Melitta waren zum ersten Male seit ihrer unterbrochenen Conversation von vorhin allein geblieben . Melitta hatte von einem Rosenstrauch , der zu den Füßen der Flora wuchs , eine Rose gepflückt und betrachtete sinnend die köstliche Blume . Verzeihen Sie , mein Herr , sagte sie plötzlich , leise und rasch , aber ohne die Augen aufzuschlagen , daß ich vorhin die Unschicklichkeit beging , Sie ohne weiteres um einen Besuch zu bitten , der Ihnen am Ende beschwerlich fällt , aber - Kein Aber , gnädige Frau ; ich wiederhole im Ernst , was ich vorhin aus bloßer Höflichkeit sagte , daß ich mich glücklich schätzen würde , Ihnen irgendwie dienen zu können . Sie kommen also morgen ? Wie Sie befehlen . Nein : wie ich wünsche . - Sehen Sie nur , wie wundervoll diese Rose ist ! Lieben Sie auch die Rosen so ? Ich liebe Alles , was schön ist , sagte Oswald , nicht auf die Rose , sondern auf Melitta blickend . Sie hob die langen Wimpern und schaute dem jungen Mann tief und voll in die leuchtenden Augen . Da ! sagte sie plötzlich und hielt ihm die Rose entgegen , als ob er ihren Duft einathmen sollte ; er aber fühlte nur , wie sich die schlanken Finger der Dame leicht wie ein Hauch auf seine Lippen legten . Die Pferde sind da , Tante ! rief Bruno . Ich komme ! antwortete Melitta und eilte von Oswald fort . Die Rose lag zu seinen Füßen ; er bückte sich schnell , hob sie auf und verbarg sie an seiner Brust . Mademoiselle Marguerite brachte Melitta Federhut , Reitpeitsche und Handschuh . Ist die Baronin im Zimmer ? Ja . So will ich gehen , ihr Adieu zu sagen . Der alte Baron , Oswald und die Knaben gingen durch die Gitterthür des Parks nach dem Schloßhofe , wo ein Reitknecht zwei Pferde am Zügel führte . Oswald bewunderte die Schönheit dieser Thiere , besonders das mit dem Damensattel , ein herrliches Vollblut , Melitta ' s Lieblingspferd : Bella . Melitta trat , von der Baronin und Mademoiselle gefolgt , aus dem Portale rasch auf ihr Pferd zu . Der alte Baron hob sie in den Sattel . Adieu , adieu ! rief sie herunter . Allez ! Bella ! und so sprengte sie aus dem Schloßhof , hinein in den dämmerigen Abend . Die Anderen waren wieder in ' s Haus getreten . Oswald stand , die Augen nach dem Thor gerichtet , durch das Melitta verschwunden war , in sich versunken da . Wollen wir nicht hineingehen , Oswald ? fragte Bruno , seine Hand ergreifend ; es ist dunkel geworden . Es ist dunkel geworden , wiederholte der junge Mann und folgte träumend dem Knaben . Achtes Capitel Der Baron hatte Oswald angeboten , ihn nach der Kirche fahren zu lassen ; der junge Mann aber , der die schwerfälligen Braunen noch von dem Abend seiner Ankunft her in bösem Angedenken hielt , es abgelehnt . Bruno und Malte erwarteten heute die Knaben eines benachbarten Edelmannes zum Besuch . Bruno wäre am liebsten mit Oswald gegangen , da dieser aber selbst ihn zu bleiben bat , sagte er : Sie sind recht froh , daß Sie mich auf ein paar Stunden los sind , aber ich weiß , was ich thue . Ich gehe in den Wald und komme vor Abend nicht nach Hause . Das wirst Du nicht thun , Bruno ! Und weshalb nicht ? fragte der Knabe trotzig . Weil Du mich lieb hast . Nun denn , so will ich Ihnen zu Liebe hier bleiben , den albernen Hans von Plüggen nicht prügeln und mich überhaupt so musterhaft benehmen , daß selbst Tante zufrieden sein soll . Thue das , lieber Junge . Leb ' wohl ! Leb ' wohl , Lieber , Bester ! reif der Knabe und warf sich stürmisch an die Brust seines einzigen Freundes , und eilte von ihm fort , in den Garten , dort mit seinem wilden Herzen allein zu sein . Oswald ging aus dem Schloßhofe den Weg , von dem er wußte , daß er nach dem Pfarrhofe führte . Die Sonne schien hell aus dem blauen Himmel , an welchem weiße Wolkenballen unbeweglich standen . Es war nicht heiß , denn der Athem des nahen Meeres hauchte Kühlung durch die Sommerluft . Lerchen jubelten hoch droben » im blauen Raum verloren . « An dem Rande des nahen Waldes , von dem eine Ecke , Oswald zur Rechten , weit in das bebaute Land hineinschoß , zog ein Gabelweih seine Kreise . Auf den Feldern sah man keine Arbeiter ; die Ackergeräthe lagen müßig . In einer Koppel , an welcher der Weg vorüberführte , lagen in satter Ruhe Kühe und Kälber ; ein paar muntere Füllen kamen an den Zaun , und sahen neugierig nach dem Wanderer . Oswald hatte schon den Hof des Gutes hinter sich . Er kam auf dem mit Weiden an beiden Seiten besetzten Wege an der Stelle vorüber , wo der Streit zwischen Bruno und dem Knechte stattgefunden hatte . Unwillkürlich blieb er stehen ; die ganze Scene wurde wieder lebendig vor seinem Auge ; er sah den schönen Knaben , zürnend und drohend , wie ein jugendlicher Gott ; und den feigen zurücktaumelnden Knecht . Fast that es ihm leid , daß er seinen Liebling zum Zurückbleiben vermocht hatte . Er fühlte sich so leicht , so froh an diesem schönen Morgen , und es war ihm schon zur lieben Gewohnheit geworden , wenn seine Seele ein Fest feierte , den Knaben zu Gast zu haben . Du , wie Al Hafi , Wilder , Guter , Edler ! sprach er bei sich , was willst Du in dieser Welt von weibischen Männern ! Fürchten sie sich doch jetzt schon vor Dir , da Du ein Knabe bist , was werden sie thun , wenn Du ein