es in deinem Milchkeller sein ! « war sein letztes Wort . Die Leiche wurde nach dem Talgute gebracht und mit möglichstem Pomp in einem Gewölbe unter der dortigen Kirche beigesetzt , das auf diese Weise zur Erbgruft der Mehlborn eingeweiht wurde . Diese Feierlichkeit , samt ritterlicher Grufterrungenschaft , trug viel dazu bei , daß der Vater sich von dem Wetterschlage , so jach als er ihn niedergeworfen hatte , wieder emporrichtete . Denn kein Schmerz , der nicht eine Not in sich schließt , wandelt das Grundwesen eines Menschen um ; und Vater Mehlborn hatte wohl den einzigen Sohn , aber nicht , was eine Not in sich geschlossen haben würde , den einzigen Blutserben verloren . Er schaffte in die Breite und baute in die Höhe wie zuvor ; als ihm aber bald darauf von seiner Brigitte , die von jeher sein Liebling gewesen , der erste Enkel geboren ward , tröstete er sich , als hätte er nie einen Sohn besessen , in der Zuversicht , den freiherrlich Hartensteinschen Namen dem Namen Mehlborn verbunden zu sehen , sobald nur erst auch das Hauptgut Mehlbornsches Erbe geworden sein würde . Für die Mutter dahingegen war der Tod des Sohnes ein Schmerz der umwandelnden Not . Ein Stoß in den Herzgrund brachte , wie Pastor Blümel es ausdrückte , den Heilandstrieb zum Durchbruch , über welchem im gleichmäßigen Tageslauf sich eine Erdenschicht gebildet hatte . Und vielleicht hat nur der Mutterschmerz diese Gewalt . Rosine Mehlborn hatte bis in das Matronenalter still vor sich hin geschäfftert , keinem Menschen zuleide , aber auch keinem , außer ihren Allernächsten , zuliebe . Nun , da sie an ihrem tiefsten Bedürfen Mangel litt , wurde sie die leise Helferin bei jedem fremden Mangel , auf welchen ihr Blick gerichtet ward . Ihr Amtmann durfte es nicht merken , einer aber merkte es , der ihr nimmer aus den Augen wich . Im Morgendämmer und wenn der Mond in ihre Kammer schien , zwischen den Lämmerwölkchen , welche das blaue Himmelsfeld überziehen , vom ersten Stern des Abends und von dem letzten früh blickte ihres Hannes gutes Gesicht auf sie herab ; und wenn der Mangel , den sie gewahrte , ein recht großer und ihre Hülfe ein Opfer war , da sah sie ihren Hannes lächeln , und sie lächelte auch , nickte ihm zu und sagte : » Mein Hannes , ich komme bald ! « An ihre Brigitte dachte sie wohl auch , sie war ja ihr liebes Kind ; wenn sie aber nicht ihr liebes Kind gewesen wäre , würde sie an jeden Menschen eher als die Brigitte gedacht haben . Der Tochter Natur war ihr unverständlich und wurde es durch ihr Schicksal je mehr und mehr . Die beiden Erbkinder von Werben waren erst wenige Monate ein Paar geworden , als der einzige Bruder , ein Opfer seiner unfreiwillig überkommenen Standespflichten , fiel : im Pächterhause brach schier ein Mutterherz ; höher hinauf jedoch , » dem Throne näher « , trat der beklagenswerte Ausgang hinter dem Spottreiz des Anlasses zurück ; der Name Mehlborn erhielt einen belustigenden Klang , den seine alten Träger , gottlob ! nicht ahneten , der von dem chevaleresken Gatten der vormaligen Trägerin jedoch die Ehrenpflicht heischte , mit seinem besten Kameraden ein paar Kugeln zu wechseln . Ein Menschenopfer war in diesem zweiten Kampfe um den Mehlwurm nicht zu beklagen , der Wurm selbst aber um so weniger zur Ruhe gebracht worden . Hilmar von Hartenstein verstand daher einen gnädigen Wink von oben herab und vertauschte bis auf weiteres die blitzende Gardeuniform mit einer schlichten der Linie unter seines Vaters Kommando und in dessen wenig vergnüglicher Garnison . Wehe aber der liebenden Frau , welcher ein solches Opfer unter Zähneknirschen gebracht worden ist ! Vier Jahre waren seitdem verflossen , die alte Frau von Hartenstein war gestorben , die junge Frau von Hartenstein ein einziges Mal in der Heimat gewesen , um den Eltern die beiden Enkel vorzuführen , auf welchen ihre irdische Zukunftshoffnung beruhte ; bei dieser rührsamen Gelegenheit aber auch gegen Vater Mehlborn ein Geschäft der allerheikelsten Art - weil ohne die Entäußerung des Stammgutes - durchzusetzen . Unbegreiflicherweise für Vater Mehlborn sträubte sich gegen diese Entäußerung mehr als der Erbe der Mutter die Mutter der einstigen Erben . Brigitte von Hartenstein wollte die Lebensstellung ihrer Kinder nicht ausschließlich auf den Reichtum ihres Vaters gegründet sehen . Die Entwicklung , welche die vormalige Schülerin seit ihrer Verheiratung in Wesen und Willen genommen hatte , gab den Freunden in der Pfarre mancherlei zu denken und vertraulich zu besprechen . Brigitte von Hartenstein war auf bestem Wege , zu werden , was ungefähr von ihrer Zeit ab eine » bedeutende « Frau genannt worden ist ; eine Spezies , die man in früheren Tagen wohl auch dann und wann gefunden , allein anders betitelt hat . Kein Landmann würde in ihr den ländlichen Ursprung vermutet , aber auch kein Edelmann sich ihr als seinesgleichen vertraulich genähert haben ; sie hätte für eine Gelehrtentochter gelten können , so nach dem Grunde hin hatte sie sich mit zäher Ausdauer vertieft und so geflissentlich vermied sie den Schliff der Kreise , in welche sie sich einem Einzigen zuliebe gestellt . Sie hatte unter diesen Menschen seit dem Tode ihres Bruders , aber nicht durch diesen allein , bitterlich gelitten ; sie verachtete , ja , sie haßte diese Menschen . Jenen Einzigen aber liebte sie noch immer mit der hartnäckigen Ausschließlichkeit einer nüchternen Verstandesnatur . Sie nannte diese Liebe ihre Pflicht und forderte ausschließliche Gegenliebe als ihr Recht . Daß sie ihren schönen , charakterlosen Gatten liebte , lediglich weil er ihr heute wie in der ersten Stunde gefiel , gestand die charaktervolle Frau sich nicht ein . Daß sie , um von ihm geliebt zu werden , erst lernen mußte , ihm zu gefallen , würde sie unter ihrer Würde gehalten haben . » Hanna , « sagte Pastor Blümel zu seiner