug auf das Gebiet der Begebenheiten und sinnlichen Erfahrungen und damit auf eine Art von naturphilosophischem Feld hinüberverfügte , wo ich ebenfalls zu Hause war . Man suchte vorzüglich die Erscheinungen der Geisterwelt sowie die Ahnungen , Träume usw. in lebendigen Zusammenhang zu bringen und drang mit neugierigem Sinne in die geheimnisvollen Lokalitäten des gestirnten Himmels , in die Tiefe des Meers und der feuerspeienden Berge , von denen man hörte , und alles wurde zuletzt auf die religiösen Meinungen zurückgeführt . Es wurden Bücher von Hellsehenden , Berichte über merkwürdige Reisen durch verschiedene Himmelskörper und andere ähnliche Aufschlüsse gelesen , nachdem sie der Frau Margret zur Anschaffung empfohlen worden , und alsdann darüber gesprochen und die Phantasie mit den kühnsten Gedanken angefüllt . Der eine oder andere fügte dann noch aufgeschnappte Berichte aus der Wissenschaft hinzu , wie er von dem Bedienten eines Sternguckers gehört hatte , daß man durch dessen Fernrohr lebendige Wesen im Monde und feurige Schiffe in der Sonne sehen könne . Frau Margret hatte immer die lebendigste Einbildungskraft , und bei ihr ging alles in Fleisch und Blut über . Sie pflegte mehrmals in der Nacht aufzustehen und aus dem Fenster zu schauen , um nachzusehen , was in der stillen dunklen Welt vorging , und immer entdeckte sie einen verdächtigen Stern , der nicht wie gewöhnlich aussah , ein Meteor oder einen roten Schein , welch allem sie gleich einen Namen zu geben wußte . Alles war ihr von Bedeutung und belebt ; wenn die Sonne in ein Glas Wasser schien und durch dasselbe auf den hellpolierten Tisch , so waren die sieben spielenden Farben für sie ein unmittelbarer Abglanz der Herrlichkeiten , welche im Himmel selbst sein sollten . Sie sagte : » Seht ihr denn nicht die schönen Blumen und Kränze , die grünen Geländer und die roten Seidentücher ? diese goldenen Glöcklein und diese silbernen Brunnen ? « und sooft die Sonne in die Stube schien , machte sie das Experiment , um ein wenig in den Himmel zu sehen , wie sie meinte . Ihr Mann und der Schneider lachten sie dann aus , und der erste nannte sie eine phantastische Kuh . Jedoch auf einem festern Boden stand sie , wenn von Geistererscheinungen die Rede war , denn hier besaß sie unleugbare Erfahrungen die Menge , welche sie schon Schweiß genug gekostet hatten ; und fast alle andern wußten auch davon zu erzählen . Seit sie nicht mehr aus dem Hause kam , waren freilich ihre Erlebnisse auf ein häufiges Pochen und Rumoren in alten Wandschränken und etwa auf das Umherschleichen eines schwarzen Schafes in der nächtlichen Straße beschränkt , wenn sie um Mitternacht oder gegen Morgen ihre Inspektionen aus dem Fenster hielt . Auch geschah es wohl , daß sie ein kleines Männchen vor der Haustür entdeckte , welches , während sie mit scharfen kritischen Augen dasselbe beobachtete , plötzlich in die Höhe wuchs bis unter ihr Fenster , daß sie dasselbe kaum noch zuschlagen und sich ins Bett flüchten konnte . Hingegen in ihrer lugend war es lebhafter hergegangen , als sie , besonders noch auf dem Lande , bei Tag und Nacht durch Feld und Wald zu gehen hatte . Da waren kopflose Männer stundenweit ihr zur Seite gegangen und näher gerückt , je eifriger sie betete ; umgehende Bauern standen auf ihren ehemaligen Grundstücken und streckten flehend die Hand nach ihr aus ; Gehenkte rauschten von hohen Tannen hernieder mit schreckbarem Geheul und liefen ihr nach , um in den heilsamen Bereich einer guten Christin zu kommen , und sie schilderte mit ergreifenden Worten den peinlichen Zustand , in dem sie sich befand , wenn sie nicht unterlassen konnte , die unheimlichen Gesellen von der Seite anzuschielen , während sie doch wußte , daß dieses höchst schädlich sei . Einige Male war sie auch ganz aufgeschwollen auf der Seite , wo die Gespenster gelaufen waren , und mußte den Doktor herbeirufen . Ferner erzählte sie von den Zaubereien und bösen Künsten , welche zur Zeit ihrer Jugend , gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts , noch gang und gäbe waren