« , fuhr das Mädchen auf , » jetzt können wieder einmal alle lachen über mich , bis sie genug haben . « » Das hab ' ich durchaus nicht bemerkt « , tröstete der Krämer . » Übrigens hat es schon von je geheißen : Neid bringt Glück . « » Dann müßt ' ich viel Glück haben , und ich wollte das , nur damit sie dann fast vergehen täten vor Neid . « » Was hat ' s denn gegeben ? « » Aber , Vater , wo bist du denn ins Haus hereingekommen ? « » Natürlich durch die Tür . Warum ? « » Dann mußt du auch gesehen haben , daß gleich nach dem Gottesdienst - oder wohl auch unter der Messe - die Leute nehmen es nicht so genau ... « Das Mädchen verbarg sein glühendes Gesicht wieder tief in die Kissen . » Eierschalen für den Biggel gestreut worden sind « , ergänzte der Krämer ruhig , und auf seinem Gesicht erschien wieder das frühere Lächeln . » Ja « , sagte Zusel , sich wieder aufrichtend . Sie mußte den Vater ernstlich drum ansehen , daß er das so heiter sagen konnte , als ob es ein fröhliches Ereignis wäre . » Und weißt du auch , von wem ? « fragte der Krämer . » Nun , von einem altmodischen Tropf . Ein paar Neidhämmel werden das angerichtet haben . « » Nein « , widersprach der Vater . » Diesen Possen hat dir einer gespielt , daß du dich mit mir darüber freuen kannst . « » Wer ? « » Stighans « , antwortete der Krämer mit einer Feierlichkeit , die deutlich genug sagte , für wie wichtig er diese Mitteilung halte . » Der ? « fuhr Zusel auf , » also eigentlich die alte Stigerin , der er folgen muß wie ein Schulbub . Was hat denn die gegen mich ? Soll ich auch noch dafür büßen , daß ihr dickköpfiger Hans der Angelika zuweilen ein gutes Wort gönnte ? « » Die Alte hat nichts gegen dich , und der gute Hans hat nur einen Spaß machen wollen , den du ihm ganz anders , viel besser auslegen solltest . « Zusel war durchaus nicht überzeugt , aber sie schämte sich ihrer Aufregung , und indem sie sich mit Gewalt zur Ruhe zwang , sagte sie , das würde die Stigerin wieder ganz rasend machen . » Die hat jetzt nichts mehr gegen uns « , versicherte der Krämer . » Hätt ' auch keine Ursache mehr dazu . Wie kommst du schon darauf , daß Hans so etwas zu tun imstande gewesen sei ? « » Der Hans ist nicht so übel . Sein bisheriger Knecht , von dem ich manches aus dem Hause erfuhr , hat mir oft gesagt , er wäre gar nicht so einfältig , als er aussähe , und mit keinem Menschen wäre besser auszukommen als mit ihm . « » Aber der Knecht ist schon vor einigen Tagen fort und hat nicht mehr sagen können , daß ... « » Ich hab ' aber die Schalen gestern abend selbst in seinem Hut auf einem Balken der Brücke gesehen . « » Und dann wird er dir gesagt haben , die seien für mich ? « » Du einfältiges Mädchen ! Das ist gar nicht nötig für mich . Welche von allen andern wäre denn , daß man ihretwegen dem Hans etwas derartiges zumuten sollte ? « » Und ich möchte fragen : Welche von allen wär ' ihm nicht gut genug ? Wie eine aussieht , wird ihn wenig kümmern , und Geld hat er selbst , und für eine Magd könnte die Alte mich nicht brauchen . Wie sollte er da an mich denken , und warum müßte ich mich noch gar freuen , wenn dieses Wunder wirklich geschähe ? « » Zusel « , sprach der Vater streng , » deinen Stolz hab ' ich dir nicht wie die andern verargt , diese Demut aber ist zu groß . Jetzt gefällst du mir so wenig als den anderen . Ist das eine Rede für dich ? « » Aber wär ' es stolzer und großartiger , wenn ich mich über so eines Hansen Gunst gleich einem armen Bettler freute ? Wünschtest du mich so ähnlich jeder anderen , der die Sorge für die Zukunft auf dem Halse liegt ? Wenn ich der Magd einmal irgendwo helfe oder sobald ich sonst einmal versuchen will , was ich könnte , so heißt es gleich , ich solle nur alles sein lassen . Dann sagst du mir , du hättest dir eben darum Tag und Nacht keine Ruhe gegönnt , daß ich es um so ruhiger bekäme . Ich bin dir denn auch dankbar , daß du mir eine so schöne Zukunft schaffen wolltest . So hab ' ich denken gelernt . Du sagst mir immer , ich brauche mich um niemand zu kümmern . Gut , also auch um Stighansen nicht , und selbst wenn sein Anwesen noch einmal so groß wäre . « Zusel stand auf , stellte sich kerzengerade vor den erstaunten Krämer hin und fuhr mit immer wachsender Leidenschaftlichkeit fort : » Mein Stolz ist nicht , hoch droben just neben dem oder dem zu sitzen , wenn mir das nicht nach meinem Kopf ist . Was hätte ich dir zu danken , als daß du es mir möglich machtest , fröhlich zu leben , ohne daß ich mich um jemand etwas kümmern muß ? « So hatte der Krämer seine Zusel noch nie gehört . Unfähig , seinen Ärger noch länger zu verbergen , wollte er jetzt das Kind von seiner stolzen Höhe bringen . Mehr nur , um sie zu bestrafen , als aus Berechnung sagte er so ruhig , als es ihm in diesem Augenblicke möglich war : » Ich weiß nicht , wie lang es her ist , seit du dich um