die Augen , blies eine Rauchwolke gegen ihn und begann ganz ex abrupto : » Ich heiße Friedrich Wilhelm Fiebiger , bin im Jahre 1788 zu Poppenhagen im Wirtshaus zum Drachen geboren und bin in die Welt gelaufen , nachdem mein Vater sein Wirtshaus in seiner eigenen Gaststube vertrunken , den Drachen in anderer Leute Hand , sich selber aber in die Grube gebracht hatte . Per varios casus bin ich endlich hier Polizeischreiber geworden und zugleich ein alter Gesell , der seine Stiefel selber putzt , selber seinen Kaffee kocht , grade wie Robinson Crusoe auf der Insel Juan Fernandez . Kennen Sie die Geschichte , Robert ? « Der Knabe nickte . » Gut , so wissen Sie auch , wie der in doppelter Hinsicht verschlagene Reisende einen grünen Vogel , wenn ich nicht irre einen Papagei , fing und zu seinem Freunde und Genossen machte . Ich versuchte dasselbe , um meine Einsamkeit zu erheitern , brachte es aber nur zu einem Starmatz , von dem sein Verkäufer behauptete , es sei der gebildetste Vogel , der jemals den Unterricht des Menschen genossen habe . Mißtrauisch innerhalb der Polizeistube , bin ich der leichtgläubigste Mann außerhalb derselben . Ich kaufte den Vogel , und mein Kummer war nicht gering , als ich aus dem Schnabel des schwarzen Satans nichts als die injuriösesten Schimpfnamen , Epitheta , wie sie noch niemals einem Polizeier geboten waren , zu hören bekam . Die Katze fraß die Bestie und rächte mich - nun frage ich dich , Robert Wolf vom Eulenbruch , willst du den Versuch machen , auf dem Fuß vollkommener Gleichberechtigung mit mir Stiefel zu putzen und Kaffee zu kochen ? Willst du meine Grillen und Launen ertragen und mir deine Seele geben , wie du sie der schönen Eva Dornbluth , unserer Landsmännin , gabst ? Ich bin kein Onkel Zauberer , der expreß aus Afrika nach China kommt , um sich von dem dummen Schneiderjungen Aladin die Wunderlampe aus der Zauberhöhle holen zu lassen und den Armen in blinder Wütenhaftigkeit darin einzusperren . Ängstige dich nicht , Robert Wolf . Ich bin arm und kann dir keinen Glanz versprechen . Ich bin arm , und du wirst mit mir arm sein ; hart wirst du arbeiten müssen , denn der Mensch ist zur harten Arbeit geschaffen . Viel Feiertage wird ' s nicht abwerfen , denn die Feiertage sind den Menschen deiner Art nichts nütz ; Licht und Luft wirst du in dem Dasein , welches ich dir biete , nicht so unmittelbar aus der ersten Hand haben wie in deiner - in unserer waldigen Heimat . Bedenke dich - wirst du dein Leben in meine Hand legen , so will ich versuchen , mit guter Hülfe diesem Leben einen Inhalt zu geben , wie es sich für ein vernünftiges Wesen schickt ! « Zitternd rief der Jüngling : » Sie wollen sich so meiner annehmen ? Ich soll hier bei Ihnen leben ? Ich soll hier in dieser Stadt wohnen ? « » Wenn du willst , so wird dem nichts entgegenstehen . « » Ich kann mit ihr nicht in einer Stadt leben ! « schrie Robert Wolf , mit der alten Energie aufspringend . » Ich könnte ihr in den Straßen begegnen , und ich würde sie dann töten . O lassen Sie mich meines Weges gehen , jetzt , jetzt gleich ! « » Ruhe , mein Junge ; immer ruhig Blut « , sagte der Schreiber gemütlich , » Wir haben nun das erste Brot und Salz der Gastfreundschaft miteinander gegessen , jetzt wollen wir dir , so gut es angeht , ein Nachtlager bereiten . Ich leihe dir für diesmal einen Strohsack und einen alten Mantel . Morgen im Tageslicht wird alles ganz anders aussehen . Morgen will ich meine Fragen dir wiederholen ; jetzt hast du ein wenig das Fieber und mußt ausschlafen . Komm zu Bett . « Robert Wolf folgte dem Alten schwankend ; in der zweiten Kammer wurde der Strohsack auf den Boden geworfen und ein erträgliches Lager hergestellt . Der Knabe aus dem Walde hatte zu oft auf nackter Erde geschlafen , um nicht ein solches Bett eines Königs würdig zu finden . Der Schreiber reichte ihm die Hand und sprach : » Schlafe wohl , mein Kind ; träume nicht allzu unruhig ; du schläfst in der Wohnung eines Freundes . Denke nicht an das hübsche Mädchen , sondern tu mir die Liebe an und schnarch . Der Klang der Fußtritte des Glücks ist von dem Gepolter , womit das Unglück einherschreitet , oft schwer genug zu unterscheiden . Es ist immer aber hübsch von beiden , wenn sie nicht in unhörbaren Gummiüberschuhen herangeschlichen kommen . Fac , ut valeas . « Der Alte ging mit der Lampe , und der Knabe warf sich seufzend auf das harte Lager . In der Stube schritt der Schreiber auf und ab und horchte kopfschüttelnd auf das bitterliche Weinen , in welchem sich das arme zusammengepreßte Herz des Knaben , jetzt wo es dunkel und still umher war , unaufhaltsam Luft machte . » Armes Kind « , murmelte der Alte . » Weine nur , spül rein die junge Seele ! Wer weiß , wozu du bestimmt bist ? Mit harter Hand faßt das Schicksal vor allem gern seine Günstlinge ; ruhig , auf makadamisiertem Pfad - alle Viertelmeile ein Meilenzeiger - läßt es nur die wandeln , welchen das Los der goldenen Mittelmäßigkeit aus der geheimnisvollen Urne fiel . Nicht in Goldwolken hüllt das Schicksal seine Erkorenen ; in den dunkeln Mantel des Schmerzes , der Gebrechen , der Krankheit und jeglichen Elends hüllt es sie und reißt sie durch das Leben . Und neidisch ist das Schicksal ; wie manchen hohen Geist hat es für sich behalten in dem dunkeln Mantel , wie selten fällt die Hülle von der Schulter eines Auserwählten , wie selten wird ein Individuum für die übrige Menschheit denkmalreif und ein